Der beste Ort zum ... Sonne tanken

Auf der Terrasse der Pleisenhütte

Sieben Stunden. So lange scheint die Sonne auf der Terrasse der Pleisenhütte am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres. Das wirkt auf den ersten Blick wenig außergewöhnlich, wenn man bedenkt, dass beispielsweise in München die Sonne an diesem Tag um 8.01 Uhr aufgeht und sich bereits wieder um 16.22 Uhr verabschiedet. Nur hält sich die Sonne an so mancher Münchner Terrasse wie auch in vielen Alpentälern nur selten an die offiziellen Zeiten, weil eben einige Berge oder Häuser zwischen Tal oder Terrasse und der Sonne stehen.

Vor der Terrasse der Pleisenhütte im Karwendel stehen aber keine Häuser, und die Berge außen herum muss entweder ein sehr einflussreicher Touristiker pleisenhüttenfreundlich platziert haben oder es stimmt, was der Hüttenwirt Siegfried Gaugg sagt: "Den Platz hat mein Vater schon gut ausgewählt." Siegfrieds 2007 verstorbener Vater Toni Gaugg war Bergführer, Höhlenforscher und Karwendeloriginal, ein Titel, den man sich nur mithilfe der richtigen Herkunft, einer gehörigen Portion Schrulligkeit und besonderem Einfallsreichtum verdienen kann. Toni Gaugg aus dem Karwendelgrenzdorf Scharnitz verbrachte fünf Jahre und vier Monate in russischer Kriegsgefangenschaft, während der er nicht nur den Blockhüttenbau erlernte, sondern auch einen Vorsatz fasste: Sollte er sein geliebtes Karwendel einmal wiedersehen, so würde er am Hang der Pleisenspitze eine Hütte bauen. Anton Gaugg kehrte 1949 zurück. 1953 stand die Hütte.

Heute führt Tonis Sohn Siegfried das zum Haus angewachsene Gebäude weiter, an dem Titel des Karwendeloriginals hat er wenig Interesse. Er konzentriert sich lieber auf Spinatknödel, Hirschgulasch und darauf, dass die Hütte auch während des Jahreswechsels (26. Dezember bis 6. Januar) sowie an den Winterwochenenden eine beliebte Anlaufstelle in den Bergen bleibt. Sein Vater wurde auf eigenen Wunsch unweit der Hütte begraben, neben einer kleinen Kapelle. Es ist ein schattiges Plätzchen.

Dominik Prantl

Im Bild: Das Karwendelgebirge beeindruckt auch von unten, hier von Silz aus.

Bild: Reuter 24. Dezember 2014, 15:192014-12-24 15:19:52 © SZ vom 18.12.2014/ihe