Unvergessliche Flüge:"Beten Sie lieber!"

Schwebende Menschen vor der Toilette, ein Ölfleck unter den Tragflächen und die Info aus dem Cockpit: "Ein Triebwerk hat sich grußlos verabschiedet!" Flüge von Süddeutsche.de-Lesern, die sie nie vergessen.

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Besten Plätze im Flugzeug Sitzplätze Tipps

Quelle: Roman Sigaev - Fotolia

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Schwebende Menschen vor der Toilette, ein Ölfleck unter den Tragflächen und der Tipp vom Kapitän: "Beten Sie lieber!" Flüge von Süddeutsche.de-Lesern, die sie nie vergessen.

"Flug mit einer A340 zurück von Singapur nach Europa. Über Iran wird ausgerufen, ob medizinisches Personal an Bord sei. Ich biete meine Hilfe an. Die Patientin stellte sich als eine ältere Dame heraus, Verdacht auf eine akute Hirnblutung. Nach kurzer Rücksprache mit dem Piloten und der Airlinezentrale entscheidet man sich, nach Teheran zu fliegen: 'Sehr geehrte Passagiere, wir werden jetzt - und mit jetzt meine ich JETZT- in Teheran notlanden.' Der Pilot dreht in einer Steilkurve die Maschine um und in den Sinkflug. Die Passagiere fangen an zu schreien, viele glauben wohl an ein technisches Problem.

Jetzt die Durchsage der Chefstewardess: 'Nur zur Ihrer Information, es handelt sich um ein medizinisches, nicht um ein technisches Problem. Wir sind uns aber noch nicht ganz sicher, ob das medizinische Problem auch den Flugstil unseres Piloten bedingt.' Der Pilot baute letztlich innerhalb von weniger als drei Minuten genug Höhe ab, um nach weiteren zwei Minuten in Teheran zu landen. Später sagte mir der Pilot: 'Hach, Sie wissen gar nicht, wie viel Spaß das macht, wenn wir so einen Vogel mal richtig fliegen dürfen.'"

Pilgrim holds a statue of Our Lady of Aparecida and a picture of Christ during a mass at the Basilica of Our Lady of Aparecida, in the city of Aparecida

Quelle: Reuters

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"Beim Flug mit einer kleinen Cessna in Mexiko fragen wir den Piloten, nachdem er minutenlang verrostete Hebel verschoben hatte, ob er sicher sei, das Ding fliegen zu können. Er zeigt daraufhin auf ein Bild der Jungfrau Maria und meint nur: 'You better pray!' Nach 50 Minuten Wackelflug setzen wir auf einer Schotterpiste mitten im Dschungel auf, unsere Gepäck wird aus dem Flugzeug geworfen und während wir dieses aufsammeln, dreht der Pilot bereits die Maschine und hebt kurz darauf wieder ab. Meinem Reisebegleiter hatte ich zu verdanken, dass mich dabei die Tragfläche nur streifte und nicht mitriss, da er mich gedankenschnell aus der Gefahrenzone zog. Zurück haben wir uns für den Landweg entschieden."

Triebwerk Flugzeug engine airplane plane

Quelle: AFP

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"Flug mit Condor von Mombasa nach Frankfurt. Der Abflug verzögert sich wegen eines Gewittersturms. Dann endlich geht es los. Die meisten Passagiere schlafen schon, so auch meine 16-jährige Tochter neben mir. Unmittelbar vor Take-off ein greller Lichtschein an Steuerbord. Der Flieger verliert an Fahrt, aber hebt noch ab, unmittelbar danach unter uns zum Greifen nahe Buschwerk und Bäume. Langsam schraubt sich die Maschine kreisend in die Höhe und nimmt Kurs auf das Meer. Dann zischt aus den Flächen beiderseits, einem scharfen Keil ähnlich und im Mondlicht gut zu sehen, Treibstoff heraus.

Noch wissen die meisten Passagiere nicht, in welcher Situation wir uns befinden. Eine mir schräg gegenüber am Notausgang sitzende Stewardess schaut mich an und hält einen Zeigefinger vor dem Mund. Als genügend Höhe erreicht war, geht das Bordmikrofon an, etwa 20 Minuten nach dem Start. "Guten Abend meine Damen und Herren. Hier spricht der Kapitän." Den nun folgenden Satz werde ich nie in meinem Leben vergessen: "Soeben hat sich ein Triebwerk von uns grußlos verabschiedet. Wir landen dann erst mal in Nairobi."

Welchen Flug vergessen Sie nie?

