Reaktionen auf Warnstreik "Wenigstens beim Streik ist die Bahn pünktlich"

"Ja, es dauert noch. Nein, ich weiß nicht wie lange ..." Ein Bahnstreik macht einen Montagmorgen nicht angenehmer, hier in Hanau.

(Foto: Reuters)

Erst wegen der Bahn den Job verloren, jetzt die Verlobung verpasst - zum Glück berichten nicht alle Leser von solch dramatischen Streikfolgen. Eine Auswahl.

Mit der Bahn zu fahren, kann so schön sein - wenn sie fährt. Mal ist es zu kalt für sie, mal zu heiß, mal zu stürmisch. Und egal, ob das Wetter mitspielt oder nicht, wollen die Beschäftigten mehr Geld und nutzen ihr Streikrecht, das ihnen natürlich zusteht. Allerdings finden Pendler und punktuell Zugreisende, dass auch sie ein Recht haben, in die Arbeit oder ans Reiseziel zu kommen. Wie SZ-Leser und andere Bahnfahrer auf den Ausstand am Montag reagieren, sehen Sie in dieser Auswahl. Die gute Nachricht vorweg: Der Humor ist nicht (immer) auf der Strecke geblieben.

Wobei das nicht allen leicht gefallen sein dürfte, etwa dieser Frau. Sie hatte den ZDF-Moderator Mitri Sirin um Hilfe gebeten, um einen Zug zu erreichen, der längst gestrichen war: Ihr hatte eine missglückte Bahnreise bereits einmal das Leben durcheinandergewürfelt. Das wird diesmal hoffentlich nicht der Fall sein - doch zur eigenen Hochzeit wird sie wohl nicht mehr mit der Bahn fahren.

Wenn bei der Bahn nichts mehr geht, fragen Sie Ihre Freunde und Verwandten. SZ-Leser Tobias L. half sein Bruder großzügig in der Not:

"Als ich heute morgen auf dem Weg zu meinem Kunden war, habe ich zunächst in der App überprüft, ob mein Zug fährt. Die zeigte an, dass in 20 Minuten eine Alternative fahren würde. Die Ernüchterung am Bahnhof: Auch dieser Zug fiel aus. Gott sei dank habe ich einen Bruder, der mir sein Auto (Euro 4 Diesel) auslieh für die rund 100 Kilometer bis zu meinem Kunden. An meine persönlichen Umweltschutzgesetze konnte ich mich so heute aber nicht halten."

Besonders bitter wird der Zusammenbruch des Zugverkehrs, wenn man schon mehr als einen Tag Reisen hinter sich hat und sich kurz vorm Ziel wähnte. Dann hilft nur noch Schokolade - hofft jedenfalls die Deutsche Bahn.

Allerdings gibt es auch Reisende wie SZ-Leser Werner H., die alles tun würden, um nicht in einen Bahnstreik zu geraten - sogar früher fahren als gedacht:

"Da ich am Samstagabend mitbekommen habe, dass für heute ein Warnstreik der EVG vorgesehen ist, habe ich meine Fahrt von Ismaning nach Potsdam von Montagvormittag auf Sonntagnachmittag vorgezogen und sitze jetzt gemütlich in Potsdam. Offenbar haben auch andere ihre Fahrt vorgezogen, wie sich aus Gesprächen im ICE ergab. Eine Reisende zum Beispiel, die gestern eigentlich nur von München bis Nürnberg und heute früh von dort nach Rostock fahren wollte, ist gestern direkt nach Rostock gereist. Mir jedenfalls war nach meinen Erfahrungen bei den letzten Streiks klar, dass ich an so einem Tag nicht mit der Bahn fahren würde."

Dass sie überhaupt nicht die Chance bekommen würde, irgendeinen Zug zu nehmen, damit hatte Leserin Karin N. nicht gerechnet:

"Ich musste heute früh zum Flughafen, mit der S8 ab Hohenbrunn, und hatte mich auf die doppelte Fahrtzeit eingestellt. Aber dass gar keine S-Bahn zum Flughafen fahren sollte, finde ich doch sehr befremdlich, eigentlich unverschämt!

