Tipps aus der Redaktion Zu Tataren, Eidgenbrötlern - und ins bessere Amerika

Aussicht auf die Skyline von Toronto.

(Foto: Brian Summers/mauritius)

Kanada profitiert vom Imageproblem seines großen Nachbarn

Von Ingrid Brunner

Kanada boomt - und woran liegt das? Die Rocky Mountains, die Seen, die Bären, die wilden Küsten gibt es ja schon lange. Aber Kanada hat es verstanden, 2017 seinen 150. Geburtstag klug zu vermarkten und darüber hinaus auch unbekanntere Ziele, etwa die Ostküstenstaaten oder die kanadische Arktis, in den Fokus zu rücken. Das Land hat noch Potenzial für Entdecker. Auf dem 18 078 Kilometer langen Transcanada Trail kann man das Land von der Ost- bis zur Westküste und jetzt auch bis in an die Beaufortsee in der Arktis erkunden. In Justin Trudeau hat Kanada einen vergleichsweise jungen, smarten Präsidenten, der für eine weltoffene, multikulturelle Gesellschaft wirbt und sein Land als sichere, liberale Alternative zum Nachbarn USA präsentiert. Kanada profitiert vom Imageproblem des Trump-Landes, das sich in den großen US-amerikanischen Städten bemerkbar macht. Reisende stellen fest: Auch Toronto hat eine spektakuläre Skyline, eine innovative Restaurantszene, Shopping Malls und dazu eine Waterfront am Ontariosee. Nicht zuletzt steht der kanadische Dollar günstiger zum Euro als der US-Dollar. Und wer den stets freundlichen Empfang durch die kanadischen Grenzbeamten kennt, kommt womöglich zu dem Schluss, dass Kanada das bessere Amerika ist.

Beste Reisezeit: Jede bis auf das Frühjahr. Der kanadische Indian Summer mit seinen bunten Ahornbäumen steht jenem in Neuengland in nichts nach.

Nicht verpassen: Bei der Calgary Stampede, die dieses Jahr vom 6. bis 15. Juli stattfindet, verwandelt sich die Stadt in eine gigantische Western Town. Mit zehn Tage lang Staub, Cowboys, Rodeos, Stier-Wrestling, Bull Riding und Western Music im Freien.

Die Kul-Scharif-Moschee in Kasan ist das zweitgrößte Gebetshaus für Muslime in Russland - wobei sie neben so einem Vollmond winzig wirkt.

(Foto: AP)

Kasan ist eine multikulturelle Studentenstadt und Spielort der Deutschen bei der Fußball-WM

Von Julian Hans

Jeder kennt die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau, aber nur wenige wissen, warum sie da steht. Zar Iwan IV. (der Schreckliche) hat sie in Auftrag gegeben, nachdem sein Heer 1552 Kasan eingenommen hatte. Der Sieg über die Tataren begründete das russische Vielvölkerreich. In Kasan bekommt man einen guten Eindruck davon, was das bedeutet. 800 Kilometer östlich von Moskau sind in der Hauptstadt der Teilrepublik Tatarstan christliche und muslimische Kultur miteinander verwoben. Die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale beherbergt eines der wichtigsten orthodoxen Heiligtümer, die Ikone der Gottesmutter von Kasan. Nicht weit entfernt steht die Kul-Scharif-Moschee, das zweitgrößte Gebetshaus für Muslime in Russland. In Tatarstan leben etwa zur Hälfte orthodoxe Russen und muslimische Tataren.

Wer eine Stadt erobert und sie auf Dauer halten will, der baut eine starke Festung. Der Kreml von Kasan gehört heute zum Unesco-Weltkulturerbe. Weil in Tatarstan auch Öl gefördert wird, konnte sich Kasan zuletzt ein neues Gewand leisten, das Tataren-Viertel wurde renoviert, die Uferstraße zu einer Promenade umgestaltet, auf der man mit Leihrädern spazierenfahren kann. Die Stadt ist aber mehr als ein Museum, sie war immer auch ein Zentrum der Wissenschaft. Von den 1,2 Millionen Einwohnern sind 180 000 Studenten. Wenn es also nicht Moskau oder St. Petersburg sein muss, dann ist Kasan an der Wolga das Ziel der Wahl, um neue Facetten an Russland zu entdecken. Dass die deutsche Mannschaft eines ihrer Vorrunden-Spiele bei der Fußball-WM 2018 hier austrägt, ist eine gute Gelegenheit. Es gibt nur einen Direktflug mit Aeroflot von Frankfurt. Ein Zwischenstopp bei der Basilius-Kathedrale in Moskau wäre aber nicht unbedingt ein Umweg, sondern eher eine gute Einstimmung.

Beste Reisezeit: Mittwoch, 27. Juni, 17 Uhr Ortszeit ist Anpfiff beim Fußballspiel Deutschland gegen Südkorea.

Nicht verpassen: Etschpotschmack, Kystybyi, Tschak-Tschak - die tatarische Küche ist doppelt reizvoll: für den Gaumen und bei der Aussprache.

Das Café Majestic in Porto ist in einem Gebäude aus der Belle Époque untergebracht.