Unvergessliche Flüge

Quelle: AFP

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"Jamaika nach Frankfurt: Wir sitzen endlich im Flugzeug, hören ein 'boarding completed' und der Flugkapitän begrüßt uns und bittet wegen der Verspätung um Entschuldigung. 'Sie werden sich wohl sicherlich schon wundern, weswegen wir noch nicht losgeflogen sind. Tja, beim Routinecheck haben wir eine Ölpfütze unter dem linken Triebwerk entdeckt ...'"

TOURISTS PLAY ON BEACH AS TRANS AIR CARGO PLANE RESTS IN THE SURF ALONG NORTH MIAMI BEACH

Quelle: Reuters

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"Flug von Lima nach Bogota. Normaler Landeanflug, dann ein fürchterliches Krachen beim Aufsetzen und ein unmittelbares, fast senkrechtes Hochziehen der Maschine. Fast alle Handgepäck-Fächer öffnen sich, Gepäck fällt herunter, sämtliche Sauerstoffmasken auch. Totenstille an Bord, was ich so nicht erwartet hätte. Keinerlei Anzeichen von Panik. Viele lokale Passagiere halten plötzlich ihren Rosenkranz in Händen und beten leise. Die Maschine kreist. Aus dem Cockpit keinerlei Informationen. Als es nach etwa 20 Minuten wieder herunterging, war mir persönlich klar, dass das Fahrwerk zerstört war, die Piloten Sprit abgelassen hatten und uns eine Bauchlandung bevorstand. Für mich völlig unerwartet landeten wir ganz normal und ohne Probleme. Auch diesmal völlige Stille aus dem Cockpit. Ich werde nie herausfinden, was da eigentlich passiert war."

Das Bild zeigt ein Flugzeug nach einer erfolgreichen Notlandung in Miami Beach, 2001. Welchen Flug werden Sie nie vergessen?

drink plane

Quelle: catk/photocase.com

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"Flug von Singapur nach Dubai. Etwa nach der Hälfte des Fluges torkelt ein stark angetrunkener Passagier von hinten in die Mitte des Flugzeuges. Er will sich dort auf einen freien Platz setzen, da seine Begleiterin im hinteren Teil der Maschine ihm verboten hatte, noch mehr Alkohol zu trinken. Da ihn aber niemand neben sich haben möchte und auch die Stewardessen Alkohol für eine schlechte Idee halten, wird er ziemlich laut und ausfällig. Schließlich befördern ihn mehrere Stewards mehr oder weniger freundlich auf seinen Platz. Fünf Minuten später krabbelte er auf allen vieren und rückwärts (!) wieder an uns vorbei ... er hatte seinen Schuh verloren und wollte ihn suchen."

CDU-Politiker wegen gesperrter Strasse im Bergwerk Asse besorgt

Quelle: dapd

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"Flug von New York nach London. Eigentlich haben wir einen Fenster- und einen Gangplatz, die Dame in der Mitte aber möchte gerne am Rand sitzen, also erfüllen wir ihr diesen Wunsch. Die Dame greift allerdings zu Schlafmitteln und diversen Alkoholika und schläft kurz darauf ein. Sie verdreht sich in ihrem Sessel in eine wahnwitzige Position und blockiert den Weg Richtung Gang und Toilette. Jeder Versuch, die Sitzreihe zu verlassen, wird nun eine Kletterpartie. Und der Anpfiff, den wir bekommen, als die Dame bei einem unserer Kletterversuche kurz erwacht, der hat es in sich."

An aerial view shows the summit cross and station of Germany's highest mountain Zugspitze near Garmisch-Partenkirchen

Quelle: REUTERS

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"Rückflug von Mallorca nach München, mitten im Winter, kristallklare Luft, herrliche Sicht, kein Nebel, kein Wölkchen. Beim Flug über die Alpen, deren Berge fast zum Greifen nah schienen, kam folgende Durchsage aus dem Cockpit: 'Liebe Fluggäste, damit Sie an diesem herrlichen Tag einen besonders schönen Blick auf die Alpen haben, fliegen wir momentan an der Untergrenze des Erlaubten. Einen Meter tiefer und die Piloten werden am Zielflughafen verhaftet. Und weil wir ganz gut im Zeitplan liegen, werden wir noch eine Ehrenrunde um die Zugspitze drehen, damit Sie einen besonders schönen Blick darauf haben. Wir werden München trotzdem pünktlich erreichen und hoffen darauf, dass Sie uns nicht verraten.' Das war das erste und bislang einzige Mal, dass ich im Flugzeug applaudiert habe, was ich ansonsten für eine üble Unsitte halte."

