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Weitwanderwege:Wandern in Portugal, Norwegen und auf dem Balkan

Stoischer Storch

Auf der Rota Vicentina an Portugals Küste

Rota vicentina

Auf dem Küstenwanderweg Rota Vicentina im Alentejo schaut man immer wieder Störchen ins Nest.

(Foto: Hans Gasser)

Wenn man am Cabo Sardão ankommt, nach ein paar Stunden auf dem sandigen Pfad, der oben an der Steilküste entlangführt und viel Wind, salzig-ätherische Düfte und jede Menge umwerfende Aussichten geboten hat, ist man doch etwas perplex, dass es noch schöner, wilder und ursprünglicher geht. Denn nicht nur, dass die Klippen hier 200 Meter in den tobenden Atlantik abfallen; auf den kantigen Abbrüchen sitzen wie hingemalt in ihren Nestern Weißstörche. Stoisch stehen sie im harten Wind, der das Gefieder zerzaust, ihnen aber nichts auszumachen scheint. Es soll europaweit der einzige Platz sein, an dem die sonst nur auf Gebäuden nistenden Störche auf Felsklippen brüten.

Wer auf der Rota Vicentina durch den Naturpark Sudoeste Alentejano wandert, muss sich aber nicht unbedingt für Störche oder andere der hier zahlreich vorkommenden Vögel interessieren. Die bunte Küstenvegetation, die rötlich-ockerfarbenen Felsen, die weiten, vom Meer glattgeleckten Sandbuchten: Es ist eine der schönsten und naturbelassensten Küsten ganz Europas, an der man hier auf vier Etappen und mehreren Anschlusswegen insgesamt 125 Kilometer entlangwandern kann. Besonders schön sind die Abschnitte zwischen Almograve und Zambujeira do Mar sowie zwischen Vila Nova do Milfontes und Porto Covo. Man trifft hier viele junge Wanderer mit Rucksack und Zelt, meist Deutsche, die den ganzen Weg bis zum Cabo de São Vicente gehen. Muss man aber nicht. Wer nur Tagestouren machen will, kann mit dem Bus wieder zurück zum Ausgangspunkt fahren.

Der Weg ist sehr gut markiert, geht immer leicht auf und ab, ist aber wegen des Sandes relativ anstrengend. Seit kurzem gibt es neben dem "Fischerpfad" an der Küste eine historische Rota Vicentina, die in zwölf Etappen durchs Hinterland mit seinen Dörfern und Kulturlandschaften führt. Das hat den Vorteil, dass man an vielen guten Restaurants vorbeikommt, zum Beispiel an der Tasca do Celso in Vila Nova. Wer nicht einkehrt, ist selber schuld (de.rotavicentina.com). Hans Gasser

Im Land der Skipetaren

Drei Länder, ein Weg: der "Peaks of the Balkans"

Viel Natur, wenig Infrastruktur: Auf dem Weg "Peaks of the Balkans" geht es durch Albanien, Kosovo und Montenegro.

(Foto: Mauritius Images / Alamy / Richard Parsons)

Wo noch vor 20 Jahren Krieg herrschte, führt heute ein Weg in eine bessere Zukunft: der "Peaks of the Balkans Trail", 200 Kilometer durch das Karstgebirge im Dreiländereck von Albanien, Kosovo und Montenegro. Es ist das Prokletije, der südliche Abschluss des Dinarischen Gebirges, das in Italien beginnt und parallel zur Adria verläuft. Jezerca in Albanien und Gjeravica in Kosovo sind mit 2694 und 2656 Metern die höchsten Gipfel, der Arapi mit seiner 800 Meter hohen Südwand ist der eindrucksvollste. "Verwunschene Berge" oder "Verfluchte Berge" wird das Gebirge auch genannt - je nachdem, ob man einen Naturfex oder einen gehfaulen Busfahrer im Tal nach der Übersetzung fragt.

