Kritik an Airbnb Angst vor Party-Touristen

Je größer das Unternehmen wurde, umso mehr Feinde bekam es aber auch: Nachbarn mit Angst vor Party-Touristen, Hausbesitzer mit Abneigung gegen Untermieter, konkurrierende Hotels mit teuren Sicherheitsauflagen und Finanzbeamte, die fürchten, dass Airbnb-Nutzer ihre Einnahmen nicht versteuern. Nachdem bereits Auto-Vermittlungen wie Relayrides und Uber Ärger mit US-Behörden und Kfz-Versicherern bekamen, war es eine Frage der Zeit, bis auch Airbnb auf Widerstand stoßen würde.

Getroffen hat es nun Nigel Warren: Bei seinem Urteil gegen den New Yorker berief sich der Richter auf ein drei Jahre altes örtliches Gesetz. Demnach darf ein Mieter sein Zimmer nicht für einen Zeitraum von weniger als einen Monat untervermieten, wenn er selbst abwesend ist. Kritiker führen an, dass so die den Hotels lästige private Konkurrenz ausgebremst wird. Befürworter hingegen loben, das Gesetz verhindere die Verwandlung von Wohnraum in inoffizielle Pensionen; dies schütze die Mieter und bewahre den Charakter innerstädtischer Viertel.

So oder so ist die Verunsicherung groß. "Sollen wir nun Buchungen stornieren?", fragt im Airbnb-Forum die Nutzerin Gab Z, und die New York Times ergänzt: "Wenn Airbnb weiß, dass viele seiner Angebote wahrscheinlich gegen örtliche Gesetze verstoßen, sollte es seine Gastgeber dann nicht warnen?" Das will das Unternehmen jetzt tun: Künftig soll ein Dialogfenster Vermieter daran erinnern, sich über die Rechtslage in ihrer Stadt zu informieren.

Deutsche Gastgeber haben es leichter. "Wenn jemand untervermieten will, darf er das zwar nur mit Zustimmung seines Vermieters", sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund, "aber der Vermieter muss dem zustimmen, sobald der Mieter ein berechtigtes Interesse hat - etwa das Verdienen von Geld. Und wenn er nur einen Teil der Wohnung untervermietet."

Komplikationen kann es allerdings geben, wenn Städte, wie etwa Hamburg, sogenannte Zweckentfremdungsverordnungen haben. Die sollen verhindern, dass Wohnraum als gewerbliche Fläche genutzt wird. Ob Airbnb-Kunden davon betroffen sind, hat noch kein Gericht geklärt. Doch sagt Ropertz: "Wenn jemand seine Wohnung ein paar Mal im Jahr untervermietet, würde es mir schwerfallen, darin eine gewerbliche Nutzung zu sehen."

Es sei aber natürlich nicht auszuschließen, dass Finanzbeamte die Namen von Airbnb-Vermietern notieren und überprüfen, ob diese ihre Mieteinnahmen versteuern. Und das Technologie-Magazin Wired gibt zu bedenken, dass Bürokratien zunächst immer Widerstand gegen neue Entwicklungen leisteten. Doch kämen sicherlich bald Gesetze, die der Teilungswirtschaft helfen. Schließlich hätten ja "auch Bürokraten ein paar leere Zimmer übrig".

Aktualisierung vom 13. Juni 2013: Airbnb teilte inzwischen mit, dass es den Streit um die Untervermietung von Zimmern notfalls bis zum höchsten Gericht der USA ausfechten möchte. Das Unternehmen zögerte lange, sich in den Streit einzumischen, da Gastgeber offiziell ihre Rechtslage selbst klären müssen. Nun soll David Hantman, der zuvor bei Yahoo die Abteilung für Regierungsbeziehungen geleitet hat, den Kampf mit den Behörden aufnehmen wollen. Airbnb hofft nicht nur auf einen Freispruch für Warren. Das Unternehmen fordert auch eine Überarbeitung des Gesetzes gegen illegale Hotels und Klarheit für Millionen Menschen, die ihr Zimmer im Internet untervermieten.