Qantas passenger plane takes off from Sydney International Airport

Quelle: REUTERS

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"Der letzte Flug aus London Stanstead nach Frankfurt Hahn mit Ryan Air. Es ist spät am Abend. Alle sind müde. Verspätet abgeflogen sind wir auch. Da kommt die Durchsage vom Piloten. 'In Frankfurt Hahn ist Nebel. Wir leiten um nach Saarbrücken.'  Schon kommt eine neue Durchsage vom Kapitän: 'Saarbrücken hat eine sehr kurze Landebahn. Es kann sein, ...' Er macht eine Pause und sucht nach Worten, '... dass sie zu kurz ist.' Bald setzt der Vogel zur Landung an - in Saarbrücken um Mitternacht. Er senkt sich nach unten, tiefer, das Fahrgestell klappt hervor, das Triebwerk heult. Es geht runter. Noch weiter runter.

Fast schon sind wir am Boden, da jault das Triebwerk erneut auf, ein Ruck geht durch das Flugzeug - und durch jeden Passagier. Das Flugzeug kämpft sich steil nach oben. Fast kann man es stöhnen und schnaufen hören. War wohl doch zu kurz, die Landebahn. Stille. Schließlich die lakonische Durchsage des Kapitäns: 'Wir fliegen jetzt doch Frankfurt Hahn an. Vielleicht legt sich das mit dem Nebel ja.'"

Unvergessliche Flüge

Quelle: DPA/DPAWEB

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"Von Colombo in Sri Lanka nach Frankfurt: Nach wenigen Minuten Flug bockt das Flugzeug, die Heckturbine klopft und rüttelt wie ein Diesel-Traktor. Dann geht die Turbine aus, wieder an, hinter der Verkleidung springen diverse Systeme an. Nach endlosen Minuten der Kaptain. 'Welcome on board our flight. We are cruising in an altitude of...' und so weiter, ganz wie üblich, aber dann: 'We have a problem.' Das war alles. Plötzlich schreien Leute in Panik: 'Wir brennen, wir brennen!' Des Rätsels Lösung sehr viel später: Das Flugzeug ließ Sprit ab, was im Schein des roten Positionslichtes wie ein Feuerschweif aussah."

Welchen Flug werden Sie nie vergessen?

A group of mountains are pictured from the Chacaltaya mountain

Quelle: REUTERS

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"Flug von Rurrenabaque (Amazonastiefland in Bolivien) nach La Paz. Eigentlich nur 150 Kilometer Luftlinie, aber die Busfahrt würde 20 Stunden dauern. Der 'Flughafen' ist nicht größer als eine Bushaltestelle. Das Gepäck liegt in der Wiese. Eine alte Propeller-Maschine des Militärs startet ächzend auf der Rumpelpiste und geht unter heftigen Turbulenzen in starken Steigflug aufwärts. 30 Minuten werden wir in unsere Sitze hineingedrückt. Der Steward serviert auf extrem schiefer Ebene Cola. Applaus von den Passagieren für seine akrobatische Leistung. Haarscharf geht es über die Andengipfel. Dann plötzlich die Landung auf 4100 Metern nach fast ständigem Bergaufflug. Alles sehr kurios, aber ziemlich beeindruckend."

Air Pacific passenger plane takes off fom Sydney International Airport

Quelle: REUTERS

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"Rückflug Chicago-Stuttgart über London. Der Kapitän sagt gleich am Anfang: 'It might get a little bit bumpy.' Klartext: Wintersturm über Grönland mit extremen Turbulenzen. Mehrmals hebt das ganze Essen ab und verteilt sich im ganzen Flieger - wird schnell abgeräumt und die Stewardessen servieren nur noch Getränkedosen, in die sie mit einem Milchöffner Löcher stoßen und kleine Strohhalme stecken. Nach gut drei Stunden ignorieren einige Passagier das 'Fasten Seat Belt'-Zeichen und gehen auf die Toilette, schnell bildet sich eine Schlange. Jetzt kommt aber erst das größte Luftloch des bisherigen Flugs. Die ganze Schlange vor der Toilette hebt zehn Zentimeter vom Boden ab, schwebt ein wenig und fällt dann wie Dominosteine in den Gang."

