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Reisetipps:Zum Gin oder doch lieber zum Whisky?

Reise

Halbe-halbe? Die meisten schwören entweder auf Gin. Oder auf Whisky.

(Foto: Illustration: Sead Mujic)

Fans halten entweder Whisky oder Gin jeweils für das Höchste. Je sechs Tipps für den Genuss unterwegs - vom Gin im Bergwerk bis zum Jakobsweg für Whisky-Gläubige.

Ginstruktionen: Zu Gast im Londoner Gin-Hotel

Die erste Adresse für Wacholderschnapsfans in London lautet 186 Portobello Road. Hier hat im vergangenen Jahr das erste Gin-Hotel Großbritanniens eröffnet. Auf vier Stockwerken dreht sich alles um die Spirituose: Im Keller befindet sich eine eigene Destillerie, bei dreistündigen Verkostungen lässt ein "Ginstructor" die Teilnehmer an Botanicals schnuppern, referiert die Geschichte des Gins und stellt mit den Gästen eigene Mischungen her. In den Etagen darüber liegen zwei Bars, die mehr als 100 Ginsorten vorhalten. Im einen Lokal werden klassische Pubgerichte serviert, im anderen gibt es Tapas - eine Hommage an Spanien, das Land mit den angeblich meisten Gintrinkern. Unterm Dach liegt ein Veranstaltungsraum zum Mieten, und dann gibt es noch drei Zimmer, in denen man seinen Rausch ausschlafen kann. Frühstück gibt es keines, auch am Morgen sind die Gäste auf Flüssiges angewiesen. (https://the-distillery.london, DZ ab etwa 140 Euro, Übernachtung ab 18 Jahren) Jochen Temsch

Gin City: Keine Metropole ohne Szene-Destillen

Die meisten Schnäpse werden auf dem Land gebrannt, wo Birnbäume, Gerste oder Trauben wachsen. Der Modeschnaps Gin hingegen geht häufig aus Großstädten hervor: Allein in München samt Umland gibt es sechs Ginproduzenten, darunter die Pioniere von "The Duke", die bereits 2008 in einem Hinterhof begonnen haben. Marken wie "The Illusionist", dessen Farbe bei Zugabe von Tonicwater wechselt, der "Siegfried"-Gin aus Bonn oder der Berliner "Adler"-Gin zeigen, worauf es vor allem anzukommen scheint: weniger auf das kunstfertige Brennen als vielmehr auf kreatives Marketing. Das Herstellen von Gin ist im Vergleich zu Obst- oder Whiskybrennen relativ einfach: In Rohalkohol werden Kräuter und Gewürze eingelegt und einmal destilliert. Die In-Gins sind in den angesagten Ausgehvierteln überall zu haben, manche Hersteller bieten Brennerei-Führungen an, etwa "The Duke" oder "Adler". Hans Gasser

Das Rezept Rhabarber-Mule mit oder ohne Gin
Das Rezept
Sundowner

Rhabarber-Mule mit oder ohne Gin

Rühren und knabbern: Bei diesem Sundowner können Sie den Cocktaillöffel mitessen.

Salzig im Abgang: Berchtesgaden bietet Gin aus dem Bergwerk

Schon seit 1692 besitzt die Enzianbrennerei Grassl in Berchtesgaden das Recht, neben ihrem Lieblingsbrennstoff Enzian auch Wacholder aus dem angrenzenden Nationalpark holen zu dürfen. "Nur hat Wacholder ewig lang keinen interessiert", meint Martin Beierl, einer der beiden Grassl-Geschäftsführer. Das hat sich mit der Welle der Ginbegeisterung schlagartig geändert. Die erste Flasche "Bergbrenner Gin" wurde 2016 geöffnet; seit diesem Herbst ist die Weiterentwicklung <NM1>für 27,99 Euro pro halber Liter<NM>erhältlich: der "Miner's Gin". Er erhält seinen "leicht salzigen Abgang" (Beierl) durch die Lagerung in einem Seitenstollen des Salzbergwerks Berchtesgaden und ist nicht nur ein Trick aus dem Handbuch des Spirituosenmarketings, sondern auch die Symbiose zweier Traditionsunternehmen. Denn das Bergwerk feierte heuer sein 500-jähriges Bestehen und versüßt die Stollentouren für Besucher nur zu gerne mit kleinen Randgeschichten. Wie eben Steinfässern, randvoll mit Minengin. Dominik Prantl

