Raumfahrtzentrum in Florida Wie Astronauten auf die Toilette gehen

Das Spaceshuttle Atlantis beim Start. Zum letzten Mal hob es am 8. Juli 2011 ab. Heute steht die Raumfähre im Kennedy Space Center.

(Foto: mauritius images)

Fliegen eines Tages Menschen auf den Mars? Darauf hat auch die Raumfahrt-Ausstellung im Kennedy Space Center keine Antwort. Trotzdem lohnt sich der Besuch.

Von Steve Przybilla

"Mama, wie ist das, wenn Astronauten mal müssen?" Das Mädchen mit den blonden Zöpfen erwartet eine Antwort, die Mutter kichert verlegen. "Also, ähm." Zum Glück ist professionelle Hilfe nicht weit. "Sie glauben gar nicht, wie oft wir diese Frage hier hören", sagt ein Nasa-Mitarbeiter, der neben einer ausgemusterten Trägerrakete steht. "Astronauten, Schwerelosigkeit, Toiletten - so was fasziniert eben die Kinder." Und wie ist es nun? Der Mann zeigt auf eine nachgebaute Toilettenkabine mit Vakuum-WC. "Wird alles abgesaugt, aber nur, wenn sie genau zielen. Das gehört zur Grundausbildung aller Raumfahrer."

Nicht alles im Kennedy Space Center ist so witzig wie die Frage nach den Toiletten. Leid und Freude, Jubel und Trauer sind in der Geschichte der amerikanischen Raumfahrt eng miteinander verwoben. Die Insel vor der Küste Floridas, besser bekannt als Cape Canaveral, dient seit einem halben Jahrhundert als Weltraum-Bahnhof. Wenngleich die Vermarktung heute wesentlich professioneller läuft als früher: Als Neil Armstrong 1969 zum Mond flog, konnte das Publikum die Reise allenfalls vor dem Radio oder im Fernsehen verfolgen. Heute ist das Space Center selbst zur Attraktion geworden, ein lebendes Museum, in dem sich alles um frühere und künftige Weltraummissionen dreht, allen voran die nächste Mars-Mission (2020 soll der nächste "Mars-Rover" starten).

Die wichtigste Zutat für einen authentischen Weltraum-Spaziergang? Eine starke Klimaanlage. Während im All minus 270 Grad Celsius herrschen, kratzt Cape Canaveral im Sommer häufig an der 40-Grad-Marke. Der Weltraum-Bahnhof liegt mitten in einem Sumpfgebiet, schon im Eingangsbereich zeichnen sich Schweißflecken auf den T-Shirts der Besucher ab. Im "Raketengarten" dann der komplette Temperaturschock: Die Sonne knallt auf acht ausgemusterte Antriebsmodule, die höher sind als so manches Bürogebäude. Ein seltsames Gefühl, dass die meisten dieser Raketen ursprünglich als Massenvernichtungswaffen entwickelt wurden, bevor sie in der Raumfahrt zum Einsatz kamen. Krieg und Frieden, Zerstörung und Schöpfung - alles nah beieinander in der galaktischen Forschung.

Ganz anders die Stimmung in den Ausstellungshallen. Der Gang wirkt dunkel und kühl, wie im Weltraum. Hier ruht das Spaceshuttle Atlantis: 26 Jahre lang war es im Einsatz: 33 Missionen, 126 000 geflogene Meilen, zwölf Andock-Vorgänge an der internationalen Raumstation ISS. Nun steht es im Besucherzentrum, ein beleuchteter Stahlpfeil, den jüngere Besucher nur noch aus dem Fernsehen kennen. Anfassen verboten, Fragen stellen erlaubt. "Gab's da auch was zu essen?", fragt ein Knirps mit Nasa-Mütze. Seine Eltern verweisen auf eine gläserne Vitrine, in der eingeschweißte Astronautenkost liegt. "Nudeln mit Käse, Cracker, Erdbeer-Frühstückstrunk", antwortet die Mutter. "Auch nicht schlechter als gestern im Flugzeug, oder?"

Neues entdecken, fremde Welten erobern: Wenn die Nasa ihre Werbefilme zeigt, klingt immer auch ein bisschen "Star Trek" mit durch. Dazu eine kräftige Portion Pathos, ein Appell an den amerikanischen Pioniergeist, der sogar bei den internationalen Besuchern verfängt - laut Space Center kommen fast 50 Prozent aus dem Ausland. Dabei werden auch die Schattenseiten des großen Abenteuers nicht verschwiegen: der tägliche Kampf gegen Muskelschwund, kosmische Strahlung und umherfliegender Weltraumschrott. Während Hobby-Astronomen am Boden jubeln, sitzen die echten Astronauten einsam in ihren Wohnmodulen. Ein Leben im All ist ein Leben voller Entbehrungen.