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Klopapier-Wettbewerb bei Ryanair:Animateure der Lüfte

Vorschau: Ryanair Holdings veroeffentlicht Ergebnis im 3. Quartal

Auch ein spannender Wettbewerb: Schafft es die Crew, die Tür noch vor dem Abheben zu Schließen?

(Foto: Jens-Ulrich Koch/dapd)

Ein Passagier beschwert sich bitterlich über die Billigfluglinie Ryanair: Er sei gezwungen worden, an einem heiteren Wer-reicht-das-Klopapier-am-schnellsten-nach-hinten-Spiel mitzumachen. Dabei gibt es an Bord jeder Airline viel härtere Wettbewerbe.

Von Katja Schnitzler

Vor Kurzem beschwerte sich ein Passagier über das ungebührliche Verhalten der Ryanair-Crew auf einem Flug von Manchester nach Teneriffa. Obwohl die Fluggesellschaft Ryanair wirklich nicht verdächtigt werden kann, All-Inclusive-Leistungen anzubieten, offerierte die Bordmannschaft ein Animationsprogramm, und das tatsächlich kostenfrei:

Sie teilte die Passagiere in zwei Gruppen und nutzte dafür sinnvollerweise den Mittelgang, "und dann brüllte einer ins Mikrofon, dass die Mannschaft, die als erste Klopapierrollen bis nach hinten durchgereicht habe, Freibier bekomme", klagte der Brite Chris Prudence in der Daily Mail, der lieber seine Ruhe wollte statt Freigetränke. Stattdessen seien Klopapierrollen mit großem Tamtam durchs Flugzeug gereicht, ja offenbar sogar geworfen worden, so dass ein schlafender Passagier unsanft geweckt worden sei und das nicht komisch fand.

Wen wundert's, schließlich freut sich auch nicht jeder Urlauber am Hotelpool über aufdringliche Animateure. Allerdings hat der Gast dort immerhin die Option, einfach abzutauchen.

"Wir bedauern, dass Herr Prudence an diesem kurzen Spiel keinen Gefallen gefunden hat", äußerte sich Ryanair. Und stellte zugleich richtig: Auf keinen Fall sei Freibier als Preis ausgelobt worden! Es gebe keine Freigetränke bei Ryanair, weder auf diesem noch auf anderen Flügen!

Während diese Stellungnahme nicht überrascht, so erstaunt doch die Unwissenheit von Passagier Prudence: War ihm noch nicht aufgefallen, dass es an Bord jeder Airline Wettbewerbe gibt, die mit dem Abheben der Maschine beginnen und frühestens mit der Landung enden? War er zuvor schon mal geflogen?

Wie konnte ihm etwa die beliebte Disziplin "Sprint zur Bordtoilette" entgangen sein: Hier gewinnt nicht nur derjenige, der die Tür zuerst erreicht, sondern der zusätzlich durch beherztes Reißen an Rückenlehnen möglichst viele Passagiere aufschreckt.

Oder der Kampf "Mensch gegen Küchentrolley": Nachdem der Servierwagen die ganze Gangbreite einnimmt, der Passagier aber stets in Eile ist, muss er sich schwungvoll in eine Sitzreihe quetschen und dabei die Sitzenden zur Seite drängen. Sobald der Trolley vorbei ist, nutzt der Wettbewerber den wenig liebevollen Schubs seitens der Sitzenden, um seinen Weg auf dem Gang schwungvoll fortzusetzen.

Weitere beliebte Wettbewerbe an Bord, lieber Herr Prudence, sind: Wer kann am meisten Taschen in das Gepäckfach stopfen? Und wer verursacht damit den längsten Stau beim Einsteigen? Wer löst die lautesten Schmerzensschreie durch das heftige Zurückklappen seiner Lehne aus? Wer läutet am häufigsten nach dem Flugbegleiter? Wer trinkt am meisten Tomatensaft? Wer gewinnt beim Wettdrücken um die Armlehne?

Und natürlich: Wer schafft es, durch verboten frühes Aufstehen das Gate noch vor dem Flugzeug zu erreichen?

Das Durchreichen von ein paar Klopapierrollen fällt da doch wirklich nicht weiter ins Gewicht.

© SZ.de/dd

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