Seatrekking in Kroatien "Das Schönste ist das Fliegen unter Wasser"

Wache taucht ab - unterstützt von einem mit Kies gefüllten Trinkrucksack als Sinkblei -, hält inne für den Druckausgleich, sinkt mit ruhigem Flossenschlag weiter zum Meeresgrund. "Das Schönste", sagt er, "ist das Fliegen unter Wasser."

Er kann bis zu 30 Meter tief tauchen und zweieinhalb Minuten die Luft anhalten. Aber Rekorde interessieren ihn nicht. Tiefer als 20 Meter geht Wache fast nie. Denn bei bis zu 70 Tauchgängen pro Tag könnte sich sonst gefährlich viel Stickstoff im Körper anreichern. Und beim Seatrekking gehe es nicht um große Tiefen, erklärt er. Sondern darum, sich wie eine Robbe im Wasser zu bewegen. Wieder und wieder stößt Wache ins Blau hinab. Die Verbindungsleine zum Rucksack ist zwar nur sieben Meter lang, aber elastisch. Man spürt sie kaum. Wir gleiten zwischen Felsbrocken hindurch, die überzogen sind von einem Pelz aus blassgelben Algen; an einer Abbruchkante entlang, aus der neongelbe Röhrenschwämme sprießen. Krustenanemonen blühen hier wie Blumen. Neben roten Algenbüscheln kleben Seesterne, ringeln sich bunt gemusterte Seeschnecken. Ein Oktopus lugt aus seiner Höhle. Weit unten wachsen filigran verästelte Korallen.

Seatrekking in Kroatien

Unter den Wellen

Bei einer Atempause schaut Wache auf die Uhr: "Oh", sagt er, "jetzt müssen wir mal Strecke machen. Bis zum Kap schwimmen wir durch." Das Kap wirkt nahe, aber das Strampeln scheint kein Ende zu nehmen. Der Spann schmerzt, ich drehe mich auf den Rücken. Büsche und Bäume wachsen die Hänge herab, darunter stürzt die Felswand senkrecht ins Meer, hundertfach gespalten. Über uns sitzt ein Gänsegeier in seinem Nest. Ein paar Kajakfahrer starren uns an, ansonsten sind wir allein.

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Als ich nach mehr als einer Stunde und vier Kilometern Nonstop-Schwimmen endlich am Strand ankomme, ziehe ich nur noch den Anzug aus und sinke erschöpft in den Kies. Auf der anderen Seite der Meerenge leuchten die weißen Zylinder einer Ölraffinerie und die Wohntürme von Rijeka in der Abendsonne.

Die Wildnis ist eine Illusion, und doch ist sie für uns real. Wache heizt die Spirituskocher an und packt eine schwarze Plastikröhre aus. Ein Meerwasser-Entsalzer, 3000 Euro das Stück. "Luxus", sagt er. "Da oben wäre sicher irgendwo Wasser." Er meint jenseits der Klippen, die uns einschließen. Wache beginnt zu pumpen, Tropfen rinnen in den Wassersack. Vier bis acht Liter schaffe man pro Stunde, sagt er, je nach Bizeps. Auf einem Kocher blubbert ein Mix aus Waldpilz-Tütensuppe und Linsen, auf dem anderen brutzeln Zwiebeln, Knoblauch und Tofuwürstchen für die Polenta.

Am Lagerfeuer erzählt Wache noch lange. Von der Freiheit, die er beim Seatrekking spürt. Von Korsika, wo er nachts im Neoprenanzug auf seiner angebundenen Luftmatratze im Meer schlief. Und von seinem bisher längsten Trail in Thailand, zehn Tage allein auf Ko Adang. "Ich könnte das auch fünf Jahre lang machen", sagt er. Sein Traum sei der unendliche Trail: Einmal um die ganze Welt.

Informationen

Anreise: Aus mehreren deutschen Städten gibt es Direktflüge nach Rijeka, von München aus fahren auch Nachtbusse. Von Rijeka legt nur eine Fähre pro Tag direkt nach Cres-Stadt ab. Häufiger führt ein Bustransfer über die Insel Krk.

Seatrekking: Auf www.aetem.de sind verschiedene Routenvorschläge zu finden. Kosten je nach Dauer und Route. Über die Webseite können ab Winter auch die speziellen Wasser-Rucksäcke bestellt werden.

Reisezeit: Im Mittelmeer sind die Bedingungen für Seatrekking von Mai bis Oktober gut. Am klarsten ist das Meer im Mai, September und Oktober.

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