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Wikileaks und der Waffenhandel:Bulgarische Gewehre in Bagdad

Die Depeschen über den internationalen Waffenhandel offenbaren, wie besorgt die USA über Lieferungen in den Nahen Osten sind - und wie wenig die Weltmacht bisweilen dagegen tun kann. Ein Überblick über die wichtigsten Exporteure im Waffengeschäft.

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Enduring Freedom

Quelle: dpa

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Die Wikileaks-Veröffentlichungen zum internationalen Waffenhandel zeigen vor allem eines: Wie sich die USA, selbst einer der größten Waffenlieferanten der Welt, darum bemühen, den internationalen Handel mit Kriegsgerät zu kontrollieren - vor allem in der labilen Region im Nahen Osten. Die Kabelberichte zeugen von den vielfältigen Verstrickungen der Rüstungsindustrie - und davon, wie machtlos die Diplomatie dabei bisweilen ist.

Das Bild zeigt US-Präsident Barack Obama bei einem Truppenbesuch Anfang Dezember auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan.

RUSSIA-ARMENIA-MANOEUVRES

Quelle: AFP

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Wikileaks und der Waffenhandel:Armenien

So zeigen die Kabelberichte zum Beispiel, wie es dazu kam, dass US-Soldaten im Irak mit bulgarischen Gewehren getötet wurden: Die damalige US-Außenministerin Condoleezza Rice soll 2008 laut einem Bericht von Spiegel Online ihren Botschafter in Armenien aufgefordert haben, einer fünf Jahre alten Waffenlieferung aus Bulgarien nachzugehen. 1000 Panzerfäuste und 260 schwere Maschinengewehre soll das heutige EU-Mitglied Bulgarien 2003 an Armenien geliefert haben, nachdem die armenische Regierung versprochen hatte, die Waffen im Land zu belassen. Tatsächlich können die US-Geheimdienste den Berichten zufolge belegen, dass die Waffen direkt nach Iran und von dort in den Irak gingen. Die US-Diplomaten sollen Staatspräsident Sersch Sargsjan daraufhin mit Beweisen für den Deal unter Druck gesetzt haben, bis er strengeren Exportkontrollen zustimmte.

Das Archivbild zeigt einen armenischen Soldaten bei einem gemeinsamen Manöver mit russischen Streitkräften 2004.

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Quelle: AFP

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Eine zentrale Rolle im Waffenhandel mit den Krisenregionen der Welt spielt den Botschafterdepeschen zufolge auch die Ukraine. Im August 2009 soll das osteuropäische Land zum Beispiel Panzer, Maschinengewehre und anderes Kriegsgerät nach Birma exportiert haben. Auch der Irak soll Waffen aus der Ukraine bezogen haben: Gepanzerte Fahrzeuge und Fluggerät im Wert von 500 Milllionen Dollar seien in den Irak geliefert worden. Kiew dementiert den Berichten zufolge solche Lieferungen.

Das Bild zeigt den heutigen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch im Gespräch mit US-Außenministerin Hillary Clinton.

Mahmoud Ahmadinejad Bashar Assad

Quelle: AP

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Aus den Diplomatendepeschen geht auch hervor, wie besorgt die Vereinigten Staaten über syrische Waffenlieferungen an die Hisbollah sind. "Syriens entschlossene Unterstützung für die militärische Aufrüstung der Hisbollah (...) könnte das militärische Gleichgewicht verändern und ein Szenario schaffen, das weitaus zerstörerischer ist als der Krieg im Juli und August 2006", zitiert die New York Times aus einem Bericht vom November 2009. Die US-Zeitung skizziert auf Grundlage der Kabelberichte die langwierigen, aber erfolglosen Versuche von US-Botschaftern und Außenministerin Hillary Clinton persönlich, auf die syrische Führung einzuwirken. Demzufolge habe aller Bemühungen zum Trotz Syrien Scud-D-Kurzstreckenraketen an die Hisbollah geliefert.

