bedeckt München 23°
vgwortpixel

Skitourismus in Sotschi:Skifahren im subtropischen Winter

Sochi's Rosa Khutor Alpine Resort In Winter.

Architektonisch eine wilde Mischung, für Skifahrer tadellos: das Resort Rosa Khutor.

(Foto: Dmitry Norov/Getty Images)

Der Olympia-Ort Sotschi will endlich international im Tourismus mitspielen. Aber niemand weiß so recht, wie das klappen soll.

Schon eindrucksvoll, diese Einflugschneise vom Schwarzen Meer auf Sotschi zu: direkt über die Olympiabauten hinweg. Schwer drücken Wolken aufs wintergraue Wasser, die Palmen am Flughafen triefen vom Regen. Das ist der subtropische Winter in Sotschi. Die Berge und der Schnee kommen erst hinter den Tunnels auf der gut 46 Kilometer langen Straße nach Krasnaja Poljana mit seinem Hauptskiort Rosa Khutor.

Zum ersten Mal landete hier Anfang Februar dieses Jahres eine Condor-Chartermaschine aus Berlin-Schönefeld. Auslastung: gerade mal 45 Prozent. Der Jungfernflug war sogar um ein paar Wochen verschoben worden - zu geringe Nachfrage. Den ersten Flieger füllten vor allem Journalisten und Touristiker. Sie sollten schnell und laut trommeln, damit die folgenden Maschinen voller würden. Doch nun, noch vor Ablauf des Monats, werden die Flüge schon wieder eingestellt. Und damit ist das Problem schon ziemlich gut umrissen: Rosa Khutor, ein Alpin-Resort, das vor drei Jahren die volle Ladung Medienglanz abbekam, als hier die olympischen Ski-Wettbewerbe stattfanden, will endlich international im Tourismus mitspielen. Aber niemand weiß so recht, wie.

Dafür leistet sich der kleine Retorten-Ort eine eigene Marketing-Direktorin: Olga Filipenkova, 34 Jahre alt, eine Petersburgerin mit sehr entschlossenem Blick und einem leicht schroffen Zug um den Mund. Zusammen mit ihrer Kollegin Julia Mokhova von der Tourismusagentur Visit Russia jettet sie um die Welt, um allen da draußen zu sagen: Kommt doch mal nach Sotschi. Ist super hier. Es gibt zurzeit leichtere Jobs.

Es ist nicht so, dass niemand hierher kommen will. Das Resort ist so etwas wie das Wintersport-Naherholungsgebiet von Moskau und Sankt Petersburg. Jetzt, nach dem Weihnachtsferien-Wahnsinn, wo alle Gäste über volle Restaurants und Schlangen an den Liften maulten (und die Russen maulen gern), ist es auch wieder entspannter und leer. Jetzt kommen die Studenten aus den großen Städten, die noch ein bisschen frei haben. Meistens sitzen sie schon mit Snowboard und dicken Schneehosen im Flieger, steigen am Flughafen in den Zug und gehen direkt auf die Piste. Schneesicher ist es auch um diese Zeit - Rosa Khutors Pisten reichen bis auf 2300 Meter.

Der Menschenschlag hier: die angenehmeren, offeneren, entspannteren Russen

In der Gondel sitzt ein Skilehrer, der heute seinen freien Tag hat. Er freut sich auf ein paar Stunden Tiefschneefahren und bietet sogar an, uns ein paar seiner Lieblingsrouten zu zeigen. Dann erzählt er, dass er diesen Winter eigentlich in Österreich arbeiten wollte, um besseres Geld zu verdienen. "Aber es gab Visum-Probleme."

Von einem Wintersportort in Österreich oder der Schweiz ist Rosa Khutor nicht mehr zu unterscheiden. Mal abgesehen vielleicht von den Sicherheitskontrollen an der Talstation der Gondeln, die Kontrolleure wie Skifahrer gleichermaßen schluderig absolvieren; und dass es auf den Self-Service-Hütten Borschtsch, Blintschiki (Pfannkuchen) mit Kondensmilch und "Kotelett Kiew" gibt. Glühwein heißt hier Glintweyn, und das Bier Baltika, auch wenn es in Russland gebraut ist.

Reisekarten

SZ-Grafik

Der Tagesskipass kostet umgerechnet knapp 25 Euro. Die Unterkünfte reichen von der Jugendherberge bis zum Apartment mit Concierge-Service und japanischem Saunafass auf der Terrasse. Im Ort sind diverse Après-Ski-Möglichkeiten, Karaoke-Bars, teure Kleidergeschäfte. Der Menschenschlag hier: die angenehmeren, offeneren, entspannteren Russen. Freundliche, bemühte Mitarbeiter. Viele von ihnen beherrschen Englisch.

Zur SZ-Startseite