Deutsche Bahn Neue ICE-Trasse: Von München nach Berlin fast wie im Flug

Die Fahrt von München nach Berlin dauert künftig nur noch vier Stunden.

(Foto: dpa)
  • Von Sonntag an braucht der ICE-Sprinter auf der neuen Trasse nur noch knapp vier Stunden von München nach Berlin.
  • Die DB erhofft sich davon deutlich mehr Fahrgäste, viele Hauptstadt-Pendler freuen sich auf die schnelle Verbindung.
  • Die Lufthansa sieht dem Start der Schnellstrecke gelassen entgegen, startet aber trotzdem neue Konzepte für Geschäftsreisende.
Von Marco Völklein

Die Abnahmefahrten sind beendet, die Lokführer geschult, und an diesem Freitag soll in Berlin die große Eröffnungssause mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bahnchef Richard Lutz steigen. Von Sonntag an nimmt die Deutsche Bahn (DB) dann den Regelbetrieb auf der 107 Kilometer langen Neubaustrecke zwischen Ebensfeld bei Bamberg und Erfurt auf. Die Züge sollen dort mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde entlang rasen.

Für die Bahn beginnt damit eine neue Ära. So stellt es zumindest Verkehrsvorstand Berthold Huber dar. Er schwärmt von der "größten Angebotsverbesserung in der Geschichte" der Bahn, welche die Inbetriebnahme der neuen Strecke ermögliche.

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Sprinter-Züge verbinden von Sonntag an dreimal täglich München mit Berlin in etwas weniger als vier Stunden; sie halten unterwegs nur noch in Nürnberg, Erfurt und Halle. Die regulären ICEs, die auch in Bamberg, teilweise in Coburg sowie in Leipzig stoppen, werden etwa viereinhalb Stunden benötigen. Momentan ist der Zug noch gut sechs Stunden von der Isar an die Spree unterwegs. Diesen Zeitgewinn lässt sich die Bahn auch bezahlen, der Normalpreis für die Strecke steigt um gut 13 Prozent auf 150 Euro.

Doch auch wer von München nach Magdeburg, Eisenach oder Dresden will, werde von der neuen Strecke sowie von kurzen Umsteigezeiten profitieren, sagt Huber. Das Ziel sei, dem Auto und dem Flugzeug Nutzer abzujagen: Auf der Verbindung München-Berlin will Huber die Kundenzahlen der DB von jetzt 1,8 Millionen pro Jahr auf 3,6 Millionen verdoppeln.

Das neue Angebot ist eine Kampfansage vor allem an die Lufthansa, die nach der Insolvenz des Konkurrenten Air Berlin und dem Rückzug des Billigfliegers Transavia zumindest vorübergehend als Alleinanbieter auf der Strecke München-Berlin übrig geblieben ist. Mit einer Reisezeit von unter vier Stunden zwischen den beiden Städten könne es der Zug locker mit dem Flugzeug aufnehmen, sagt Huber.

Die Bahn hat eine Chance gegen die Flieger

Rechne man die langen Anfahrtswege zum Airport sowie die Wartezeiten etwa an der Sicherheitskontrolle zur Flugzeit hinzu, habe die Bahn durchaus eine Chance, Reisende vom Flieger wegzulocken, glaubt der Bahnvorstand. Außerdem könnten Geschäftsreisende die Zeit im Zug besser nutzen. Auch die Gegner einer dritten Startbahn am Airport nutzen die Gunst der Stunde: Am Sonntag wollen sie mit einer Aktion am Hauptbahnhof auf das neue Angebot hinweisen - und damit zeigen, dass es aus ihrer Sicht den Ausbau nicht braucht, wenngleich Flughafen-Chef Michael Kerkloh das freilich anders sieht.

Die Nachfrage habe sich jedenfalls in den vergangenen Wochen "erfreulich" entwickelt, heißt es bei der Bahn. Gebucht werden kann die Strecke seit Mitte Oktober, konkrete Zahlen nennen Huber und seine Leute indes nicht. Die Buchungen würden sich "ausgewogen verteilen" auf die schnellen Sprinter-Züge, die dreimal täglich in beide Richtungen verkehren, und auf die stündlich fahrenden, regulären ICEs. Sollte sich die Nachfrage gut entwickeln, will Huber von Dezember 2018 an weitere Sprinter-Züge einsetzen.