Flugzeug nachts am Airport

Quelle: mr.elch/photocase.com

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"Rückflug Teneriffa - München. Eine halbe Stunde vor der Ankunftszeit wird die Kabine verdunkelt, draußen ist es Nacht. Im gedrosselten Anflug geht es eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, dann kommen Fahrwerkgeräusche, dann wieder Fahrwerkgeräusche, weitere Zeit vergeht, keine Kurven, kein Sinkflug, einfach langsamer Geradeausflug, keine Landung. Langsam verstummen die letzten Unterhaltungen. Wir müssten längst am Münchner Flughafen vorbeigeflogen sein. Da geht der Flugkapitän plötzlich den Gang entlang mit ernstem Geradeausblick, kehrt wieder zurück. Stille in dem riesigen Flugzeug. Dann plötzlich wieder Fahrgestellgeräusche, plötzlich geht es rasch abwärts.

Da sieht man endlich Lichter, aber nur blaues blinkendes Licht, ein Meer von Rettungsfahrzeugen, die unten am Flughafen neben der Landebahn warten. Wir gehen sehr schnell herunter, hartes Aufsetzen und sehr hartes Bremsen, das Flugzeug steht. Dann die Stimme des Kapitäns: 'Sie werden es bemerkt haben, wir hatten Probleme beim Ausfahren des Bugfahrwerks, dann fiel noch dazu bei der Landung die Steuerung des Bugrades aus.'"

A flight from Tenerife lands at at East Midlands Airport

Quelle: Reuters

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"Als wir über Irland den Atlantik erreichen, beginnen die Turbulenzen. Die Flugbegleiterinnen, die gerade einen Getränkeservice vorbereiten, schaffen es nicht mehr auf ihre Plätze. Eine setzt sich neben mir auf den Kabinenboden und bittet mich und den Gangnachbarn gegenüber, sie festzuhalten. Heftige Schläge durch die Turbulenzen lassen das ganze Flugzeug vibrieren, zwischenzeitlich sacken wir für mehrere Sekunden im freien Fall ab. Im Flugzeug herrscht Totenstille. Als es überstanden ist, ist der Küchenboden vollständig mit Getränken, Bechern, und Servietten bedeckt."

Tower am Flughafen München

Quelle: dpa

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"Dezember, im ausgebuchten "Rush-Hour" Business-Flieger von Frankfurt nach München. Draußen zieht der Himmel schwarz zu, es fängt an zu stürmen. Ich sitze zwischen einer Spanierin und einem Geschäftsmann, wobei die Spanierin bereits beim Abflug anfängt, sich ununterbrochen zu bekreuzigen und Gebete zu murmeln. Nach dem fünften Luftloch und der Einstellung des Bordservices, da eine Stewardess einem Geschäftsmann den Kaffee über die Hose geschüttet hat (auf einer Achterbahn würde man auch keinen Kaffee ausschenken) landen wir nach guten 30 Minuten Abenteuerflug in München.

Alle springen auf, die Geschäftsleute kramen bereits im Handgepäck und drängen nach vorne, schließlich ist Freitag. Da kommt die Durchsage: 'Liebe Passagiere, willkommen in München, leider scheinen wir etwas unvorhergesehen gelandet zu sein, die Gangway ist noch nicht ausgefahren und ... nun ja ... es ist keiner da, der sie ausfahren kann. Man hat uns schlicht und ergreifend übersehen. Es dauert noch ein paar Minuten.'

Eine Viertelstunde später: 'Liebe Passagiere, wir sind nun dem Tower aufgefallen, sie haben Personal losgeschickt, doch dieses wird noch aufgehalten ... oder ist verloren gegangen ... auf jeden Fall kommen sie später.'

Zehn Minuten später, die Business-Leute werden ungeduldig, die Spanierin beginnt wieder sich zu bekreuzigen: 'Liebe Passagiere, ich habe hier noch ein Malbuch und Buntstifte ... aber nur für ein kleines Mädchen.'"

Follow me airport

Quelle: AFP

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"Sommer 1988 - Reise mit der INTERFLUG von Berlin-Schönefeld nach Peking. Die wunderbar nach Formaldehyd riechende Maschine vom Typ Iljuschin IL62 war ungemein praktisch: Die Sitzlehnen vor der eigenen Sitzreihe ließen sich ganz nach vorn umklappen, so dass man seine Füße auf dem Vordersitz ausstrecken konnte, vorausgesetzt, es saß dort niemand. Nach der Landung in Peking sah ich aus dem Fenster und traute meinen Augen kaum: Vor uns fuhr seelenruhig ein Fahrradfahrer, der am Gepäckträger ein großes Schild angeschraubt hatte mit der Aufschrift FOLLOW ME. Die nicht ganz kleine Iljuschin folgte dem Radfahrer brav auf die Parkposition, als wäre dies das Selbstverständlichste der Welt."

Welchen Flug werden Sie nie vergessen?

© Süddeutsche.de/kaeb
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