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Kolumne "Ende der Reise":Zu schön, um praktisch zu sein

Brücke aus Glas: die Ponte della Costituzione über dem Canal Grande in Venedig

Aber der Blick ist schön, verteidigt Santiago Calatrava seine rutschige, da gläserne "Ponte della Costituzione".

(Foto: AFP)

Künstler machen Touristen manchmal den Urlaub schwer - und anderen das Leben. Dies kommt dem Architekten, der Venedig die rutschige Glasbrücke "Ponte della Costituzione" beschert hat, nun teuer zu stehen.

Was hat sich der Künstler dabei gedacht? Diese Frage stellt man sich vielleicht im Museum, denn eigentlich ist Kunst ja dazu da, dass sie den Betrachter zum Nachdenken bringt. Im Urlaubskontext ist das etwas anderes. Denn ein Hotelzimmer, ein Zugabteil, eine Fußgängerbrücke sind ja dazu da, dass wir sie gedankenlos, quasi intuitiv nutzen können, um gut zu schlafen, ein Buch zu lesen oder trockenen Fußes einen Fluss zu überqueren. Sollte man denken.

Allein, da haben wir die Rechnung ohne jene Künstler gemacht, die sich Architekten nennen, manchmal sogar mit dem inflationären Präfix "Star". Manchen von ihnen scheint es nicht darum zu gehen, erholungsbedürftigen Menschen zu Diensten zu sein, ihnen geht es eher um den großen Wurf, um die nutzerfreundlichen Details möge sich die Nachwelt kümmern.

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So gibt es etwa in Wien ein erst 2010 eröffnetes Hotel, entworfen von Jean Nouvel. Er legte Wert darauf, nicht nur an der Fassade, sondern auch im Inneren die Farbe grau dominieren zu lassen, schließlich war es ja ein "Art Hotel". Der Gast betrat ein Zimmer mit grauem Betonboden, grauen Wänden und einer grauen, unten offenen Dusche unmittelbar neben dem grauen Bett, was dazu führte, dass man sich vor dem Schlafengehen nasse Füße holte.

Nun wurde wohl deshalb bereits ein kompletter "Relaunch" notwendig. Ein neuer Architekt sollte Farbe in das monotone Grau bringen sowie die "wenig kratzverzeihenden" Oberflächen von Nouvel austauschen. Ob er auch normale Duschen einbaute, ist nicht bekannt.

Solche Beispiele gibt es viele, und nun kommt eine Nachricht aus Venedig, der Stadt, die neben dem Touristenproblem auch eine Architektenproblem hat.

Venedig Venice bridge glass ponte "Ponte della Costituzione" Glasbrücke

Schönheit oder Schande? "Ponte della Costituzione" bei Nacht

(Foto: Alessio Furlan/Unsplash)

Der Spanier Santiago Calatrava wurde von einem Gericht zu einer Zahlung von 78 000 Euro an die Stadt verurteilt, weil er den Venezianern eine kühn geschwungene Fußgängerbrücke hingestellt hatte, die erstens viel teurer wurde als geplant (rund elf statt sieben Millionen Euro) und zweitens nicht ganz so fußgängergeeignet ist.

Die Stufen des "Ponte della Costituzione" sind aus Glas, was sie extrem rutschig macht in einer Stadt, in der es gerne mal etwas feuchter wird. Bei Schneefall, was hier auch vorkommt, muss die Brücke gesperrt werden, denn Salz verträgt das Glas gar nicht. 167 000 Euro kostet jährlich allein die Instandhaltung des Bauwerks. Nun musste man für viel Geld Anti-Rutschstreifen aus Vulkangestein aufbringen.

Der Architekt, so heißt es, überlege, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Die Brücke, so rechtfertigt er sich auf seiner Website, biete doch einen wunderschönen Blick über den Canal Grande.

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