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Reisefotograf Adrian Rohnfelder:Dorthin, wo es brodelt und brennt

Vulkane bereichern und bedrohen Landschaften auf der ganzen Welt. Adrian Rohnfelder zeigt blitzende Krater und glühende Lavaseen.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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Wie die Erde vor Millionen von Jahren ausgesehen hat? "Genau so!", glaubt Adrian Rohnfelder. Als er auf Java diese Aussicht genoss, habe er geradezu die Dinosaurier vor sich gesehen, die hier womöglich einst zwischen den Feuerbergen umherstreiften.

Das Bild entstand auf der ersten Vulkanreise des deutschen Fotografen 2008 im indonesischen Nationalpark Bromo-Tengger-Semeru. Den höchsten Vulkan Semeru im Hintergrund hatte er drei Tage vor dieser Aufnahme bestiegen. Im Vordergrund erhebt sich der Bromo.

Indonesien ist durchzogen von Vulkanen, der allererste aber, der Rohnfelder in seinen Bann zog, war im Jahr 2005 der Misti im Süden Perus. Die spontane Tour auf dessen Gipfel war "ein ziemliches Desaster", erzählt er im Rückblick, lachend über seine damalige Ahnungslosigkeit, was nötige Vorbereitung, Kondition und Proviant betrifft. Aber das Gefühl am Ziel löste bei ihm eine bleibende Begeisterung aus, die ihn seither quer um die Welt treibt.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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Mittlerweile hat Rohnfelder, inzwischen 49 Jahre alt, Feuerberge auf der ganzen Erde besucht und fotografiert. Einer seiner absoluten Lieblinge ist der Sakurajima auf der japanischen Insel Kyūshū - wegen der Blitze, die sich innerhalb seiner Aschewolken bilden.

Für dieses Bild verbrachte der Fotograf fünf Nächte hintereinander am Krater. Stets "mit etwas Bier und Keksen" ausgestattet, immer die Hand am Auslöser, bis er die besondere Kombination aus Feuerfontänen und Blitzen einfangen konnte. Das seien eigentlich "zwei Naturschauspiele auf einmal". Wie ein knisterndes Gewitter, das einen schließlich wieder mitten in einer finsteren Nacht allein lasse.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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"Ich versuche, die Vulkane möglichst unterschiedlich abzulichten", sagt der Fotograf, er will schließlich auch weniger vulkanverrückte Betrachter gut unterhalten. Die Landschaft um die Berge herum, die Kulturen, die Menschen, all das gehört für ihn zum Gesamteindruck.

Eine einmalige Mischung aus Meer und glühender Lava hat Rohnfelder am Kīlauea-Vulkan auf Big Island/Hawaii erlebt. Bilder wie dieses könnten aber nur einen Teil der Sinneseindrücke wiedergeben, meint er. Dazu vorstellen müsse man sich das extrem laute Zischen des Wassers, das auf die Hitze der Lava trifft, und das Tosen der hohen Wellen. Wenn man wiederum an einem der Löcher stehe, die sich im Gestein auftun, höre sich die Lava in den Tunneln darunter an wie zähe Wandfarbe, die langsam aus einem gigantischen Eimer fließt. Quadratkilometer weit erstreckt sich diese merkwürdige Szenerie.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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"Ein bisschen Angst" stellt Rohnfelder meist fest, wenn er mit anderen Deutschen über Vulkane spricht. Bei den Menschen dagegen, die direkt bei den gefährlichen Bergen mit deren Zerstörungskraft leben, beobachtet er eine tiefe Symbiose mit der Naturgewalt. Die Menschen wissen um das Risiko, doch rund um Vulkane sind die Böden fruchtbar und die Landwirtschaft gut. Hier die Gegend um den Vulkan Aso auf der japanischen Insel Kyūshū.

Er hat schon eine Insel gesehen, erzählt der Fotograf, auf der drei- bis viermal täglich die Straßen gereinigt und die Fenster geputzt werden müssen, wo die Müllabfuhr extra Säcke für die Asche verteilt und ein Vulkanlogo hat. Wenn es dann auch noch regnet, "ist das ein unglaublicher Dreck" und man frage sich schon, ob es nicht einfacher wäre, woanders zu leben - "aber nein, die Leute wohnen da und das ist ganz normal". Seiner Erfahrung nach gehen viele Einheimische bei drohenden Ausbrüchen auch lieber ein Risiko ein als ihre Orte zu evakuieren. Immer in der Hoffnung, doch verschont zu bleiben.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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Rohnfelder selbst ist spätestens seit seiner Besteigung des Fuji alle Sorgen los. Denn oben auf dem heiligen Berg bei Tokio erzählte ihm ein Einheimischer die Legende, wonach der Besuch des Gipfels unsterblich mache. Zwei Tage später hatte er eines der berüchtigten Kugelfisch-Menüs gebucht. Nach dem erfolgreichen Verspeisen des potenziell hochgiftigen Fugu "kann ich nun also mit Recht sagen, ich bin unsterblich", sagt der Fotograf amüsiert.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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Doch Spaß beiseite. "Der Respekt bleibt, der muss auch sein", sagt Rohnfelder über seine Herangehensweise an die Feuerberge, bei deren Besuch immer ein Restrisiko bleibt, durch die Eruption der heißen Erdmassen in Gefahr zu geraten. Es sei "immer dasselbe Kribbeln, aber keine grundsätzliche Angst - für mich ist es mittlerweile ein Teil der Natur, wie ein normaler Regenschauer, das gehört einfach dazu".

Die meisten seiner Touren absolviert der Deutsche mit einem Freund, der eine Agentur für Vulkanreisen leitet und dementsprechend das nötige Knowhow für sichere Trips mitbringt. Nur ein einziges Mal, sagt Rohnfelder, sei er am Ende doch froh gewesen, wieder wegzukommen. Da war es mühselig und nachts trotz der sommerlichen Jahreszeit eiskalt bei Regen oder Schnee - nämlich 2013 am Tolbatschik auf der Halbinsel Kamtschatka im äußersten Osten Russlands (hier im Bild).

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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Der damalige Reiseführer war ein Mann mit einem 40 Kilogramm schweren Rucksack, der die Route kaum kannte und stur dem GPS nachlief, ohne Rücksicht auf Höhenmeter und vermeidbare Strapazen. Frische Bärenspuren ließen auch nicht unbedingt Gutes ahnen. "Das war vom Trekking her schon sehr prägend", so Rohnfelder etwas sarkastisch im Rückblick.

Am Gipfel des Tolbatschik landete schließlich auch noch eine Lavabombe (ein schon im Flug erkalteter Lavabrocken) fünf Meter neben ihm - der gefährlichste Vorfall seiner bisherigen Reisen. Trotzdem, auch in diese besonders raue Landschaft möchte der Fotograf gerne einmal zurückkehren.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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Deutlich einfacher und sicherer zu besuchen ist da der sizilianische Stromboli. Der Berg sei fast ein "Hausvulkan" für Deutsche, findet Rohnfelder, liegt er doch viel näher als die Riesen anderer Kontinente. Allerdings seien die Touren dort sehr reglementiert, mit strengen Besuchszeiten und der Zuteilung zu Guides und Gruppen. Für den Geschmack des Weltreisenden ist deshalb zu viel los am Stromboli, er sei so wieder auf eigene Weise schwierig zu genießen.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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Interesse an fremden Orten und Kulturen habe er von klein auf gehabt, erzählt Rohnfelder, der wegen der Jobs seiner Eltern sein erstes Lebensjahr in Afrika verbrachte und seither nie wieder mit dem Reisen aufhörte.

Reine Vulkantouren - hin, rauf und wieder zurück - lassen ihn deshalb kalt. Er wolle immer auch in Kontakt mit Einheimischen kommen und nicht "nur für einen Vulkan" um die halbe Welt fliegen. Lieber versucht er, ein Gespür dafür zu bekommen, wie sich Kulturen und ihre Feuerberge gegenseitig beeinflussen. Im Mittelpunkt seiner meisten Bilder steht aber doch die Landschaft, meist bei Nacht, die die Vulkane besonders wirken lässt, wie hier wieder der Sakurajima.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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Erst nachts zeigt sich das Rot der glühenden Erdmassen am eindrucksvollsten.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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Am meisten fühlt sich Rohnfelder von Lavaseen wie am Erta Ale in Äthiopien angezogen. Der Gesamteindruck der Naturelemente sei unvergleichlich - das Brodeln, die Lebensfeindlichkeit, der Überlebenskampf in der Danakil-Wüste - all das gehöre zusammen.

Der Besuch an einem so surrealen Ort gehe weit über das Optische hinaus und bedeute auch, eine Druckwelle zu spüren oder sich der Hitze fast bis zur Unerträglichkeit zu nähern. "Es muss einfach ein bisschen stinken, es muss sich extrem heiß anfühlen", sagt Rohnfelder.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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"Ich könnte stundenlang dort stehen und es brodeln und blubbern sehen", sagt Rohnfelder über den Erta Ale. "In einer schier unendlichen Wüste ein Hauch von Nichts - schwarz, heiß, schmutzig und in der Mitte der Lavasee."

Die Danakil-Senke Äthiopiens gilt als äußerst gefährlich. Sowohl wegen der lebensfeindlichen Umwelt (selbst Pflanzen neigen dazu, giftig zu sein) als auch wegen der immer wieder ausbrechenden Gewalt zwischen den wenigen Menschen, die dort ihr Leben fristen und dabei nichts als sicher und gegeben betrachten können. Immer wieder gibt es Überfälle und Entführungen in der Region. Als Rohnfelder am Ende seines Trips beim Essen am Flughafen eine weiße, gebügelte Tischdecke vor sich sah, "war das ein richtiger Flash" für ihn - wegen der Erkenntnis, dass es eigentlich nichts Unwichtigeres gebe. Solche Kontrasterlebnisse prägen sich ihm besonders ein.

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Quelle: Adrian Rohnfelder

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Den europaweit unvergessenen Ausbruch des Eyjafjallajökull hat Rohnfelder 2010 nicht vor Ort erlebt. Dennoch ist er von Island und dessen Mischung aus Feuer und Eis fasziniert. Dieses Bild zeigt den Ljótipollur-Krater im Hochland der nordischen Insel.

Island bietet unglaublich leuchtende und glühende Landschaften auf kleinstem Raum, schwärmt Rohnfelder. Rot und Schwarz im Kontrast zum Schnee, dazu Lagunen, in denen Eisberge treiben, "und das Wissen, auf Feuer zu stehen".

"Das einzige Problem ist: Ich kann Kälte überhaupt nicht ausstehen", sagt der Fotograf: "Mein Metier sind Hitze und Feuer, da fühle ich mich wohl." Aber Island hat ihn doch so gepackt, dass er nun an beiden Extremen der Temperaturskala unterwegs ist.

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Quelle: Illustration Jessy Asmus

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Adrian Rohnfelder bereist die Welt von Bad Homburg bei Frankfurt aus, wo er mit seiner Familie lebt. Für die "Volcanic Seven Summits" (eine Tour zu den höchsten Vulkanen aller Kontinente) besuchte er zuletzt 2017 trotz der Kälte die Antarktis und danach den Kilimandscharo in Tansania. 2018 stehen die restlichen fünf Gipfel auf dem Programm. Seine Bilder zeigt der Fotograf unter anderem auf seiner Website.

In dieser Serie stellt SZ.de interessante Reisefotografen vor. Bislang ging es mit ihnen in die Metropolen der Welt, nach Vietnam, tief unter die Meeresoberfläche, zu indigenen Stämmen auf den Philippinen und mitten in die deutsche Städtelandschaft, an Vulkankrater sowie zur wahren Seele der Eisberge, nach Südamerika, Hongkong, nach Taiwan, Island, Bangladesch, in die US-Südstaaten, nach "Senegambia" und Rio de Janeiro sowie in den glühenden Sommer von Tadschikistan. Weitere Episoden zeigten bereits Reisen durch Schottland, Afrika, Armenien, Myanmar, Rumänien, Iran, Spitzbergen und Georgien sowie die Lieblingsorte eines Globetrotters, der alle Unesco-Welterbestätten abbilden will.

© SZ.de/kaeb/stein

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