Ich habe meinen Flug deshalb stornieren müssen. Die Taxikosten wären unverhältnismäßig gewesen (über 100 Euro) und das Staurisiko zu hoch. Da der reine Flugpreis nur 10,50 Euro beträgt - der Rest sind Steuern und Gebühren - ist der finanzielle Verlust zu verschmerzen. Der Ärger jedoch nicht."

Kuriose Bahn-Durchsagen

"Wir bitten, diese Dummheit zu entschuldigen"

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Pech im Unglück hatte SZ-Leser Günter M., der eigentlich noch vor Streikbeginn um fünf Uhr morgens unterwegs war. Trotzdem wurde er ausgebremst:

"Wir wollten zu einer Trauerfeier nach Achim bei Bremen, die geplante Zugabfahrt war um 4.13 Uhr. Weil ja nachts zwischen 2 und 4.30 Uhr keine S-Bahn fährt, nahmen wir das Taxi zum Hauptbahnhof. Als wir unsere bezahlten Sitzplätze im ICE 888 eingenommen hatten, kam fünf Minuten vor der Abfahrt plötzlich die Durchsage: Dieser Zug fällt wegen des Streiks aus. Nachfragen nach der Rückerstattung des Tickets bei dem herumstehenden Zugpersonal war nicht möglich, weil diese nur unhöflich raunzten: Wären Sie gestern gefahren.

Auch der Informationsschalter war schon um 4.20 Uhr wegen des Streiks nicht mehr besetzt. Verärgert haben wir die Heimreise angetreten. Offenbar müssen Bahnfahrer zur Sicherheit immer als Alternativen ein Auto oder ein Flugzeug bereithalten. Dieser Tag hat nur unnötige Kosten verursacht."

Doch selbst wer es in einen der wenigen Züge geschafft hatte, konnte sich nicht recht freuen.

Andere wiederum, wie Leser Mike G., warteten erst frierend, aber geduldig, dann ungeduldig und schließlich wütend auf versprochene Züge, die niemals eintrafen:

"Ich pendle tagtäglich von Wuppertal nach Düsseldorf mit der Regionalbahn und habe heute von 7 bis 9.30 Uhr am Gleis gestanden. Das war selbstverständlich nicht gerade warm. Was ich nicht verstehe: Es wurde durchgesagt, dass es zu Ausfällen komme, aber vereinzelt Züge fahren würden - doch dem war nicht so. Was die Bahn mit den Reisenden gemacht hat, war unterste Schublade! Um 7.49 Uhr wurde noch verkündet, dass der RE 4 in Richtung Aachen heute in Düsseldorf endet, doch der Zug kam bis jetzt noch nicht. Es wurde sogar auf den Anzeigetafeln aufgelistet, welcher Zug kommen sollte und welcher nicht - dabei fuhr gar keiner. Heute hat man gesehen, dass die Bahn zu nichts in der Lage ist, wenn es Knall auf Knall kommt. Auch nicht dazu, die Reisenden zu informieren. Traurig aber wahr: Die Bahn kommt nicht zum Bahnhof!"

Da bleibt genug Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie es eigentlich zu diesem Streik kam:

Nicht überall sind die Bahnfahrer, die doch noch ans Ziel kommen wollen, willkommen:

Und dann gibt es zu guter Letzt noch diejenigen, die als treue Kunden das Bahnfahren als Trainingscamp für Optimismus in beinahe jeder Lebenslage anerkennen:

Mit der richtigen Einstellung kann der Streik sogar für schöne Überraschungen gut sein:

Das kann Leser Thomas F. nur bestätigen:

"Mein ICE von München nach Ingolstadt um 10.21 Uhr fiel (leider) aus, aber ich habe davor noch den ICE um 9.54 Uhr erwischt - und war damit am 'Chaos-Streiktag' eher in Ingolstadt als geplant. So kann's auch gehen."

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