bedeckt München 23°
vgwortpixel

Ausgehen in Rio de Janeiro:Tanzen heißt hoffen

Samba music and dancing in Rio Scenarium, Lapa.

Unten Samba, oben Antiquitäten: Der beliebte Club Rio Scenarium in Lapa hat der ganzen Gegend einen Aufschwung beschert.

(Foto: Getty Images)

Vom klassischen Tanzsalon über den Live-Samba im Hinterhof bis hin zu den Elektroclubs an der Copa Cabana: Das Nachtleben hat Rios Viertel verändert.

Im Beco do Rato braucht ein gelungener Abend nicht viel: eiskaltes Bier und guten Samba. Das Bier kommt aus 600-Milliliter-Flaschen, die in Plastikeimern mit Eis gebracht werden, und der Samba kommt von der Gruppe Arruda. Es ist Freitagabend in einem Hinterhof, der mit gestapelten Bierkisten von der Rua Joaquim Barbosa abgetrennt ist. An ein paar Holztischen sitzen ältere Ehepaare neben Gruppen junger Frauen und Männer. Der überwiegende Teil des Publikums aber ist auf den Beinen und tanzt.

Beco do Rato heißt übersetzt so viel wie Rattengasse, ein humorvoller Verweis auf die düstere, heruntergekommene Nachbarschaft im Stadtviertel Lapa. An den Hauswänden bröckelt der Putz, einen Block weiter warten Prostituierte auf Kundschaft. Die Horden ausgehfreudiger Cariocas und Touristen lassen die Gegend meist links liegen und bevölkern stattdessen die Straßen auf der anderen Seite der Arcos, der Bögen des Aquädukts. Am schönsten herausgeputzt ist die Lapa am Ende der Rua do Lavradio, wo die blauweiß gekachelten Fassaden sorgsam renovierter Kolonialhäuser eine Fußgängerzone säumen.

Porzellanpuppen und Apothekenregale

Das ist auch der Verdienst von Plínio Froes, der in den 1990er-Jahren dort einen Antiquitätenladen erwarb und mit einem monatlichen Straßenmarkt ein neues Publikum in die Gegend lockte. Aus dem Laden wurde das Rio Scenarium, der heute wohl bekannteste Club im Viertel, der der ganzen Umgebung ihren Aufschwung bescherte. In dem dreistöckigen ehemaligen Warenhaus gibt es an Wochenenden Livemusik im Erdgeschoss und DJs in der obersten Etage.

Brasilien So sicher ist Brasilien zur WM
Sicherheitstipps für Touristen

So sicher ist Brasilien zur WM

Tödliche Krawalle in den Favelas, Streiks und Überfälle zeichnen vor der Fußball-WM ein gefährliches Bild von Brasilien. Wenn Touristen ein paar Empfehlungen beachten, haben sie dennoch nichts zu befürchten.   Von Peter Burghardt

Aufmerksamkeit erregt aber vor allem die Einrichtung: Die Gäste sitzen auf antiken Möbeln, die Wände zieren Gemälde, Reklametafeln, alte Fahrräder und Musikinstrumente. Zwischen den Tresen der zahlreichen Bars stehen Vitrinen mit Porzellanpuppen oder komplette Apothekenregale aus dem 19. Jahrhundert. 2006 hat der Guardian das Lokal in die Liste der zehn besten Bars der Welt aufgenommen. Die kilometerlange Schlange, die sich gegen Mitternacht vor der Tür bildet, ist für viele ambulante Händler, die den Wartenden Bier und Zigaretten anbieten, längst zur festen Einnahmequelle geworden.

Ins Beco do Rato hingegen kommt ein kleineres, einheimisches Publikum, das die informelle Atmosphäre und den moderaten Eintrittspreis (circa fünf Euro) zu schätzen weiß - und den Samba liebt. Es ist der alte, ursprüngliche Samba do Raíz von Komponisten wie Pixinguinha und Cartola, der hier gepflegt wird. Sieben Musiker sitzen um einen langen Holztisch, fünf davon Perkussionisten. Die Sängerin Maria Meliza ist eine junge Frau mit einer alten Stimme, alt genug für die Lieder, die sie mit der nötigen lebensweisen Melancholie singt. Der Betreiber des Clubs, Márcio Pacheco, ist ein schlaksiger Herr, der eigentlich Klimaanlagen verkauft. Aber in seinen Venen, sagt er, fließe eben der Samba. Das Beco do Rato sei eine Herzenssache: "Kulturpflege für das Volk."