Reiserecht:Welche Reiseversicherungen sinnvoll sind

Bei vielen Reisebuchungen bekommt der Kunde die Versicherung gleich mit angeboten. Ein Klick und schon ist der Abschluss erledigt. Auch im Reisebüro gehört die Frage "Wollen Sie noch eine Versicherung abschließen" zu fast jedem Verkaufsgespräch. Meist wird gleich ein ganzes Paket gebucht, von der Krankenversicherung über den Gepäckschutz bis zur Notfall-Hotline. Praktisch, oder? Verbraucherschützer sind anderer Ansicht: Die Pakete enthielten zwar einige sinnvolle, aber auch völlig überflüssige Policen. Günstiger sei es, nur die wirklich notwendigen Versicherungen einzeln abzuschließen.

Sollten sich Reisende für einen Auslandsaufenthalt krankenversichern? Reicht der deutsche Versicherungsschutz nicht aus?

"Wenn es ins Ausland geht, ist die Auslandsreisekrankenversicherung unverzichtbar", betont Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Zwar besteht für gesetzlich Versicherte auch in den EU-Ländern Versicherungsschutz. Er deckt die tatsächlichen Kosten jedoch nicht ab, denn Urlauber werden oft nur als Privatpatienten behandelt. Bei einem Krankenhausaufenthalt kommen dann schnell mehrere Tausend Euro zusammen, die der Reisende aus eigener Tasche aufbringen müsste, einen Rücktransport nach Deutschland würde die gesetzliche Krankenversicherung ebenfalls nicht zahlen. Auch die meisten privaten Krankenversicherungen, die zwar Arztbehandlungen im Ausland übernehmen, steigen aus, wenn der Ambulanzflieger gechartert werden muss. Eine Auslandskrankenversicherung, die ärztliche Behandlungen im Ausland umfassend abdeckt, kostet für Singles ab zehn Euro im Jahr, für Familien rund 20 Euro. Der Blick ins Kleingedruckte ist mühsam, aber notwendig, weil sich die Versicherungsbedingungen zum Teil deutlich unterscheiden: Wie viele Reisetage sind versichert? Wird auch bei Vorerkrankungen gezahlt? Gilt die Versicherung weltweit oder nur in bestimmten Ländern? Wichtig sind großzügige Regelungen für den Rücktransport. "Einige Versicherer zahlen nur den ärztlich angeordneten, medizinisch notwendigen Rücktransport. Eine gute Police versichert hingegen auch den medizinisch sinnvoll und vertretbaren Rücktransport", erläutert Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV).

Lohnt sich eine Reiserücktrittskostenversicherung?

Wer einen Pauschalurlaub, einen Flug oder einen Hotelaufenthalt bucht und die Reise dann doch nicht antritt, muss in den allermeisten Fällen Stornogebühren zahlen. Sie sind in der Regel zeitlich gestaffelt und umso höher, je näher die Abreise rückt. Fällt die Entscheidung erst eine Woche vor Abflug, können durchaus 80 Prozent des Reisepreises fällig werden. Gegen dieses Risiko sichert eine Reiserücktrittskostenversicherung ab. Sie übernimmt die Stornogebühren. "Ich hatte doch keine Lust", reicht allerdings als Rücktrittsgrund nicht aus. Gezahlt wird bei plötzlichen Erkrankungen, Todesfällen in der engen Verwandtschaft, bei plötzlicher Arbeitslosigkeit oder schweren Vermögensschäden, wie beispielsweise einem Brand in der Wohnung. Bei einigen Versicherungen ist auch ein kurzfristiger Jobwechsel abgesichert - oder der Scheidungsfall. Ergänzt werden kann die Police um eine Reiseabbruchversicherung: Dann werden auch die Kosten erstattet, die durch eine vorzeitige Heimreise entstehen.

