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Debatte um Reisevorteile:Zimmer frei - aber nur für Geimpfte

Urlaub und Reise: Touristen auf Mallorca

Mallorca, vor Corona: Touristinnen an der Playa de Palma. Kehrt die Unbeschwertheit irgendwann zurück?

(Foto: Jaime Reina/AFP)

Haben es Urlauber mit Impfschutz künftig leichter? Warum ein Reiseveranstalter nur noch immunisierte Gäste in seine Hotels lassen will und welche Reaktionen das nach sich zieht.

Von Eva Dignös

Ein bisschen neidisch ist man schon auf diejenigen, die ihre Spritze bereits bekommen haben. Die dank Immunisierung gegen Corona ein wenig unbeschwerter durchs Leben gehen. Und die nun vielleicht auch eher wieder in den Urlaub fahren können? "Hotels nur für Geimpfte" - mit dieser Nachricht macht Alltours gerade Schlagzeilen. Unter dem Namen "Allsun" betreibt der Düsseldorfer Reiseveranstalter, einer der großen Player der Branche in Deutschland, 34 Häuser auf Mallorca, den Kanarischen Inseln und in Griechenland. Und dort soll ab 31. Oktober nur einchecken dürfen, wer einen vollständigen Impfschutz gegen Covid-19 vorweisen kann.

Die Ankündigung sorgte für einigen Aufruhr in den sozialen Medien, inklusive wütender Boykottaufrufe, versehen mit Stichworten wie Menschenrechtsverletzung oder Diskriminierung. "Wir haben aber auch vor allem von unseren Kunden sehr viele positive Reaktionen bekommen", sagt Firmenchef Willi Verhuven im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Er beobachte einen "deutlichen Wunsch nach einem sicheren Urlaub, nach einem normalen Urlaub".

Sofern die Auflagen im jeweiligen Urlaubsland es gestatten, soll in den nur für Geimpfte buchbaren Häusern deshalb auf die Maske verzichtet werden können. Im Übrigen sei bei den Mitarbeitern - die dann auch geimpft sein sollen - der Wunsch nach mehr Sicherheit ebenfalls groß. Das unternehmerische Risiko, Kunden zu verlieren, die sich nicht immunisieren lassen wollen, nehme er in Kauf, sagt Verhuven: "Das soll und darf natürlich jeder für sich entscheiden."

Die Allsun-Hotels seien vor allem bei Stammgästen beliebt. Sie sind teilweise schon jetzt buchbar, mit dem Anfordern eines Impfnachweis werde man allerdings nur starten, "wenn der Impfverlauf tatsächlich so ist, wie Frau Merkel es angekündigt hat", wenn also jedem Bundesbürger bis zum Herbst ein Angebot gemacht werden könne. Für Familien mit Kindern, für die derzeit noch keine Impfstoffe zugelassen sind, plant Verhuven ein eigenes Hygiene- und Sicherheitskonzept: Kinder könnten beispielsweise während des Aufenthalts mehrmals getestet werden, "bis auch sie bedenkenlos geimpft werden können".

Für die Reiseveranstalter müsse es darum gehen, das Geschäft langfristig wieder in Gang zu bringen: "Betriebswirtschaftlich ist es entscheidend, dass es nicht wieder anläuft, aber dann gleich wieder zusammenbricht." Und das funktioniere nur mit konsequenten Anti-Corona-Maßnahmen.

Den Kunden sind Flexibilität bei der Buchung und Sicherheit vor Ansteckungen wichtig

Rechtlich ist es kein Problem, bestimmte Personengruppen auszuschließen, das gilt im Hotel ebenso wie im Flugzeug oder auf dem Kreuzfahrtschiff. Vertragsfreiheit nennt sich das juristisch: Der Anbieter entscheidet, welche Voraussetzungen er in seinem Vertrag formuliert - und der Kunde hat die Wahl, ob er sich darauf einlässt oder eben nicht. Schon jetzt gibt es Häuser, die nur für Erwachsene geöffnet sind. Und künftig eben solche nur für Geimpfte.

Aktuell will dennoch keiner der Konkurrenten nachziehen. "Bei Tui gibt es solche Pläne derzeit nicht", sagt Tui-Deutschland-Sprecher Aage Dünhaupt. Ähnlich äußert sich Georg Schmickler, Chef der Hotel-Sparte bei DER Touristik. Die Impfungen seien eine gute Nachricht, "die Frage nach Vorteilen für bereits geimpfte Personen halten wir jedoch für verfrüht und haben keine Planung in dieser Richtung". Und beim Münchner Reisekonzern FTI heißt es, man beabsichtige weder als Veranstalter noch als Hotelbetreiber derartige Auflagen.

Sicherheit ist, das zeigen Umfragen, seit Corona ein ganz wesentliches Kriterium bei der Reisebuchung. Zum einen will man kurzfristig stornieren können, ohne Geld zu verlieren: 59 Prozent der Bundesbürger ist das laut der Reiseanalyse 2021 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) besonders wichtig. Fast ebenso hoch ist mit 52 Prozent aber der Anteil derjenigen, die auf angemessene Hygienemaßnahmen am Urlaubsziel Wert legen.

Die Reiseveranstalter stehen damit vor der Gratwanderung, den Urlaubern die erhoffte Sicherheit zu bieten, ohne diejenigen als Kunden zu verlieren, die ganz hinten auf der Impf-Rangliste stehen. Man wird sich wohl in diesem Sommer vor allem mit Tests behelfen: Wer in einen Flieger steigen oder in einem Hotel übernachten möchte, sollte damit rechnen, ein negatives Covid-19-Testergebnis vorlegen zu müssen. Im Sommer 2020 war das übrigens noch kein Thema, damals reichten in der Regel Maske, Desinfektionsmittel und Abstand - die Zeiten ändern sich schnell, möglicherweise auch beim Thema Impfpflicht.

© SZ
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