Das Bild zeigt den syrischen Präsidenten Baschar el-Assad (rechts), wie er von seinem Amtskollegen Mahmud Ahmadinedschad die höchste Auszeichnung Irans erhält. Grund für die Auszeichung: die syrische Unterstützung für die Hisbollah.

Jemenitische Soldaten

Quelle: dpa

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Wikileaks und der Waffenhandel:Jemen

Die Depeschen berichten von einem Vorfall, der auch zeigt, wie verworren die Interessen des Westens im internationalen Waffenhandel sind. Im vergangenen Jahr erhielten die US-Diplomaten in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa einen Hinweis ihrer bulgarischen Kollegen, wie Spiegel Online berichtet: Die jemenitische Führung habe bei einer Firma auf Zypern Scharfschützengewehre bestellt. Hinter der Lieferung stecke jedoch in Wahrheit ein international gesuchter serbischer Waffenhändler. Den wollten die USA gerne dingfest machen und setzten umgehend alles daran, den Deal zu unterbinden - allerdings wohl erfolglos: Nach erneuten Berichten der bulgarischen Botschafter-Kollegen soll das Verteidigungsministerium Jemens die Kaufsumme kurz darauf auf ein zypriotisches Konto überwiesen haben - 97 Millionen Dollar. Die Bulgaren versorgten die USA nicht aus rein altruistischen Motiven mit Informationen: Den Berichten zufolge hegte Bulgarien selbst größtes Interesse an Waffenverkäufen in den Jemen.

Das Bild vom Februar 2010 zeigt jemenitische Truppen nach der Verkündung eines Waffenstillstands zwischen den Streitkräften der Regierung und schiitischen Rebellen.

Nordkoreas Machthaber nimmt Parade ab

Quelle: dpa

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Wikileaks und der Waffenhandel:Nordkorea

Nordkoreas Regime hat nach Erkenntnissen der Amerikaner das Wettrüsten im Nahen Osten besonders beschleunigt. So soll nordkoreanische Raketentechnologie nach Iran und Syrien geliefert worden sein. Von dort aus sollen damit die radikalislamischen Organisationen Hamas und Hisbollah unterstützt worden sein. Wie die New York Times berichtet, seien viele Waffengeschäfte über eine nordkoreanische Bergbau- und Entwicklungsgesellschaft abgewickelt worden, während die finanziellen Transaktionen über chinesische Banken liefen. 

Jahresrückblick 2010 - Atommacht Iran

Quelle: dpa

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Wikileaks und der Waffenhandel:Iran

Ebenso wie Syrien soll Iran wichtiger Waffenlieferant für Hisbollah und Hamas sein. Wiederholt haben US-Diplomaten den Verdacht geäußert, dass sudanesische Frachtflugzeuge, die von Teheran nach Khartum flogen, Waffenlieferungen für die Hamas transportierten. Warum iranische Waffenlieferungen für palästinensische Extremisten im Gaza-Streifen diesen Umweg nehmen sollten, ließ der Bericht jedoch offen. Der Sudan beharrte darauf, dass es sich bei den Gütern um landwirtschaftliches Gerät handelte.

Das Bild zeigt den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei einer Parade zum Tag der Armee.

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Quelle: Bauersachs Peter

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Wikileaks und der Waffenhandel:Erding, Deutschland

Doch auch kleinere Waffenlieferungen bleiben dem Diplomatennetz der USA nicht verborgen: Im September 2008 etwa wurden die deutschen Behörden Spiegel Online zufolge dazu angehalten, eine Lieferung von 40 Scharfschützengewehren der Erdinger Firma Unique Alpine an nicht näher beschriebene Abnehmer in Frankreich zu verhindern, da sie nach US-Erkenntnissen von dort nach Iran weiterverkauft werden sollten. Nachdem es aus Berlin zunächst hieß, die Waffen könnten auch von Sportschützen genutzt werden, sicherte die Bundesregierung schließlich zu, den Export zu verhindern.

© sueddeutsche.de/leja/woja
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