Wie sinnvoll eine solche Versicherung ist, muss immer individuell ausgerechnet werden. Familien mit Kindern haben ein höheres Risiko, dass ein Familienmitglied krank wird, bei einem mehrwöchigen Luxusurlaub kann eine Stornierung finanziell empfindlich schmerzen. Für einen Flug lohnt sich die Versicherung oft nicht: Steuern und Gebühren werden ohnehin erstattet, wenn der Passagier nicht in den Flieger einsteigt. Reiserücktrittsversicherungen können für eine einzelne Reise oder als Jahresvertrag abgeschlossen werden, der sich automatisch verlängert. Doch Achtung: Je teurer die Reise, umso höher der Versicherungsbeitrag. Jahrespolicen müssen deshalb möglicherweise angepasst werden, wenn statt des sonst üblichen Nordseeurlaubs zur Abwechslung eine mehrwöchige Reise nach Australien geplant ist.

Im Koffer sind Laptop und Kamera. Wäre da nicht eine Gepäckversicherung sinnvoll?

Die Stiftung Warentest attestiert Gepäckversicherungen ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie seien vergleichsweise teuer und sicherten längst nicht alle Risiken ab. Werden Geld oder Kreditkarte gestohlen, gibt es keinen Ersatz, für Schmuck, elektronische Geräte oder die Fotoausrüstung gelte oft nur ein eingeschränkter Schutz. Auch der Bund der Versicherten rät von einer Reisegepäckversicherung ab. Stehe das Gepäck auch nur für einen kurzen Augenblick unbeaufsichtigt am Flughafen, kürzten viele Versicherer ihre Zahlungen. Das Argument: Der Reisende habe sich fahrlässig verhalten. Ein gewisser Versicherungsschutz besteht ohnehin auch ohne Gepäck-Police: Kommt der Koffer nicht am Zielflughafen an, haftet die Airline, bei einem Einbruch ins Hotelzimmer übernimmt die Hausratversicherung.

Brauchen Mietwagenfahrer eine "Mallorca-Police"?

Der Name verwirrt etwas: Diese Police gilt nicht nur auf Mallorca, sondern im gesamten europäischen Ausland und ist dann interessant, wenn Urlauber mit dem Mietwagen unterwegs sind. Sie reduziert das finanzielle Risiko, sollte der Fahrer einen Unfall verschulden, denn die Versicherungssumme der Haftpflicht liegt im Ausland oft deutlich niedriger als in Deutschland und reicht bei schweren Unfällen selten aus. Wer mit seinem Mietwagen Sach- oder gar Personenschäden verursacht, die darüber hinausgehen, muss selbst zahlen - und das kann sehr schnell sehr teuer werden. Das Pendant für Reisen außerhalb Europas heißt "Traveller-Police". Vor dem Abschluss lohnt ein Vergleich der Versicherungsbedingungen: Wie lang darf die Reise sein? Wie hoch ist die Deckungssumme? Manchmal ist der Auslandsschutz für Mietwagen auch schon im Tarif für das eigene Auto in Deutschland inklusive. Wird der Mietwagen von Deutschland aus gebucht, kann dabei oft die Haftpflichtversicherungssumme gegen Aufpreis aufgestockt werden.

Und was ist mit der Reiseunfallversicherung? Und der Reisehaftpflichtversicherung? Wer braucht die?

Sie sind unnötig, sagen die Versicherungsexperten der Verbraucherzentralen: Wer eine Unfallversicherung abschließen möchte, sollte das nicht nur für den Urlaub tun, und eine private Haftpflichtversicherung sollte ohnehin jeder haben. Beide Versicherungen gelten nicht nur in Deutschland, sondern auch im Urlaub, egal wo.

Bei der Haftpflicht gibt es allerdings eines zu bedenken: Bei geliehenen oder gemieteten Gegenständen greift der Basis-Versicherungsschutz nicht - und damit auch nicht, wenn sich Rotwein über das weiße Sofa im Ferienhaus ergießt. Einen solchen Schaden muss der Mieter selbst bezahlen. Wer sich für solche Fälle absichern möchte, kann seinen Privathaftpflichttarif aber bei vielen Versicherern aufstocken. Gehaftet wird dann auch bei Schäden an geliehenen Dingen - daheim und unterwegs.

© SZ.de/ihe
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