In zehn Tagesetappen geht es durch eine wilde, touristisch kaum entwickelte Region. Jahrzehntelang von Bunkern und Panzergräben abgeschottet und von den blutigen Konflikten an seinen Rändern erschüttert, hat sich hier eine alpine Urlandschaft erhalten. Unterwegs auf den Pfaden der Hirten und Waffenschmuggler schläft man am Berg in primitiven Hütten, teils in umgebauten Schafställen, im Tal in kleinen Lodges und Gästehäusern. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Deutsche Alpenverein (DAV), die den Weg vor fünf Jahren eingerichtet haben, schulen die Einheimischen zu Bergführern und Gastgebern.

Für Wanderer, die alle paar Kilometer eine bewirtschaftete Alm gewohnt sind, ist der Weg trotzdem ein Abenteuer. Für die Einheimischen schafft er Einkommen, er bremst die Landflucht und bringt die Menschen zusammen. Nachts, wenn sich ein Wolf den Schafsherden nähert, kann schon mal ein Gewehr krachen.

Man darf hier auf eigene Faust losgehen, sollte aber lieber einen Guide oder eine organisierte Tour buchen, denn die Beschilderung lässt teils zu wünschen übrig. Um möglichst viele Interessen zu befriedigen, verläuft der Trail nicht immer auf der Ideallinie, und um die grünen Grenzen zu übertreten, sind mehr oder weniger umständlich einzuholende polizeiliche Genehmigungen erforderlich. Ansonsten ist es wie bei Karl May: die Schluchten des Balkans und das Land der Skipetaren - hier sind sie. (peaksofthebalkans.com, dav-summit-club.de) Jochen Temsch

Beten im Stall

Pilgern auf dem Olavsweg in Norwegen

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Der schönste Teil des Olavswegs führt durch den Dovrefjell National Park.

(Foto: imago / Westend61)

Wem der Jakobsweg zu überlaufen ist, der sollte nach Norden ausweichen. 643 Kilometer weit windet sich der Olavsweg von Oslo bis zum Nidarosdom in Trondheim, der Kathedrale des norwegischen Nationalheiligen. Im Mittelalter wanderten ihn Tausende, manche barfuß - bis der dänische König seinen norwegischen Untertanen 1536 die Reformation verordnete und das Pilgern verbot, zeitweise bei Todesstrafe. Der moderne Olavsweg, 1997 von Kronprinz Haakon Magnus eingeweiht, wird heute professionell als Netzwerk von Pilgerwegen nach Trondheim vermarktet. In den vergangenen Jahren verbesserte man die Markierung, alle Flüsse haben jetzt Brücken. Und doch geht man hier noch ganze Tage allein, über die Felder und Weiden des Gudbrandstals, durch Birkenhaine voller Wildblumen, über Hochmoore und vorbei an schilfgesäumten Seen. Erst abends trifft man die Mitwanderer in den Pilgerherbergen wieder. Geschlafen wird in Pensionen, Berghütten und uralten Bauernhöfen.

Wer nur einen Abschnitt wandern will, sollte das Dovrefjell wählen. Im Nationalpark verläuft der wildeste Teil des Olavswegs, selbst im Sommer kann es hier schneien. Die beste Zeit zum Wandern ist Juli bis Mitte August, wer im Hochsommer geht, sollte allerdings die Unterkunft Wochen im Voraus buchen. Früher im Jahr liegt auf dem Dovrefjell manchmal noch Schnee, danach schließen schon die ersten Hotels. Man wandert über weite Bergrücken, auf denen nur hüfthohe Zwergbirken und Rentierflechten wachsen, in der Ferne schimmern die Schneefelder von Jotunheimen, des höchsten Gebirges in Norwegen. Mitten in dieser grandiosen Ödnis liegt Fokstugu, der wohl spirituellste Ort des Weges. Auf dem Bauernhof hat das tief gläubige Besitzerpaar aus den Ruinen eines Schafstalls eine Kapelle gebaut. Dort, in der Stille der Berge, findet mancher Pilger endlich das, was er gesucht hat: Einkehr. (pilegrimsleden.no/de) Florian Sanktjohanser

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

© SZ vom 14.08.2019/edi
Ingrid Lazarus

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