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Seefeld in Tirol:Wie Seefeld wieder zu neuem Glanz gelangte

Irgendwie hat die nächste Generation sich einen Ruck gegeben, die Häuser vom Muff der 80er-Jahre befreit, investiert und stilvoll renoviert - wie Seyrling auch. Seine hauseigene Disco-Bar, die Kanne, in der sich mehr oder weniger Prominente trafen, gibt es immer noch. "Aber das ist jetzt eher ein Kännchen", sagt Seyrling. Stattdessen hat er den Wellnessbereich ausgebaut. Die Fußgängerzone, gegen die sein Großvater gekämpft hat, sieht der Enkel als Juwel.

Wie das Hotel Klosterbräu befinden sich viele Häuser in Familienbesitz. Auch wenn manche Familien nicht aus der Region stammen wie die Familie Liebherr mit dem Hotel Interalpen, ist die Verbundenheit zur Region groß. "Die Zusammenarbeit mit Familienhotels ist einfacher, weil diese über Generationen denken", betont Elias Walser, Geschäftsführer des Tourismusverbands Seefeld. Das Resultat: Es werden wenig Hotels verkauft. Und die Übernachtungszahlen sind wieder dort, wo sie einst waren, bei über einer Million.

Auch Bürgermeister Frießer sieht die Entwicklung positiv: "Wir haben ja nichts anderes als den Tourismus." Nur noch wenige "Problemkinder" gebe es. Eine weitere Bebauung aber wäre das falsche Signal, findet er. Projekte wie das geplante Hotel des Karstadt-Besitzers René Benko direkt am See seien in Ordnung, das seien ja nur Ersatzbauten für alte oder bereits abgerissene Häuser. "Aber das, was Grünfläche ist, soll auch Grünfläche bleiben."

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Zum Beispiel der Pfarrbichl, der sich wie eine grüne Insel zwischen Ortskern und Sportzentrum schiebt. Mit zweitem Wohnsitz sind 1700 Personen angemeldet - das sind aber laut Frießer viele, die woanders ihren ersten Wohnsitz haben und in Seefeld arbeiten. Für die Familien ist gesorgt, sagt der Rathauschef: "Es gibt mehr Kinderbetreuungsstunden als in Innsbruck." Die Schule ist renoviert, es gibt Vereine, die Feuerwehr - die 3400 Einwohner haben ihr Leben, nicht nur die Sorge um die Belegung der knapp 8000 Gästebetten.

Also alles gut? Nein, sagt Elisabeth Gürtler. "Seefeld fehlt noch ein klares Profil, aber wir alle arbeiten daran", erklärt die Chefin des Fünf-Sterne-Superior-Hotels Astoria. Bei Ischgl denke man an Party, bei Kitzbühel an die Hautevolee, und bei Seefeld? An nichts Spezielles, findet sie.

Die Familie der 68-Jährigen besitzt die Hotels Sacher in Wien und Salzburg, jahrelang organisierte sie den Wiener Opernball, bis Ende des Jahres leitet sie noch die Spanische Hofreitschule, mit Seefeld ist sie verbunden, seit ihr Vater in ihrem Geburtsjahr die Pension Britannia, das heutige Astoria, kaufte. Ihre Gäste, sagt sie, schätzen das erholsame Abschalten, das, was man Sommerfrische nannte und nun auf den Winter ausdehnt. Sie lädt regelmäßig Künstler nach Seefeld ein, um den Wert des Ortes zu unterstreichen. Etwa den Bariton Clemens Unterreiner. "Menschen wie ihm nimmt man ab, dass sie Gutes schätzen." Die Weltmeisterschaft sei wichtig, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, doch es wäre fatal, findet sie, Seefeld auf Langlauf zu reduzieren.

"Seefeld fehlt noch ein klares Profil", findet Elisabeth Gürtler, die das Fünf-Sterne-Hotel Astoria im Ort leitet.

(Foto: Daniel Zangerl/Astoria)

Aber Ruhe, Bummeln und Sport schließen sich ja nicht aus. Das haben Maria und Wolfgang Pfeiffer früh gemerkt. Die Pfeiffers haben wie Gürtler Familienbesitz übernommen, oben in Leutasch, und ihm ihre eigene Ausrichtung gegeben: "Besondere Naturerlebnisse, ergänzt mit Yoga, Meditation und vegetarischem Essen gehören zum Konzept des Hauses", sagt Maria Pfeiffer. "Aufatmen" lautet der Name des 30-Betten-Hauses, es ist komplett mit Naturmaterialien ausgestattet, Fernseher gibt es nicht. Die Weltmeisterschaft, findet das Ehepaar, tut Seefeld gut: Die Infrastruktur oder die neu gestaltete Wasserfläche ums Seekirchl am Sportzentrum sei ein Gewinn. "Das ist lässig", sagt Maria Pfeiffer. Ihre Gäste schätzten den Bummel in der Fußgängerzone von Seefeld, um dann wieder in die Natur und Ruhe nach Leutasch zurückzukommen.

Im Februar kriegen die Besucher dann auch noch erstklassige Sportereignisse geboten, die Teams bringen Image und Leben. Danach hat die Region vermutlich wieder mehr von dem, was viele Gäste suchen und was sich der Bürgermeister mit der Baggerphobie wünscht: Ruhe.

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