Gute Ginfrastruktur: Interaktiv zu Schottlands Brennereien

Gin gilt als Nationalgetränk der Briten. Weniger bekannt ist, dass der meiste Wacholderschnaps von der Insel aus Schottland und seinen Dutzenden namhaften Destillerien stammt. Für eine bessere Übersicht über die Ginfrastruktur des Landes hat der britische Wirtschaftsverband für Wein und Spirituosen eine digitale Karte mit Destillerien und Gin-Bars entwickelt und zu deren Erkundung einen Scotland Gin Trail eingerichtet: Der Weg führt von The Shetland Distillery Company auf Unst, der nördlichsten bewohnten Insel Großbritanniens, bis zur Crafty Distillery in den Galloway Hills im Süden. Ginteractive nennt sich diese Landkarte für Pub-Touristen. In Edinburgh kann man außerdem Juniper Gin Cruises buchen, zweistündige Bootstouren über den Union Canal mit Ginverkostung.(www.visitscotland.com/see-do/food-drink/gin-tours-tastings/map/; www.solid-liquids.co.uk/juniper-gin-events) Evelyn Pschak

Reisefotograf Alexander May: Schottland

"Hoffen Sie auf Wolken, Nebel, Regen!"

Stollen der Rekorde: In Kufstein gibt es eine Bar mit 888 Ginsorten

Der Weg in den Ginhimmel führt in einen alten Stollen mitten in Kufstein. Er wurde laut den Annalen des Anwesens einst von der namhaften Brauereifamilie Auracher in den angrenzenden Festungsberg getrieben und diente ursprünglich als Bierkühlung. Seit 2014 beherbergt der Felstunnel jedoch den "Stollen 1930", eine Bar im Flüsterkneipen-Stil der Prohibitionszeit. Außer auffälligen Kronleuchtern und Barkeepern mit Schirmmütze und Hosenträgern gibt es hier vor allem die - vom Guinnessbuch der Rekorde beglaubigte - größte Ginauswahl des Universums. 888 Sorten der Spirituose sind offiziell vorrätig, dazu 30 verschiedene Tonic Water. Wollte man sämtliche, alleine aus diesen zwei Komponenten mögliche Kombinationen testen, könnte man fast 73 Jahre lang jeden Abend einen anderen Gin Tonic trinken. Wer das versuchen möchte, sollte sich beeilen. Laut Geschäftsführer Martin Gasteiger soll das Ginsortiment möglichst bald auf 1000 aufgestockt werden. Dominik Prantl

Mutter aller Gins: Die Niederlande sind stolz auf ihren Genever

Alle Welt destilliert Gin auf mehr oder weniger britische Art. Und wer hat's erfunden? Die Niederländer. Die Mutter des Gins ist der Genever. Der holländische Nationalbrand, destilliert aus gemälztem Getreide, wird vermischt mit einem zweiten Destillat aus Wacholder (Genever), Kümmel und anderen Gewürzen. Der Schnaps wurde während des niederländisch-spanischen Krieges im 17. Jahrhundert von Soldaten nach England gebracht und begann dort seine Karriere als Gin. In der kleinen Stadt Schiedam soll der Genever erfunden worden sein, hier gibt es das Nationale Genever-Museum und im Frühling ein Genever-Festival, das in der barocken Hafenkirche stattfindet - mit Cocktailwettstreit, Workshops und Verkostungen. Wie wichtig der Schnaps ist, zeigt, dass World-Businessclass-Gäste der nationalen Fluglinie KLM seit 65 Jahren als Geschenk ein Delfter Porzellanhäuschen bekommen, gefüllt mit Bols-Genever. Hans Gasser