(Foto: robert Harding/Mauritius)

Die zweitgrößte Stadt Portugals hat sich einen leicht räudigen Charme bewahrt

Von David Denk

Wer nach Porto kommt, und sei es zum wiederholten Male, sollte sich die erhebende Aussicht von der Ponte Dom Luís I nicht entgehen lassen: am einen Ufer des Douro die Stadt Vila Nova de Gaia mit ihren Portwein-Kellereien, auf der anderen Seite Porto, und da hinten gleich der Atlantik. Wer sich auf die Brücke wagt, sollte schwindelfrei sein - und sich vor der Metro in Acht nehmen, die hier oberirdisch und ohne nennenswert abgetrennten Gleisbereich verkehrt.

Spätestens seit die zweitgrößte Stadt Portugals 2001 Kulturhauptstadt Europas war, ist sie kein Geheimtipp mehr. Es werden immer mehr Touristen, was zu viel Metro-Gebimmel auf der Brücke führt, aber bislang kann man ihnen noch gut aus dem Weg gehen, sofern man sich von der Altstadt, insbesondere dem Viertel Foz Velha direkt am Douro-Ufer, fernhält.

Es gibt den Fluss in Porto, eine Menge Kirchen sowie die historische Buchhandlung Livraria Lello mit ihrem Harry-Potter-Charme, aber man braucht nicht zwingend großen touristischen Ehrgeiz, um sich in der Stadt wohlzufühlen: Man kann in Porto auch wunderbar einfach nur durch die Gassen schlendern, sich am leicht räudigen Charme noch unsanierter Altbauten erfreuen und je nach Tageszeit in Cafés wie dem stilsicher-lässigen Candelabro einen Espresso trinken oder ein Glas Rotwein. Wenn es drei Euro kostet, ist es schon der bessere Tropfen. Und wenn es drei Gläser werden, kann man danach bequem nach Hause laufen. Porto beweist: Eine Stadt muss nicht riesengroß sein, um viel zu bieten. Man kann nur hoffen, dass sie ihren Charme gegen den Ansturm der Touristen zu verteidigen weiß.

Beste Reisezeit: Wer Rummel mag, legt den Reisetermin auf die Festa de São Joao: In der Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni ist die ganze Stadt auf den Beinen. Alle anderen kommen am besten, wenn es in Deutschland noch oder schon wieder kalt ist.

Nicht verpassen: das Sandwich Francesinha - die Kalorienbombe aus Käse, Fleisch und Weißbrot, meist noch mit Pommes als Beilage serviert, ist nicht jedermanns Fall, aber in Porto weltberühmt.

Panorama am Fuße des Matterhorns.

(Foto: Imago)

Die Schweiz ist schön wie eh und je und neuerdings wieder etwas günstiger

Von Hans Gasser

Man kann von der Schweiz und ihrer "Eidgenbrötlerei" mitten in Europa halten was man will: Als Urlaubsland ist sie auf Dauer unverzichtbar. Wer die Berge liebt, der muss einfach mal das Matterhorn, den Aletschgletscher und die Landschaft um den Vierwaldstättersee gesehen haben. Der Preis dafür hat in den vergangenen Jahren viele Deutsche und andere Europäer abgeschreckt. Sie fuhren einfach nicht mehr hin, weil der Franken gegenüber dem Euro sehr stark war und die Hotels veraltet waren und gleichzeitig sehr teuer.

Nun tut sich aber einiges. 2017 verlor der Franken gegenüber dem Euro etwa zehn Prozent an Wert, was den Schweiz-Urlaub günstiger macht. Und dann haben die Schweizer erkannt, dass sie nicht in Schönheit sterben können. Hotels wurden renoviert, Seilbahnen zusammengeschlossen, die Preise teils gesenkt. In Saas Fee kann man nun schon zum zweiten Mal mit einem nur rund 200 Euro teuren Saisonskipass um die Viertausender kurven. In Grächen hat man die Deckelung des Frankenwerts zum Euro einfach nie aufgehoben. Abgesehen von solchen Angeboten muss Urlaub in der Schweiz nicht uferlos teuer sein, wenn man ein paar Dinge beherzigt: Statt in Hotels sollte man sich in Ferienwohnungen einquartieren. Davon gibt es viele, und sie kosten nicht viel mehr als anderswo. Genauso ist es mit den Schweizer Campingplätzen, die oft eine sehr hohe Qualität aufweisen. Wer sich bei Migros oder Coop mit Lebensmitteln versorgt, wird sehen, dass man fürs selbe Geld viel bessere Ware bekommt als in den meisten deutschen Supermärkten. Ja, und dann muss es ja nicht immer Zermatt sein. Es gibt Gegenden wie etwa das Safiental oder das Bergell, die eine fantastische Bergnatur samt bewirtschafteten Almen bieten, wo aber kaum was los ist. Das darf man gar nicht zu laut sagen. Also Psst! - und hinfahren!

Beste Reisezeit: Mitte bis Ende September

Nicht verpassen: Das weltweite beste Bahn- und Bussystem und das schönste Dorf der Alpen: Soglio.