Fernverkehr Deutsche Bahn plant "größten Fahrplanwechsel in der Unternehmensgeschichte"

Auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke sollen Züge zwischen Berlin und München nur noch vier Stunden brauchen.

(Foto: dpa)
  • Zum Start der neuen Höchstgeschwindigkeitsstrecke zwischen Berlin und München ändert sich einiges für Fernreisende.
  • Mitte Oktober will die Bahn den Fahrplan für 2018 veröffentlichen, gelten soll er von 10. Dezember an.
  • Zu den großen Profiteuren zählt Coburg: Die Stadt wird ICE-Stopp.
Von Maximilian Gerl

Die Inbetriebnahme der neuen Höchstgeschwindigkeitsstrecke zwischen Berlin und München wird für bayerische Bahnreisende viele Veränderungen mit sich bringen. Die Deutsche Bahn spricht vom "größten Fahrplanwechsel in der Unternehmensgeschichte", bundesweit seien 35 Prozent aller Fernverkehrszüge betroffen. Der Konzern geht davon aus, dass sich durch die neue Trasse auch die Reisezeiten auf anderen Strecken verkürzen.

Zwar könne es geschehen, dass Passagiere beim Umsteigen künftig länger warteten; wer zum Beispiel mit dem IC von Ansbach nach Berlin fährt, wird in Nürnberg statt 13 rund 40 Minuten auf eine Anschlussverbindung warten müssen. Weil aber der ICE dann mit bis zu 300 Stundenkilometern durchs Saaletal rast, sollen Passagiere trotzdem 50 Minuten früher am Ziel ankommen. Von den Änderungen sind besonders Oberbayern, Oberfranken, Mittelfranken und der Raum Augsburg betroffen. Die Auswirkungen auf Unterfranken und Ostbayern sind eher gering.

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Mitte Oktober will die Bahn den Fahrplan für 2018 veröffentlichen, gelten soll er von 10. Dezember an. Noch bastelt sie am Feinschliff, wohin die Reise gehen soll, ist aber klar. Zu den großen Profiteuren zählt Coburg: Die Stadt wird ICE-Stopp. Drei Zugpaare werden dort von Dezember an täglich halten. Coburg liegt nicht direkt an der Strecke München - Berlin, ist aber durch eine Schleife erreichbar - ein Umweg von 15 Minuten.

Die ICE-Sprinter, welche die Strecke in weniger als vier Stunden fahren sollen, werden deshalb Coburg auslassen. Für die Deutsche Bahn ist der neue ICE-Halt vor allem ein Test, ob die Region das Angebot annimmt. Zudem soll sich die Fahrzeit des Franken-Thüringen-Express zwischen Coburg und Nürnberg halbieren.

Nürnberg will die Bahn als Verkehrsknoten aufwerten. 17 ICE-Zugpaare am Tag sollen etwa stündlich eine schnelle Verbindung nach Ostdeutschland gewährleisten. Erfurt wäre dank der neuen Trasse in knapp anderthalb Stunden erreichbar, Leipzig in zwei, Berlin in drei Stunden und 20 Minuten. Nach München soll weitestgehend ein ICE-Halbstundentakt eingerichtet werden.

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Für Augsburg wird eine Art Ausnahmeregel gelten: Ähnlich wie Coburg liegt Augsburg nicht an der neuen Hochgeschwindigkeitstrasse, soll aber regelmäßig über diese bedient werden. Von Augsburg in Richtung Norden wird mindestens alle zwei Stunden ein ICE oder IC fahren; Richtung Nürnberg ist die Rede von "weiterhin zehn Verbindungen je Tag und Richtung". Ein verdichteter Takt für Berufspendler führt dazu, dass Donauwörth künftig 23-mal pro Tag von Fernverkehrszügen angefahren wird - bislang sind es 18 Halte.

Andere Städte müssen dagegen auf Fernverkehrshalte verzichten. Erlangen kommt wohl auf 17 statt 18 Stopps am Tag, Ingolstadt auf 46 statt 49. Auch für Bamberg sind mit 24 Halten sechs weniger eingeplant. Als Grund nennt die Bahn den mangelhaften Ausbauzustand des Abschnitts Erlangen - Forchheim, der erst noch ertüchtigt werden müsse. "Im Einzelfall entstehen Bedienungslücken von drei Stunden." Mit dem Fahrplan 2019 solle es dann wieder "nahezu stündliche Halte in Bamberg und zweistündliche Halte in Erlangen" geben.

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