Lavarellahütte in Südtirol Im Winter kommen die jungen Leute

Wobei sich die Frage stellt, ob zuerst die Hütte zu einem Gebäude von hotelartigen Ausmaßen wuchs oder die Zahl der Freizeitmöglichkeiten außenrum in die Höhe schnellte. Wie die Arme eines Kraken erstrecken sich heute die Skitour- und Schneeschuhrouten von der Lavarellahütte, vorbei an jetzt winterlichen Seen, auf die umliegenden Gipfel wie Neunerspitze, Heiligkreuzkofel oder Monte Castello. "Und es kommen vor allem im Winter sehr viele junge Leute", sagt Frenner, selbst ein 56er-Jahrgang, und zeigt auf die besetzten Tische in der Stube. Im Sommer verteilen sich je nach Wegbreite Mountainbiker, Wanderer und Kletterer auf das Revier.

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Als Erstbesteiger der verschiedenen, nur auf dem Papier einfach klingenden Routen an der Neunerspitze tauchen immer wieder die Namen Reinhold und Günther Messner auf. Wer da nicht über die Hütte hinaus kommt, ist selber schuld. Andererseits haben die Frenners auch Argumente fürs Bleiben geschaffen. An der Westseite des Hauses steht seit einigen Jahren ein altes Fass, das ein bisschen aussieht wie eine dieser Hobbithöhlen. "Original finnische Sauna" steht drüber, aber der Spruch ist wohl dem Marketing geschuldet. Das Fass ist nämlich gar nicht aus Finnland, sondern war laut Frenner "mal eine Art Gartenlaube unten in St. Vigil".

Er hat das Holzgefäß bereits seiner dritten Bestimmung überführt. Bevor es Gartenlaube und dann Schwitzkasten wurde, hatte es nämlich angeblich als Weinbehälter mit einem Fassungsvermögen von exakt 7239 Litern gedient. Heute fasst die original Südtiroler Weinsauna bis zu sechs Personen, wobei die dann eher keine Berührungsängste haben und am Holzofen die Zehen einziehen sollten. Wer es nicht so mit heißen Körpern hält, kann auch in der kleinen, erst 2003 erbauten Kapelle nebenan zu sich finden.

Weitere Gründe zum Bleiben stehen auf der Speisekarte, viersprachig: ladinisch, italienisch, deutsch, englisch. Da sind beispielsweise Michaelas handgekugelte Speckknödel, die sich bestens als Vorspeise für die grünen Bandnudeln mit Wildragout eignen. "Alles selbst gemacht", sagt die Autodidaktin Michaela. Das Wildragout liegt noch als dicker Brocken auf der Chromstahlanrichte.

Zum Glück gibt es am nächsten Morgen nur ein Frühstück, das eher nach Supermarkt aussieht und weniger zum Verweilen einlädt. Deshalb schleppt man zeitig den Bandnudel-Speckknödel-Wildragout-Bauch in den Rausch der Natur, freut sich in der Kälte auf die Sauna am Abend, geht bei der Abfahrt in Gedanken die nächste Menüfolge durch und fragt sich, ob man nach zwei Viertel Wein nicht doch kurz bei Michaela auf einen Sicherheits-Knödel vorbeischauen soll.