Verteidigungsministerium Von der Leyen bringt die Bundeswehr zum Schweigen

Ministerin Ursula von der Leyen, hier im Bundestag.

(Foto: Jens Büttner/dpa)
  • Einfache Soldaten und Beamte der Bundeswehr sollen nach dem Wunsch von Verteidigungsministerin von der Leyen keinen eigenständigen Kontakt zu Parlamentariern haben. Das geht aus einer vertraulichen Mail hervor.
  • Die Geschäftsordnung des Wehrressorts sieht vor, dass Kontakte von Angehörigen des Ministeriums ins Parlament vorab angemeldet und erlaubt werden müssen.
  • Mit der Mail wird versucht, dieses Redeverbot auf die Mitarbeiter nachgeordneter Behörden und Ämter auszuweiten.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat nach einem Zeitungsbericht den Soldaten und Beamten der Bundeswehr eigenständige Kontakte zu den Abgeordneten des Bundestags untersagt. Das gehe aus einem vertraulichen Schreiben des Parlamentsreferates im Verteidigungsressort an die Mitarbeiter des Ministeriums hervor, schreibt die Welt am Sonntag (WamS).

Die Oppositionsparteien zeigten sich empört und sprachen von einem "Maulkorb". Sie werten das Schreiben dem Bericht zufolge als Reaktion von der Leyens auf die Kritik des Bundesrechnungshofs am Einsatz von Unternehmensberatern im Ministerium.

Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, es handele sich um eine nicht mit der Hausleitung abgestimmte interne Mail einer Mitarbeiterin. Die Interpretation, diese stehe im Zusammenhang mit der Aufklärung strittiger Beratungsleistungen, "ist falsch und wird durch das Ministerium mit Nachdruck zurückgewiesen". Das Ministerium stehe zu seiner Zusage gegenüber den Bundestagsausschüssen, bei der Aufklärung eng mit den Abgeordneten zusammenzuarbeiten.

Auch nachgeordnete Behörden im Fokus

Laut WamS werden in einer am vergangenen Mittwoch verschickten E-Mail die Angehörigen des Ministeriums aufgefordert, "Gesprächsbitten aus dem parlamentarischen Raum" zunächst an das Parlamentsreferat zu übermitteln. Diese Pflicht ergebe sich aus der Geschäftsordnung des Ministeriums. Für die Teilnahme eines Angehörigen des Ministeriums an einem Gespräch dienstlichen Inhalts mit Abgeordneten sei "grundsätzlich die Zustimmung des zuständigen Staatssekretärs herbeizuführen". Das gelte nicht nur für das Ministerium selbst, sondern auch für die "nachgeordneten Dienststellen/Ämter".

Die Geschäftsordnung des Wehrressorts sieht dem Bericht zufolge vor, dass Kontakte ins Parlament angemeldet und erlaubt werden müssen. Mit der Mail werde versucht, dieses Regel auf nachgeordnete Behörden und Ämter auszuweiten, für die die Geschäftsordnung nicht unmittelbar gelte. Kein Soldat oder Beamter dürfte demnach mehr ohne Erlaubnis mit einem Abgeordneten sprechen.

"Das Ministerium verfährt nach dem Motto: Schotten dicht"

"Das sind wohl Brandschutzmauern, die da hochgezogen werden sollen", sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Wolfgang Hellmich (SPD), der Zeitung. "Das können wir uns nicht gefallen lassen. Wir werden auf unser Recht und unsere Verpflichtung pochen, mit unseren Soldaten zu reden." Der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner sagte: "Die Ministerin, die sich immer für Transparenz gelobt hat, verpasst nun den Soldaten und Mitarbeitern einen Maulkorb."

Auch der FDP-Haushaltspolitiker Karsten Klein wertete das "Kappen der Kommunikationskanäle" als Zeichen, "dass die Spitze des Hauses alarmiert ist". In der gesamten Berater-Affäre gebe es "nur noch offizielle Antworten auf dem Postweg. Das Ministerium verfährt nach dem Motto: Schotten dicht."

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