Flughäfen Warum Reisende so gern in Singapur landen

Die neueste Attraktion auf dem Gelände heißt Jewel. Unter einer futuristischen Kuppel liegt eine Dschungelwelt samt Wasserfall.

(Foto: AFP)

Der Changi Airport steht seit Jahren in der Beliebtheit der Passagiere ganz oben. Das liegt nicht nur an den Schmetterlingen und den duftenden Toiletten.

Von Arne Perras

Ein später Nachmittag im Mai, der voll besetzte Airbus hat seine Parkposition erreicht, die Passagiere laufen die Fluggastbrücke hinauf in den Terminal, einige haben es sichtlich eilig und steuern auf den ersten Eingang gegenüber zu. Drinnen arbeitet ein älterer Herr in orangefarbener Uniform, er hat eine Sprühflasche mit Duftwasser in der Hand und hebt grüne Topfpflanzen vom Wandvorsprung. Mit der fürsorglichen Akribie eines Gärtners benebelt er die Blätter, ein Hauch von Jasmin liegt in der Luft. Ein Fluggast rumpelt mit dem Handkoffer um die Ecke, stutzt. Hat er sich in "Opas Blumenladen" verirrt? Aber nein, dies ist tatsächlich eine der Herrentoiletten im Changi Airport, Singapur.

"Sie glauben gar nicht, wie wichtig den Menschen Dinge wie Flughafentoiletten sind", sagt Ivan Tan. Dieser Mann muss es wissen, er gehört zum Management des internationalen Flughafens von Singapur. Wer Economy-Klasse fliegt und nicht den Komfort einer Business-Lounge nutzen kann, hat auf den Airport-Örtchen dieser Welt schon so manches mitgemacht. Insofern wissen viele Leute die "Changi Experience" durchaus zu schätzen.

Nun wäre es natürlich zu einfach, das Geheimnis dieses Flughafens allein mit seinen sagenhaft sauberen Toiletten zu erklären. Aber wer sich mit Tan unterhält, merkt bald, dass diese Drehscheibe in Südostasien eine Aufgabe besonders ernst zu nehmen scheint: Immerzu und überall versuchen mobile Kundenbetreuer herauszufinden, wie zufrieden die Passagiere sind. Sie sitzen dafür nicht an Informationstheken herum und warten auf Kundschaft, sie schwärmen aus in die Gänge und Hallen, gehen auf die Leute zu. So führen sie Tag für Tag etwa hundert Befragungen durch. Und wenn sie dann wissen, wo es wieder mal hakt, werden Fehler und Mängel schnellstmöglich behoben. Als beispielsweise die Zahl chinesischer Fluggäste vor einigen Jahren stark anstieg, wurden Klagen laut, dass man sich nirgendwo heißes Wasser für Tee abfüllen könne. "Also haben wir solche Spender installiert, um auf die Bedürfnisse zu reagieren", sagt Tan.

Wer seine Urlaubsfotos gleich mit anderen Besuchern über den Großbildschirm teilen möchte – auch das ist möglich, am „Social Tree“.

(Foto: Bloomberg)

Ist der Kunde hier schon König? Zumindest scheint Changi die Rückmeldungen seiner Gäste ernst zu nehmen, und so wird dieser Airport bei internationalen Passagierbefragungen immer wieder zum besten Flughafen der Welt gekürt - beim bekanntesten Ranking, dem der Beratungsfirma Skytrax, nun zum siebten Mal in Folge.

Es gibt dafür viele Gründe. Es fängt schon an mit der Freundlichkeit. Der Ton am Flughafen ist generell deutlich anders als jener, der einem zum Beispiel in Gestalt raunzender Zöllner am Flughafen München entgegenschlägt. Die Beschilderungen sind überall exzellent, Wege leicht zu finden und zu bewältigen, selten gibt es ein Drängeln oder ermüdende Schlangen. Es fällt sehr leicht, in Changi abzureisen oder anzukommen, auch wenn man Economy fliegt. Selten dauert es von der Maschine bis zum Taxi länger als 40 Minuten. Wer nur mit Handgepäck reist, schafft es auch mal in einer Viertelstunde. Elektronische Schranken beschleunigen die Kontrollen, Pass und Fingerabdruck scannen, schon ist man durch und draußen.

Schlange stehen, warten, rätseln, wann es endlich weitergeht? Jeder kennt diese nervtötenden Momente an Flughäfen. In Changi sind sie eine seltene Erfahrung. Aber es gibt sie. Zum Beispiel, wenn Budget-Airlines ihren Zeitplan nicht einhalten können, zu spät kommen und dann ihren Flieger draußen auf dem Rollfeld parken müssen, weil der zugewiesene Platz am Terminal längst wieder besetzt ist.

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Verglichen mit den Zuständen an anderen Airports ist das aber kaum der Rede wert. Wer in Manila von einem Terminal zum anderen will, muss mit dem Gepäck erst einmal raus in die stickige Stadt, sich durch den abenteuerlichen Stau quälen, um dann womöglich festzustellen, dass er seinen Anschlussflug auf der anderen Seite gar nicht mehr erreicht. Oder Islamabad: Wenn dort die Massen zur Pilgerreise nach Mekka aufbrechen, steht man ratlos 500 Meter vor dem Flughafengebäude und fragt sich vier Stunden vor Abflug, wie man es überhaupt hinein schaffen soll bis zum Check-in, geschweige denn weiter in die Maschine. Dafür müssen schließlich drei Helfer angeheuert werden, die schon Übung haben und sich brachial eine Schneise bis ins Innere des Airports bahnen.

Unvergesslich auch Monrovia im Westen Afrikas, die Reise ist schon einige Jahre her: Man steht an der Gepäckausgabe, aber wo bleibt nur der Koffer? Freundliche Flughafenbedienstete kommen gelaufen und erkundigen sich, ob sie behilflich sein können. Der Koffer ist weg? Blöde Sache, aber natürlich gibt es für alles eine Lösung, schließlich ist dies Liberia, nur keine Angst, das Gepäck wird sicher wieder auftauchen. Wobei: Einen Finderlohn sollte man vielleicht schon einkalkulieren, um seine Sachen auszulösen.

Wer Zeit hat, kann dem Putzroboter bei der Arbeit zuschauen.

(Foto: Bloomberg)

Airports in Krisenländern bieten schon mal aufreibende Abenteuer, Changi mit seiner Effizienz und Leichtigkeit ist davon Welten entfernt. Dieser Airport hält den Adrenalin-Pegel der Reisenden auf geringem Niveau, was nicht heißen soll, dass es einem langweilig werden muss. Viele landen an diesem Ort, um umzusteigen, was oft mehrere Stunden Wartezeit im Terminal bedeutet. Aber auch Einchecken, Passkontrolle und Sicherheitscheck erfordern an jedem Airport Zeit. "Man kann einen Flughafen wie eine Bushaltestelle betrachten", sagt Tan, "aber wir in Changi tun das nicht." Weil die Leute hier mehrere Stunden verbringen, will der Airport den Gästen etwas bieten, damit Frust oder Langeweile erst gar nicht aufkommen.