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Alpen:"Hoch kommen sie alle, aber runter vielleicht nicht mehr"

Radfahrerin mit E-Mountainbike

E-Mountainbikes verkaufen sich mittlerweile besser als Modelle ohne Motor.

(Foto: www.pd-f.de / biketec)

Elektro-Mountainbikes boomen. Dadurch wird es eng am Berg - und manchmal auch gefährlich.

Die kurioseste Begegnung mit einem E-Mountainbiker hatte der Wirt der Lenggrieser Hütte nicht weit von seiner Haustüre entfernt. Florian Durach war mit seinem Auto gerade von seiner in den bayerischen Alpen gelegenen Hütte auf einem Almweg unterwegs ins Tal hinunter, als er den batterieunterstützten Radler entgegenkommen sah. "Der war zügig unterwegs", erinnert sich Durach, weshalb er sicherheitshalber bremste und stehen blieb. Der E-Biker fuhr ihm dennoch direkt in den Wagen.

Nirgendwo ist der Siegeszug der Elektroräder so deutlich zu spüren wie in den Alpen. In den vergangenen Jahren ist dort die herrschende Ordnung, an die sich konventionelle Mountainbiker und Wanderer halbwegs gewöhnt hatten, durch das E-Bike aus den Fugen geraten. Mit der neuen Bergsaison droht nun eine weitere Verschiebung der Machtverhältnisse. Denn den jüngsten Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes zufolge wurden im Jahr 2018 in Deutschland erstmals mehr Mountainbikes mit Elektroantrieb verkauft als ohne, insgesamt etwa 245 000. Das sind 58 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei allen Radmodellen, die verkauft wurden, vom Stadt- bis zum Trekkingrad, war der Anteil der Elektroantriebe deutlich niedriger. Er lag nur bei etwa einem Viertel, und auch das Wachstum betrug hier nur 36 Prozent.

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Die stets nach Innovationen lechzende Sportartikelindustrie freut das ebenso wie so manche Tourismusregion. Vor allem in Österreich haben Veranstaltungen wie die "E-Bike Flowdays" (in Saalbach-Hinterglemm) oder das "E-Bike-Festival" (in St. Anton) Konjunktur. Oder eine ganze Region erklärt sich gleich zur "E-Bike-Welt" (Kitzbüheler Alpen). Mit dem neuen und kostspieligen Antriebssystem wird eine zahlungskräftige Klientel erschlossen, der manche Steigung bislang zu steil war. Auch Hüttenwirt Durach meint: "Für uns ist das nicht gerade ein Nachteil, wenn es mehr Menschen zu uns schaffen." Gerade ältere Personen hätten mit E-Moutainbikes die Möglichkeit, die etwa 600 Höhenmeter zu seiner Lenggrieser Hütte zurückzulegen, ohne den Herzschlag auf eine lebensgefährdende Frequenz zu treiben.

Nicht nur notorische E-Bike-Hasser verfolgen die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Denn durch die Biker wird es eng auf manchen Pfaden - und manchmal auch gefährlich. Der Deutsche Alpenverein (DAV) kann sich noch nicht entscheiden, ob er die E-Biker nun umarmen oder ablehnen soll. Während der DAV-Bundesverband noch diskutiert, wie er mit den Elektro-Alpinisten umgehen soll, hat die Sektion München des DAV bereits Leitlinien erarbeitet: Sie werde, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Angebote für E-Mountainbiker fördern.

Und schließlich stellt sich noch die Frage: Wie kommen all die E-Mountainbiker wieder von den Bergen runter? Viele sind nicht gerade ausgewiesene Berggänger und erst recht keine Abfahrtsspezialisten. Auf den schnellen und ungewohnt schweren Sportgeräten kommen sie daher je nach Fitnesszustand und Alter weniger zurecht als auf einem Hollandrad - vor allem dann, wenn es im Gelände bergab geht. "Hoch kommen sie alle", sagt Hüttenwirt Durach, "aber runter vielleicht nicht mehr."

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Wer behauptet, vor Anstrengung habe der Sportler gar keinen Blick mehr für die Schönheit der Berge, irrt: Wo schmerzverliebte Radler gerne hinaufrollen - und hinab sowieso.