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Reisefotograf Adrian Rohnfelder:"Wir wissen, wir werden wieder reisen können"

Die Schönheit bedrohlich wirkender Orte zeigen - ein Ziel von Adrian Rohnfelders Arbeit.

(Foto: Adrian Rohnfelder)

So schwer der Stillstand in der Corona-Krise auszuhalten ist, so viel ist auch daraus zu lernen, glaubt der Fotograf Adrian Rohnfelder - und teilt Bilder seiner letzten Expeditionen.

In dieser Serie stellen wir reisende Fotografen vor. Normalerweise. Die Corona-Krise bringt nun auch diejenigen zum Innehalten, die sonst ständig unterwegs sind. Bis es wieder losgehen kann, erzählen uns einige von ihnen, wie sie die Reisepause erleben - und zeigen uns Bilder von Orten, an die sie bis dahin besonders gerne denken.

"Hier an meinem Schreibtisch sitze ich vor einer großen Weltkarte", sagt Adrian Rohnfelder am Telefon, "und immer wenn ich auf diese Karte schaue, denke ich daran: Ich will doch raus, reisen, erkunden". Doch der Fotograf weiß, dass das noch eine Weile dauern wird. Von seinem nächsten Projekt, einem Besuch bei den Vulkanen Ibu und Dukono auf der indonesischen Insel Halmahera im Mai hat er sich längst verabschiedet - in der Hoffnung, das möglichst bald nachholen zu können.

Mit dem indonesischen Vulkan Semeru auf Java hat 2008 Rohnfelders Begeisterung für die Feuerberge begonnen.

(Foto: Adrian Rohnfelder)

Auch die geplante Reise im Sommer in die Atacama-Wüste ließe sich zur Not verschieben, sagt Rohnfelder, doch um seinen letzten Termin im Kalender für 2020 bangt er umso mehr. Im Dezember wird sich in Chile die Sonne verfinstern. In einer für Rohnfelder einmaligen Konstellation aus Himmelsschauspiel und Landschaft, auf die er so zu seinen Lebzeiten kein zweites Mal hoffen darf. Hier ist der Fotograf der weiteren Entwicklung der Pandemie völlig ausgeliefert, denn "eine Sonnenfinsternis kann ich ja nicht um zwei Monate Verschiebung bitten".

Umso glücklicher ist Rohnfelder zur Zeit darüber, dass seine letzte große Reise noch gelungen ist - nach Turkmenistan. In der Wüste Karakum wartete ein besonderer Ort: das "Tor zur Hölle".

Hunderte kleine Flammen lodern im "Tor zur Hölle" in der Karakum-Wüste.

(Foto: Adrian Rohnfelder)

Bei Bohrungen nach Erdgas brach dort vor einem halben Jahrhundert das Dach einer Höhle ein. Wissenschaftler zündeten daraufhin das Gas darin an. Es brennt noch heute, "und so steht man mitten in der Wüste vor einem Krater mit hunderten kleinen Flammen, nachts ist der Boden des heißen Trichters in blutrotes Licht getaucht".

Nicht nur für die Architektur gelten in Turkmenistan extrem rigide Vorgaben des Regimes.

(Foto: Adrian Rohnfelder)

Das Coronavirus, weiß Rohnfelder, ist vom autoritären Regime Turkmenistans inzwischen "verboten" - es ist aus offiziellen Dokumenten gestrichen und darf nicht erwähnt werden. Bevor auch dieses komplizierte Land kaum mehr zu besuchen war, hat Rohnfelder noch persönlich die exzentrische Architektur auf sich wirken lassen und Bilder davon mitgebracht.

Sechs turkmenische Sterne umschließen einen Erdball auf dem Dach des 2011 erbauten "Hochzeitspalastes" von Ashgabat.

(Foto: Adrian Rohnfelder)

Die Hauptstadt Ashgabat, aus weißem Marmor errichtet, schien ihm "wie aus einem Jahrhundert der fernen Zukunft", mit einem Gasministerium in Gestalt eines Förderturms etwa oder einem futuristischen Gebäude für Hochzeiten.

Architektur wie aus der Zukunft: Ashgabat, Turkmenistan.

(Foto: Adrian Rohnfelder)

Im Mittelpunkt von Rohnfelders Arbeit steht jedoch meist weniger die Exzentrik der Menschen als vielmehr die Wucht der Naturgewalten. Das Projekt "Himmel und Hölle", das Rohnfelder im Mai in Indonesien eigentlich abschließen wollte, soll zeigen, dass diese "nicht per se böse oder bedrohlich", also "höllisch" sind, sondern spätestens auf den zweiten Blick auch für den Kreislauf des Lebens unverzichtbar.

Die Schönheit der Gefahr - hier braut sich in den Great Plains ein Sturm zusammen.

(Foto: Adrian Rohnfelder)

Die Begeisterung für Extreme hat Rohnfelder im vergangenen Jahr mit seinem Projektpartner, dem Wetterfotografen Dennis Oswald, auch in die "Tornado Alley" geführt, also in die Heimat der großen Stürme in den US-amerikanischen Great Plains. "Schlechtes Wetter kann so unglaublich schön sein", findet Rohnfelder.

In der "größten Sturmküche der Erde", den Great Plains der USA.

(Foto: Adrian Rohnfelder)

Was für Millionen Menschen Anlass zu Enttäuschung ist, nämlich Reisen verschieben oder absagen zu müssen, trifft Reisefotografen auch beruflich hart. Dennoch ist für Rohnfelder wichtig, nicht die Perspektive zu verlieren. Wenn er nicht gerade Vorträge hält oder schreibt, tourt der 52-Jährige seit langem um die Welt und "deshalb war mir schon immer bewusst, wie privilegiert wir in Europa sind". Falls die Corona-Krise also Positives bewirken könne, dann womöglich, besser nachzuempfinden, was es heißt, nicht die Welt sehen zu können. Denn inmitten der aktuellen Ausnahmesituation "wissen wir doch, wir werden wieder reisen können - die meisten Menschen auf der Welt aber werden es nie können".

Adrian Rohnfelder teilt seine Arbeit auf seiner Website, auf Instagram sowie in seinem Podcast.

Alle bisherigen Folgen der SZ-Serie "Reisefotografen" finden sich hier unter www.sz.de/thema/Reisefotografen.

© SZ.de/edi

Reisefotograf Adrian Rohnfelder
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Vulkane bereichern und bedrohen Landschaften auf der ganzen Welt. Adrian Rohnfelder zeigt blitzende Krater und glühende Lavaseen.

Von Irene Helmes

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