Rettung von Alpentouristen Klettertaxe

Ein Wanderer im österreichischen Nationalpark Hohe Tauern.

(Foto: dpa)

In den Alpen verunglücken immer mehr Touristen. Aber wer soll das bezahlen? Ein Vorschlag aus Tirol sorgt nun für Diskussionen.

Von Dominik Prantl

Sie graben Verschüttete aus Lawinen und holen Kletterer aus Steilwänden, fliegen kollabierte Rentner von der Hütte und betreuen abgestürzte Hasardeure im Funpark des Skigebiets: Durchschnittlich 7000 Mal sind alleine die österreichischen Bergrettungsdienste pro Jahr im Einsatz; oft geht es um Leben und Tod. Und weil auch das Lebenretten Geld kostet, hat der Bergrettungsdienst Tirol jetzt einen viel beachteten Vorstoß gewagt.

Es solle doch bitte auch der Tourismus endlich einen Pflichtbeitrag zur Hilfe in den Bergen leisten. Peter Veider, Geschäftsführer der Bergrettung Tirol, nennt "als Diskussionsgrundlage einen Cent pro Nächtigung". Bei 45 Millionen Nächtigungen pro Jahr in Tirol ergäbe das einen Zuschuss von 450 000 Euro zum 2,5 Millionen-Etat.

Die Forderung ist nachvollziehbar, denn welche touristische Relevanz das Thema Sicherheit in den Bergen besitzt, zeigen unter anderem die aktuellen Zahlen des österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit. Von den etwa 2000 Menschen, die alleine seit Anfang Mai in den österreichischen Bergen verunglückten, kamen beispielsweise mehr als 700 aus Deutschland, dem fürs Nachbarland immer noch wichtigsten Markt. Insgesamt 101 Personen verunglückten dabei tödlich. Zwar liegen die Zahlen des bisherigen Bergsommers nur unwesentlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, allerdings habe sich die Art der Rettungsaktionen verändert.

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"Wir haben weniger Einsätze auf Pisten, aber dafür beispielsweise viel mehr an Klettersteigen am Fels, die ungleich aufwendiger sind", sagt Martin Gurdet, Geschäftsführer der österreichischen Bergrettung. Daher könne man von der Zahl der Einsätze nicht auf die Kosten schließen. Über die Idee seines Tiroler Kollegen Veider meint Gurdet nur: "Das ist ein Tiroler Vorstoß." Er plädiere aber für langfristige und abgesicherte Subventionen bei der Finanzierung.

Bislang finanziert sich der in Landesverbänden organisierte Bergrettungsdienst Österreich - ähnlich wie in Deutschland - über öffentliche Zuschüsse von Land und Bund, Einsatzverrechnungen sowie Fördergelder. Die Tourismusverbände beteiligen sich, wenn überhaupt, mittels Spenden, obwohl die Berge mit allen ihren Gefahren das Rückgrat des österreichischen Tourismus und des tirolerischen im Besonderen bilden.

"Gerade jetzt im Sommer boomen die Höhenwege und Klettersteige. Dabei wird vorausgesetzt, dass unser ehrenamtliches System funktionieren soll", so Veider. Tatsächlich ist der Erhalt der von Alpenvereinen gepflegten alpinen Infrastruktur und des Rettungswesens oftmals nur durch ehrenamtliche Helfer möglich.

Josef Margreiter, Chef der Tirol Werbung und damit so etwas wie Tirols oberster Tourismusvermarkter, glaubt, dass seine Branche wieder einmal als "Melkkuh der Nation" genutzt werde - und hält naturgemäß wenig von Veiders Ansatz: "Für mich ist das eine reine Blase, die es in die Medien geschafft hat." Schließlich gebe es auf regionaler und örtlicher Ebene ein starkes Fundament. Und Markus Fürst von der bayerischen Bergwacht scheint sich fast zu amüsieren: "Bei uns gibt es keinerlei Überlegungen in diese Richtung. Aber wir haben es zur Kenntnis genommen."

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