Wikileaks: Pakistan:USA: Pakistan bietet Taliban Rückzugsgebiete

Lesezeit: 3 min

Die US-Regierung ist sich sicher: Pakistan bekämpft einen Teil der Islamisten, aber den afghanischen Taliban gewährt das Militär nach wie vor ein sicheres Rückzugsgebiet auf pakistanischem Territorium. Schließlich sollen sie als steuerbare Truppe gegen den Erzfeind Indien bereitstehen. Vor allem die Nachkriegsordnung in Afghanistan will das Militär mit Hilfe der Taliban beeinflussen, kabeln die Diplomaten immer wieder nach Washington.

Wikileaks: Pakistan: Armeechef Ashfaq Parvez Kayani (rechts) gilt in Washingtons als der mächtigste Mann in Pakistan. Präsident Asif Ali Zardari (links) befürchtet, dass das Militär ihn ausschalten will. Das geht aus den Wikileaks-Dokumenten hervor.

Armeechef Ashfaq Parvez Kayani (rechts) gilt in Washingtons als der mächtigste Mann in Pakistan. Präsident Asif Ali Zardari (links) befürchtet, dass das Militär ihn ausschalten will. Das geht aus den Wikileaks-Dokumenten hervor.

(Foto: AFP)

Ex-US-Botschafterin Patterson kam laut der jetzt veröffentlichten Dokumente zu dem Schluss: Die Zivilregierung von Präsident Asif Ali Zardari sehe die Aufständischen als größte Bedrohung Pakistans. Militär und Geheimdienst hätten diese Sicht aber noch nicht übernommen: "Sie glauben noch immer, dass Indien die Hauptbedrohung darstellt", heißt es in einem Bericht.

An anderen Stellen der Dokumente wird deutlich, dass Armeechef Kayani aus Sicht Washingtons der mächtigste Mann in Pakistan ist. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber belegt eindrucksvoll, warum sämtliche Besucher aus dem politischen Washington vor allem einen Termin beim General wollen. Er befürchte, das Militär wolle ihn ausschalten, sagt Pakistans ziviler Präsident Zardari laut der vertraulichen Dokumente bei einer Gelegenheit zu seinem US-Gesprächspartner.

Ein heikles Thema für Pakistaner und Amerikaner war und ist ein angeblicher Einsatz von US-Truppen in den Stammesgebieten. Immer wieder Mal hatte es in Islamabad unter Journalisten und Militär-Analysten Gerüchte, aber keinerlei gesicherte Erkenntnisse gegeben über "amerikanische Stiefel auf pakistanischen Territorium".

Zwar waren es laut der Depeschen nur zwölf amerikanische Soldaten, die mit Erlaubnis der pakistanischen Armee an der Grenze zu Afghanistan tätig sein durften. In den Berichten heißt es, die Amerikaner waren nicht in Kampfeinsätze verstrickt. Dennoch bewertete die US-Botschaft in Islamabad diese Zusammenarbeit als "grundlegende Veränderung im Denken" des Verbündeten.

Die Anführer in Islamabad, sowohl in der Armee als auch in der zivilen Regierung, sehen sich mit einer Bevölkerung konfrontiert, die wenig mehr in Wut versetzt als der Einfluss der amerikanischen Regierung in ihrem Land. Daher sind solche Veröffentlichungen für sie besonders peinlich.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema