Reisebuch "Wodka. Weite. Abenteuer" Aussteigen, bitte!

Die Transsibirische Eisenbahn lässt beeindruckende Natur erleben. Holger Fritzsche hat die Reise auch für Begegnungen mit Menschen genutzt - und daraus einen Bildband gemacht.

Rezension von Stefan Fischer

Wann kennt man ein Land gut? Wenn man es ein Dutzend Mal bereist hat? Wenn man viel weiß über seine Kultur, seine Geschichte und obendrein die Sprache spricht? Holger Fritzsche bezeichnet sich eingangs seines Fotoreportagebandes "Wodka. Weite. Abenteuer" als einen noch recht unsicheren Russlandreisenden - neugierig und unwissend also. Erst allmählich entdeckt man beim Blättern und Lesen, dass Fritzsche in diesem Punkt tiefstapelt. Er war bereits 1986, damals noch ein DDR-Bürger, das erste Mal im Kaukasus, illegal übrigens: Er hatte kein Visum für die Reiseroute und -dauer, nach drei Wochen wurde er geschnappt und abgeschoben mit der Drohung, nächstes Mal werde er nicht so glimpflich davonkommen.

Fritzsche wartete das Ende der UdSSR ab, ehe er ein zweites Mal gen Osten reiste. Und seither war er immer wieder in Russland, unter anderem auf einer abenteuerlichen Fahrt mit einem Geländewagen von Deutschland bis in Altai-Gebirge sowie für einen - letztlich gescheiterten - Versuch, den zugefrorenen Baikalsee mit dem Fahrrad zu überqueren. Für "Wodka. Weite. Abenteuer" nun ist er Zug gefahren, auf diversen Routen der Transsibirischen Eisenbahn. Der Band beginnt als klassische Fotoreportage einer konkreten Reise: Holger Fritzsche ist auf eigene Faust mit dem Zug unterwegs, das heißt vor allem, dass er sich stets selbst um die Tickets für die einzelnen Teilstrecken kümmern muss.

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Jenseits des Ural ist Moskau in vielerlei Hinsicht weit entfernt

Sein Bericht ist anfangs behäbig. Was Fritzsche über Moskau zu berichten hat, den Startpunkt der Reise, ist relativ oberflächlich und dürfte auch jenen Lesern weithin bekannt sein, die keine intimen Kenner Russlands und seiner Hauptstadt sind. Doch nicht nur die Bahn, auch die Erzählung über die Reise nimmt mit der Zeit Fahrt auf. Vor allem, weil Holger Fritzsche das Land nicht allein durch die Zugfenster beobachtet. Immer wieder steigt er aus, immer wieder reist er auch in Städte oder Gegenden, die abseits der Trasse liegen. Und mehr und mehr verwebt sich der Bericht über diese eine Zugfahrt mit den früheren Erfahrungen, die der Autor in Russland gemacht hat.

Fritzsche lässt sich beeindrucken von der Natur und Geografie dieser riesigen Landmasse. Vor allem die Weite fängt er ein in seinen Bildern, die nicht außergewöhnlich sind, vor allem nicht für einen Titel aus dem National Geographic Verlag. Die aber doch einen guten Eindruck vermitteln von den landschaftlichen Szenerien. Fritzsches Buch handelt daneben auch von den Begegnungen mit Menschen. Diese Schilderungen machen den spannendsten Teil des Bandes aus, weil man hier auch als Leser einen Eindruck von den aktuellen Befindlichkeiten und vom Alltag vor allem in den asiatischen Gebieten Russlands bekommt. Jenseits des Ural ist Moskau in vielerlei Hinsicht weit entfernt.

Am Ende kontrastiert Fritzsche seine Fahrt im Linienzug mit einer im Sonderzug "Zarengold" - sie erscheint einem nach allem, was man vorher gesehen und gelesen hat, als schal. Weil man als Reisender weggesperrt ist und Russland zu einem bequemen Reiseland wird. Das sei es aber nicht, so Fritzsches Fazit: "Alles an Russland ist etwas eigenwillig und besonders." Wer sich den Beschwernissen entzieht, sich davon freikauft, der entzieht sich dem ganzen Land und seinem speziellen Charme. Und macht nurmehr Sightseeing.

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