Bildband "Grey Matter(s)":Welt im Morgengrauen

Bildband "Grey Matter(s)": Scyscraper (Arizona, USA 2015)

Scyscraper (Arizona, USA 2015)

(Foto: Tom Jacobi)

Tom Jacobi fotografiert, wenn das erste Tageslicht Landschaften schon erhellt, aber noch nicht in Farben taucht. Das gibt selbst hundertmal Gesehenem ein neues Gesicht.

Von Hans Gasser

Mit den Farben in der Landschaftsfotografie ist das so eine Sache. In den meisten Bildbänden herrscht permanenter Sonnenauf- respektive Sonnenuntergang. Das Licht fällt so warm und schräg ein, dass es die Dinge möglichst plastisch und konturenreich erscheinen lässt. Leider sieht das alles immer ziemlich ähnlich aus. Schön, aber oft auch langweilig.

So gesehen hat Tom Jacobi den Lichtschalter etwas weiter runtergedimmt. Er ist so früh aufgestanden, dass das erste Licht des Tages (manchmal auch das letzte) die Welt schon erhellt, aber noch nicht in Farben taucht. Ab und zu sind diese zwar zu erahnen - das Hellblau eines Eisbergs, ein zartes Gelb von Felsen - , großteils aber handelt es sich um Grau in all seinen Schattierungen.

Reisefotografie - Bildband "Grey matter(s)"

Fotograf Tom Jacobi setzt alt bekannte Landschaften im ersten Morgenlicht neu in Szene.

Inspiriert dazu habe ihn, schreibt Jacobi, eine Schiffsreise zur Antarktis, deren Eismassen meist nicht blau leuchten, sondern wegen der ständigen Bewölkung grau erscheinen: "Es war nicht trist, es war einfach wunderschön. Keine Farbe heischte um Aufmerksamkeit oder schrie: ,Sieh hierher, sieh mich an!'"

In der Folge hat er sich aufgemacht in einige der archaischen Naturlandschaften der Erde, von Namibia über Island bis in die US-Nationalparks. Seine Fotos arbeiten die oft sehr grafischen Strukturen von Fels, Wasser und Eis heraus, so dass es wirkt, als wären sie nicht von dieser Welt: der Hintergrund für ein Computerspiel oder das Setting für einen Fantasy-Film. Selbst hundertmal Gesehenes wie der Bryce Canyon oder das Deadvlei in Namibia bekommt so wieder ein interessantes Gesicht.

Tom Jacobi: Grey Matter(s). Hirmer Verlag, München 2016. 144 Seiten, 49,90 Euro.

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