Ägypten Das neue Haus des Pharaos soll Ägyptens Stolz werden

Ramses II. wurde bereits im Januar - gut geschützt - zum neuen Museum gebracht.

(Foto: Mohamed el-Shahed/AFP)
  • Das neue Große Ägyptische Museum in Kairo soll dem Kulturtourismus im Land zum Aufschwung verhelfen.
  • Das größte archäologische Museum der Welt, das einer einzigen Kultur gewidmet ist, soll einmal 10 000 Besucher am Tag anlocken.
  • Die vollständige Eröffnung ist für 2022 geplant.
Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Majestätisch überragen die drei Pyramiden von Gizeh seit Jahrtausenden das Kalksteinplateau, dort, wo das Niltal im Westen an die Wüste grenzt. Zwei Kilometer entfernt öffnet Ende des Jahres ein keilförmiges Gebäude für Besucher, das manchmal halb ehrfürchtig, halb spöttisch als die vierte Pyramide bezeichnet wird - das Große Ägyptische Museum. Den Grundstein legte 2002 Hosni Mubarak, der gestürzte Diktator, den sie in Ägypten den Pharao nannten. Es hätte, wenn schon nicht sein Grabmal, dann zumindest doch sein Denkmal werden sollen. Doch es kam die Revolution, und alles wurde anders.

Fast alles. Das Museum wurde weitergebaut. Unter dem Muslimbruder Mohammed Mursi und unter Abdel Fattah al-Sisi, der Mursi stürzte und ihn im Präsidentenamt beerbte. Und während Ägypten über so manches fragwürdige Prestigeprojekt diskutierte - das Museum für eine Milliarde Dollar wurde nie ernsthaft infrage gestellt. Es soll der Stolz Ägyptens werden - übertreffen könnte das nur ein Sieg der Nationalmannschaft mit ihrem Helden Mohammed "Mo" Salah bei der Fußball-WM.

Mehr Ausstellungsfläche als der Louvre

Und natürlich soll das Museum Touristen anlocken, denn der einst für Ägypten wichtige Kulturtourismus in Kairo und im Niltal erlebt derzeit nicht den gleichen Aufschwung wie die Badeorte am Roten Meer. Eine halbe Stunde entfernt soll noch in diesem Sommer der neue Sphinx-Flughafen von Gizeh eröffnen. Chartermaschinen könnten dort einen Zwischenstopp für die Besichtigung einlegen und die Touristen schon aus der Luft den gewaltigen Neubau unweit der Pyramiden bestaunen.

Mit einer Hauptfassade von 800 Metern Länge und mehr Ausstellungsfläche als der Louvre wird das Große Ägyptische Museum laut Tarek Tawfik "das größte archäologische Museum der Welt sein, das einer einzigen Kultur gewidmet ist": dem alten Ägypten. Der Generaldirektor des Museums, 47 Jahre alt, empfängt in seinem Büro. Es ist schon fertiggestellt, ebenso wie die angrenzenden Werkstätten, in denen die Konservatoren arbeiten. Er trägt ein graues Sakko, passend zum Teppich und den Sichtbetonwänden des Seitentrakts, balanciert auf der Nase eine Brille, durch die verschmitzte Augen blicken. Er hat in Bonn promoviert, berichtet in perfektem Deutsch von den Fortschritten. Nach jahrelangen Verzögerungen, auch wegen der politischen Wirren in Ägypten, scheint sein Zeitplan der erste zu sein, der tatsächlich eingehalten werden könnte.

"Der Besucher wird das Museum über eine Piazza mit einem altägyptischen Obelisken betreten", sagt er, "die erste solche Piazza in Ägypten." Die meisten Obelisken wurden dem Land am Nil ja genommen; sie stehen heute auf der Place de la Concorde in Paris, auf dem Petersplatz (und sieben weiteren) in Rom oder am Themse-Ufer in London. Im Atrium dann begrüßt der legendäre Pharao Ramses II. die Besucher, eine 3200 Jahre alte Monumentalstatue aus rotem Granit, 14 Meter hoch und mehr als 80 Tonnen schwer. Sie wurde am 25. Januar in einem Spezialkäfig aus Stahl auf einem Tieflader hierher gebracht, seinerseits begrüßt von einer Militärkapelle und stolzen Politikern. Es ist der Jahrestag der Revolution von 2011, doch mit der will das offizielle Ägypten am liebsten gar nicht mehr behelligt werden.

Die Besucher sollen sich frei zwischen Pyramiden und Museum bewegen

Weiter werden die Besucher den monumentalen Treppenbau hinaufschreiten. "Darauf platziert sind 87 große Statuen und Monumente", erklärt Tawfik, alles königliche Statuen und Teile aus Tempeln und Gräbern. Die Treppe führt zu einer Glasfassade, 25 Meter hoch, von der aus der Besucher auf die Pyramiden blicken kann. Er befinde sich dann "auf dem gleichen Niveau wie die Basis der Pyramiden, sie werden in das architektonische Szenario miteinbezogen", sagt Tawfik. Das Architekturbüro Heneghan Peng, das 2003 den Wettbewerb gewonnen hatte, öffnete den Baukörper zum Gizeh-Plateau hin und richtete die östliche Fassade so aus, dass sie eine Linie bildet mit der Spitze der Khufu-Pyramide (Cheops). Die westliche Fassade steht in einer Linie mit der Menkaure-Pyramide (Mykerinos).

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Noch liegt zwischen den Pyramiden und dem Museum der Schießklub der Armee, doch er muss den Plänen nach bis zur endgültigen Fertigstellung des Neubaus im Jahr 2022 einer neuen Promenade weichen. Sie soll es den Besuchern ermöglichen, sich frei zu bewegen zwischen den Pyramidenplateaus und dem Museum - sei es zu Fuß in den Abendstunden oder in der Hitze des Tages mit Golfkarts oder ähnlichen Transportmitteln. Das Gesamtareal soll sich dann zum "neuen kulturellen Herzen des Gouvernorats Gizeh entwickeln", sagt Tawfik. Palmen, Feigenbäume, ein paar Bänke im Schatten. Man kann sich das vorstellen. Und auch, dass es Kultur hier geben wird - solange sie sich an der Geschichte des Landes orientiert und nicht allzu offen die Widersprüche der Gegenwart thematisiert oder gar politisch wird.

7000 Quadratmeter allein für Tutenchamun

Bis das Museum 2022 komplett geöffnet sein wird, muss sich der Besucher mit der Vorstellung begnügen - er wird dafür aber mit einem anderen Höhepunkt entschädigt: dem Grabschatz des berühmten Kinderpharaos Tutenchamun, dem einzigartigen, wertvollsten Fund aus dem Tal der Könige. Erstmals kann er komplett gezeigt werden. "Seit Entdeckung des Grabes im Jahr 1922 wurden nur etwa 1800 Artefakte gezeigt, jetzt werden es 5000 sein", sagt Tawfik.

Möglich machen das großzügige Platzverhältnisse: 7000 Quadratmeter sind alleine Tutenchamun gewidmet; das Ägyptische Museum am Tahrir-Platz hat insgesamt 10 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Japan hat 17 Labors und Werkstätten finanziert, denen deutsche Archäologen anerkennend Weltniveau attestieren. Hier arbeiten Restauratoren die Schätze auf, die bislang in Magazinen verborgen waren; insgesamt 375 Mitarbeiter werden schon heute dort beschäftigt.