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Deutsche Bahn:Das erwartet Reisende beim neuen Bahn-Fahrplan

Am 10. Dezember steht der jährliche Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn an. Was ist neu und wie entwickeln sich die Ticketpreise? Ein Überblick.

Welche Neuerungen kommen ins Angebot?

  • Der ICE 4 geht in den Regelbetrieb

Bis Dezember wurde das Prestigeprojekt der DB getestet. Ab jetzt können wesentlich mehr Fahrgäste auf Fernstrecken damit rechnen, in einen Zug der neuen Generation zu steigen; zunächst zwischen Hamburg und München sowie Hamburg und Stuttgart. Gegen Ende 2018 soll der ICE 4 dann auch zwischen München und Berlin verkehren.

Die Abteile wurden unter anderem für Familien, Passagiere mit Fahrrädern sowie Rollstuhlfahrer verbessert. Speisewagen, Informationsanzeigen und Beleuchtung sind neu gestaltet, außerdem soll das Surfen und Telefonieren besser funktionieren. Wie das alles in der Praxis aussieht, lesen Sie in diesem Bericht über eine Testfahrt.

  • München - Berlin in weniger als vier Stunden

Die Deutsche Bahn hat dafür jahrezehntelang eine komplett neue Trasse errichten lassen. Das milliardenschwere "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8" (VDE8) verbindet München und Berlin per Hochgeschwindigkeitszug. Die Fahrt über die 623 Kilometer dauert so im neuen "ICE Sprinter" bestenfalls weniger als vier statt bisher etwa sechs Stunden. Mit dem normalen ICE mit mehr Haltebahnhöfen sind es laut Plan auch nur knapp viereinhalb Stunden - wenn alles gut geht.

Die Neubaustrecke verläuft zwischen Ebensfeld (Landkreis Lichtenfels) und Erfurt (Thüringen). Die jährliche Fahrgastzahl zwischen Berlin und München soll sich durch diese Verbesserung auf bis zu 3,6 Millionen verdoppeln, hofft die Bahn. Klares Ziel: Passagiere vom Flugzeug in den Zug zu locken.

  • Bessere Verbindungen ins Ausland

Eine neue Direktverbindung verläuft zwischen Frankfurt am Main und Mailand über Karlsruhe. Fahrzeit: 7 Stunden und 30 Minuten.

Zudem kommt eine neue Verbindung von Bielefeld in die Niederlande. Sie führt über Osnabrück und Bad Bentheim nach Hengelo. Allerdings kann der Zug im Grenzabschnitt wegen noch fehlender Genehmigungen erst vom 14. Januar an fahren, teilte der Betreiber Eurobahn mit. Die neuen Züge sind mit dem niederländischen und deutschen Bahnstromsystem ausgerüstet, so dass erstmals kein Lokomotivwechsel mehr nötig ist. Für Fahrten zum Grenzbahnhof Oldenzaal sowie nach Hengelo gilt künftig der deutsche Niedersachsentarif ohne Preisaufschlag. Zusätzlich zu den stündlich pendelnden Regionalzügen verkehrt weiterhin im Zweistundentakt der IC zwischen Amsterdam und Berlin über den Grenzübergang.

Außerdem gibt es eine neue Direktverbindung zwischen Düsseldorf und Luxemburg. Der Zug soll einmal täglich entlang der Mosel fahren und in Trier, Koblenz, Bonn und Köln halten. Damit werden Trier und Luxemburg an das deutsche Fernverkehrsnetz angebunden. Von Trier aus fahren derzeit nur Regionalzüge. Die Deutsche Bahn hatte Ende 2014 die letzten Fernzugverbindungen auf der Moselstrecke gestrichen.

Wie entwickeln sich die Ticketpreise?

Bahnfahren wird mit dem Fahrplanwechsel erneut teurer. Im gesamten Netz steigen die Preise diesmal um durchschnittlich 0,9 Prozent. Im Fernverkehr beträgt der Aufpreis im Standardtarif durchschnittlich 1,9 Prozent (in der 1. Klasse 2,9 Prozent). Noch größere Preissprünge gibt es auf einzelnen Strecken wie der neuen Schnellverbindung zwischen München und Berlin. Dort kostet die Fahrt zum Flexpreis fast 14 Prozent mehr.

Was Passagiere im Einzelfall wirklich bezahlen, ist jedoch eine andere Frage. Durch immer mehr Sparpreis-Angebote ergeben sich für ein und dieselbe Strecke zunehmend unterschiedliche Preise, je nach Termin der Fahrt und Vorlaufzeit bei der Buchung.

Im Rabattbereich gibt es eine Verbesserung: Bisher konnte nur die Bahncard 25 mit allen Sparpreisen kombiniert werden. Künftig bringt auch die Bahncard 50 einen zusätzlichen Rabatt auf solche Angebote mit An- oder Weiterreise im Nahverkehr (ebenfalls in Höhe von 25 Prozent).

Welche Strecken sind wieder befahrbar?

  • Berlin - Dresden

Der 73 Kilometer lange Abschnitt zwischen Wünsdorf-Waldstadt (Landkreis Teltow-Fläming) und Hohenleipisch (Elbe-Elster) wurde seit August 2016 ausgebaut. Er kann jetzt mit bis zu Tempo 160 befahren werden, die neue Reisezeit beträgt deshalb nur noch knapp zwei Stunden. In drei Jahren soll die Strecke mit dem Zugsicherungssystem ETCS ausgerüstet sein, das Tempo 200 ermöglicht. Voraussichtlich 2025 soll schließlich der Abschnitt von Berlin-Südkreuz nach Blankenfelde fertig sein. Die Fahrt von Berlin nach Dresden wird dann nach Bahn-Angaben nur noch anderthalb Stunden dauern.

Was tut sich noch in den einzelnen Regionen und Bundesländern?

Was sich in Bayern ändert, ist in diesem SZ-Artikel zusammengestellt. Regionale Übersichten zu größeren Veränderungen in anderen Teilen Deutschlands bietet die DB selbst hier für den Norden (Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen), hier für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, hier für Hessen, das Saarland und Rheinland-Pfalz, hier für Baden-Württemberg, hier für Nordrhein-Westfalen, hier für Mitteldeutschland (Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt).

Was sagen Kritiker der Bahn?

Umweltschützer sind in Sachen Bahnausbau in einer Zwickmühle. Die Bahn gilt als umweltfreundliches Verkehrsmittel, trotzdem ist die Kritik auch viele Jahre nach dem Start der Planungen von "VDE8" noch heftig: Von einem "flächenfressenden, die Landschaft zerstörenden Prestige-Projekt", spricht Hubert Weiger, Chef des Bund Naturschutz in Bayern. Bürgerinitiativen und Naturschützer hätten immer wieder umweltschonendere Alternativvorschläge gemacht - vergeblich.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Hochgeschwindigkeitstrasse München-Berlin verbinde große Städte, das Land bleibe abgehängt zurück. Der ökologische Verkehrsclub VCD kritisiert "eklatante Mängel beim Ausbau der Bahninfrastruktur". Zwar bringe die Eröffnung der Strecke Vorteile. Beim Neubau seien allerdings die Regionen unzureichend mitgedacht und gute regionale Verbindungen zur Schnellfahrstrecke außen vor gelassen worden.

Andererseits: Der Winterfahrplan bringt der Bahn auch Lob, etwa vom Fahrgastverband Pro Bahn für die Verbesserung bei der Bahncard 50 - damit werde eine jahrelange Forderung nun endlich erfüllt.

© SZ.de/dpa/ihe/kaeb/harl/liv
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