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Reiseziel für 2020: Kärnten:Langsame Violetta

Tipp für einen Urlaub ohne Flug: "Slow Food" bei Bauern und Köchen in Österreich.

In Omas Suppentopf brauten Klaus Feistritzer und Alois Planner vor 15 Jahren ihr erstes eigenes Bier. Heute sind die beiden Kärntner erfolgreiche Unternehmer. Mit ihren Craft-Getränken gewinnen sie internationale Auszeichnungen, etwa mit der "Gailtaler Weisse" aus heimischem Bio-Getreide. In ihrer Biermanufaktur "Loncium" im Kurort Kötschach-Mauthen lassen sie sich bei der Arbeit über die Schultern schauen - eines von rund drei Dutzend "Mitmach-Erlebnissen", die die Kärntner Kooperation "Slow Food Travel" in diesem Jahr anbietet.

Eckart Mandler, der Leiter des Projekts, übersetzt "Slow Food Travel" mit "Unterwegs zum langsamen Essen". Es geht um Reisen zu Bauern, Köchen, Bäckern und Kräuterkennern, die gemeinsam mit ihren Gästen die Ursprünge wertvoller Lebensmittel entdecken. Auch engagierte Hoteliers sind dabei, etwa Franz und Monika Aigner, die Europas erstes biozertifiziertes Kinderhotel, den Kreuzwirt am Weißensee, betreiben. Außerdem Imker, Fischer, Müller im hoch gelegenen Wallfahrtsort Maria Luggau, wo noch historische Mühlen klappern. Es gibt Kräuterspaziergänge, Wanderungen zu Almen, auf denen Senner noch wie vor hundert Jahren ihren Käse herstellen. Man kann am Jörgishof in Tscheltsch mit der Bergbäuerin buttern, in Würmlach Polenta aus Weißem Landmais machen oder in Kirchbach mit Heimo Oberrauner purpurne Kartoffeln der heimischen Sorte Violetta ernten, Brot backen, Nudeln formen und Speck würzen.

Dahinter steht der Gedanke: Nur wer selbst erfährt, wie gute, gesunde Lebensmittel erzeugt werden, kann sie wertschätzen und ist bereit, einen fairen Preis dafür zu zahlen. Das Konzept fußt auf der Slow-Food-Bewegung, die vor 30 Jahren aus Protest gegen die erste italienische McDonald's-Filiale im Piemont gegründet wurde. In Kärnten kommt die Begegnung mit den traditionellen Lebensmittelhandwerkern dazu. Im Lesachtal und im Gailtal gibt es besonders viele solcher kleinen Produzenten. Die Region ist nur wenige Kilometer von der italienischen Grenze entfernt, hier gehen die alpine und die mediterrane Landschaft ineinander über - die südlichen Einflüsse schmeckt man. Und natürlich ist "Slow Food Travel" auch ein wirkungsvolles Werbe-Instrument, das den Produzenten dabei hilft, ihr Einkommen zu sichern. (slowfood.travel/de)

© SZ vom 16.01.2020/ihe
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