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Flugreisen an Ostern:Kein Test am Feiertag

Coronavirus - Flughafen Frankfurt

Die Semana Santa erschwerte Lufthansa-Reisenden am Osterwochenende den Rückflug aus Spanien.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Reisende, die am Osterwochenende aus Spanien nach Deutschland fliegen wollten, hatten ein Problem: Denn ein Corona-Test war kaum zu bekommen.

Von Astrid Becker

"Indulgencia" ist das spanische Wort für Nachsicht. Alma Torres Wahlberg muss in diesen Tagen eine ordentliche Portion davon aufbringen. Sie arbeitet am Check-in des Lufthansa-Schalters am Costa-del-Sol-Flughafen in Málaga. Es ist Ostersonntag, 15 Uhr. Gerade hat sie wieder einem Passagier des Fluges LH 1833 nach München erklären müssen, dass er eine Bordkarte nur mit einem negativen Corona-Test bekommt, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Von den neuen Einreisebestimmungen, die seit 30. März für Deutschland gelten, wüssten die meisten Reisenden in diesen Tagen noch gar nichts, erzählt Alma Torres Wahlberg. Und diejenigen, die die neuen Vorschriften mitbekommen haben, dürften in den Tagen vor Ostern der Verzweiflung nahe gewesen sein: Denn in Andalusien in dieser Zeit einen Termin für einen Sars-C0V-2-Test zu bekommen, ist nahezu unmöglich.

Nirgendwo sonst in Spanien spielt die Karwoche, die Semana Santa, eine so wichtige Rolle für die Bevölkerung wie in Andalusien. Wenn nicht gerade Pandemie ist, vereint sich dort Religiosität mit Folklore. Von Gründonnerstag auf Karfreitag finden im ganzen Land große Prozessionen statt, die ein Jahr lang geplant werden, bei denen tonnenschwere Madonnen oder Kruzifixe durch die Straßen getragen werden. Eine ganze Nacht lang. Kurz: ein Riesenspektakel, das die gesamte Bevölkerung auf die Straßen bringt.

Deshalb sind beide Tage, Gründonnerstag wie Karfreitag, die wichtigsten Feiertage in Andalusien, an beiden Tagen wird nicht gearbeitet. Daran konnte auch das Coronavirus und die deswegen abgesagten Prozessionen nichts ändern. Mit fatalen Folgen für alle, die am Osterwochenende nach Deutschland fliegen wollten und dafür einen negativen Test vorweisen mussten - etwa in Málaga.

Cristina Sanchez zum Beispiel. Auch sie hatte den Flug LH 1833 am Ostersonntag nach München gebucht. Für den Abstrich ist sie am Samstag extra nach Granada gefahren, von Málaga etwa 90 Kilometer entfernt. "Mir kam zugute, dass Spanisch meine Muttersprache ist und ich um einen Termin gebettelt habe, den ich sonst nicht bekommen hätte." Da ist aber auch das junge deutsche Pärchen, das in Marbella mit Ärzten befreundet ist: "Sie haben uns getestet, sonst hätten wir wohl keine Chance gehabt, diesen Flug wahrnehmen zu können", sagen sie.

Personalausweis reicht nicht

Auch Hans Döhne berichtet Ähnliches: Er ist halb Deutscher, halb Spanier und wird in München an der Technischen Universität ein Erasmusprogramm absolvieren. Er kommt aus Málaga. "Ich kenne deshalb etwa 40 Kilometer weiter, in Fuengirola, ein Labor, das so nett war, mich trotz Semana Santa zu testen. Aber für all diejenigen, die nicht in Málaga leben, dürfte die Sache mit dem Test sehr schwierig gewesen sein." Er erzählt noch von einem deutschen Tennisfreund, der seinen Flug umgebucht habe, weil es unmöglich gewesen sei, einen den Vorschriften entsprechenden Termin für einen Test zu bekommen.

Nach den neuen Bestimmungen liegen die Tests rein in der Verantwortung der Reisenden. An den meisten Flughäfen wird es vor Ort eine Testmöglichkeit geben, teilt das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage mit. Wo dies nicht der Fall sei, würden Testmöglichkeiten im Umfeld der Flughäfen angeboten. Diese Auskunft ist nicht falsch, sie gilt auch für Málaga und Umgebung, allerdings nur, wenn es gelingt, einen Termin zu vereinbaren.

In vielen Privatkrankenhäusern, etwa der Kette "Xanit", ist dies normalerweise zumindest von Montag bis Freitag möglich, manchmal auch rund um die Uhr. Nicht aber an Gründonnerstag und Karfreitag. Bei "Xanit" in Algeciras zum Beispiel ist vom 31. März bis 5. April Pause angesagt - wegen Semana Santa. Im Krankenhaus Quirónsalud in der Nähe des Flughafens in Málaga wird am Osterwochenende zumindest von 8 bis 14 Uhr gearbeitet. Aber ohne Termin kein Abstrich. Telefonisch ist dort die ganze Karwoche über niemand zu erreichen.

Spanische Apotheken verkaufen keine Selbsttests

Wer es über das Internet versucht, hat ebenfalls Pech: Für die Terminvergabe muss man sich online registrieren, seine Identität dafür aber durch ein Dokument bestätigen. Der deutsche Personalausweis, den viele für Reisen innerhalb Europas nutzen, wird nicht akzeptiert. Die Spanier verlangen den Reisepass oder eine spezielle Dokumentennummer für Ausländer, die aber nur besitzen dürfte, wer in Spanien eine Immobilie gekauft, einen Handyvertrag abgeschlossen oder ein Bankkonto eröffnet hat.

Fluggesellschaften wie Lufthansa bemühen sich daher, auf ihren Websites Reisende über Testmöglichkeiten zu informieren. Für spanische Reiseziele gibt es allerdings bis jetzt kaum welche an Flughäfen. In Málaga, einem sehr beliebten Reiseziel für Deutsche, gibt es ein Testcenter erst seit etwa zwei Wochen. Und das ist bereits komplett ausgebucht - derzeit bis 13. April.

"Bei uns sind die Tests um die Hälfte billiger als an Krankenhäusern", so erklärt sich das Antonio Reina, der dort die Abstriche nimmt. "Wenn wir eine Lücke haben, können wir jemanden einschieben, aber garantieren können wir das nicht." Für die Reisenden sei das eine enorme Unsicherheit. "Ein Dilemma", sagt er.

Die Bundesregierung will nun nachbessern. Umsetzungsschwierigkeiten sollen möglichst schnell ausgeräumt, Abläufe optimiert werden, heißt es aus dem Bundespresseamt. Im Notfall, so teilt auch das Bundesverkehrsministerium mit, seien auch Selbsttests erlaubt - im Rahmen eines Video-Ident-Verfahrens oder überwacht durch eine dafür autorisierte Person.

Die Lufthansa schließt dies bisher aber als "nicht gültig" aus. Ohnehin dürfte derjenige Rückkehrer, der darauf gesetzt hat, enttäuscht worden sein: Spanische Apotheken dürfen keine solchen Selbsttests verkaufen. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum an diesem Ostersonntag auf dem Flug LH 1833 einige Plätze unbesetzt blieben.

© SZ/moge
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