Reisebücher Amerika und seine Cowboys

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Gefangen in der Heldenrolle

Die Fotografen Dieter Blum und Luis Fabini zeigen Cowboys in Amerika zwischen Alltag und Heldenmythos.

Wie viel hat die Arbeit der Cowboys noch zu tun mit dem Mythos von Freiheit und Abenteuer? Zwei Bildbände dokumentieren ihr Leben zwischen Prärie und roter Ampel.

Von Stefan Fischer

Die Bürger der USA wählen kommenden Dienstag vermutlich eine Frau ins Präsidentenamt - über das Geschlecht von Hillary Clinton wird jedoch kaum noch debattiert. Das liegt vor allem daran, dass ihr Kontrahent Donald Trump ein dermaßen überholtes Bild von Männlichkeit definiert, dem man im Grunde alles entgegensetzen kann, ohne sich aller Chancen bei dieser Wahl zu berauben. Vor diesem Hintergrund sind zwei aktuelle Fotobände besonders interessant, denn sie setzen Cowboys ins Licht. Jene Kerle, die universelle Symbole sind für eine lange Zeit bewunderte Männlichkeit und so typisch für die USA, weil sie extrem viril erscheinen, aber nichts Vulgäres haben - gerade anders als Trump, der auffallend vulgär ist und seine Virilität bloß behauptet.

Cowboys sind Machos, aber auch diejenigen, die Familie und Herde zusammenhalten. Sie stehen für die Vergangenheit und sind eine Projektionsfläche für Sehnsüchte nach Freiheit und Abenteuer. Anarchie und Spießertum fallen bei ihnen zusammen, Rebellion und ein tiefer Konservatismus - so beschreibt es Friedrike Horstmann in ihrem Begleittext zu Dieter Blums "Cowboys". Die Fotoserie ist nun erstmals veröffentlicht. Es handelt sich um Probeaufnahmen, die der deutsche Fotograf 1992 machte, um das Image der Marlboro-Zigaretten zu verändern - aus dem lonesome cowboy sollte ein Gefährte werden. Zwei Jahre später bekam Blum den Auftrag.

Bilder aus einem anderen Amerika

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Diese frühen Bilder sind nie Teil der Kampagne geworden. Es sind sehr unterschiedliche Aufnahmen, doch eines haben sie gemeinsam: Die Cowboys erscheinen nicht mehr ungebrochen. Sie warten an Ampeln, in Waschsalons oder beim Barbier, in gewöhnlichen, für sie jedoch ungewöhnlichen Situationen. Oder aber die Fotos haben einen ironischen Zug, durch überzogenen Pathos beispielsweise.

Der Cowboy und sein Pferd werden zur untrennbaren Einheit

Stärker am klassischen Bild hält Luis Fabini fest. Sein Band "Amerikas Cowboys" taugt jedoch nur bedingt für ein Psychogramm der US-amerikanischen Gesellschaft, weil Fabini Rinderhirten auf dem gesamten amerikanischen Kontinent fotografiert hat, von Chile bis hinauf nach Kanada. Das Erstaunliche an seinen Aufnahmen ist, dass es die überkommenen Motive noch ausreichend oft zu geben scheint: die Verschmelzung des Cowboys oder Gauchos oder Vaqueiros mit seinem Pferd zu einem Zentauren, eine nicht zu trennende Einheit, die sich bis heute der Industrialisierung entziehen kann. Jedenfalls auf den Bildern von Fabini.

Cowboys, heißt es in Dieter Blums Band, fangen "die Ängste der Moderne" auf. Dem Idealtyp ist eine wie Hillary Clinton sicherlich fremd. Aber ein Maulheld wie Trump wäre wohl auch keiner von ihnen. Auf die Cowboy-Nummer setzt Marlboro übrigens erst seit den 1950er-Jahren. Davor waren das explizite Frauenzigaretten.

Dieter Blum: Cowboys. The First Shooting 1992. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2016. 136 Seiten, 39,80 Euro. Luis Fabini, Wade Davis: Amerikas Cowboys. Von den Prärien Nordamerikas bis in das Hochland der Anden. Aus dem Englischen von Philip Laubach-Kiani. Sieveking Verlag, München 2016. 156 Seiten, 49,90 Euro.