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Naher Osten:Die Vereinigten Arabischen Emirate - eine heimliche Großmacht

*** BESTPIX *** General Views of Dubai

Mit einer herausragenden Skyline kann Dubai bei Touristen punkten. Eher verborgen bleibt dem Großteil der Weltöffentlichkeit, dass das Land mit seinen Soldaten in fast allen Krisenherden der Region involviert ist.

(Foto: Tom Dulat/Getty Images)
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate sind bekannt für märchenhaften Reichtum - dabei wird beinahe übersehen, dass sie die heimliche Großmacht in der Region geworden sind.
  • Fast sieben Prozent der Wirtschaftsleistung gehen ans Militär, der Lobby-Einfluss in den USA ist gewaltig.
  • Mit Ägypten arbeiten sie bereits im Konflikt mit Jemen zusammen. Als Nächstes will die Koalition Iran und Katar aus dem Gazastreifen verdrängen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate warten mit Superlativen auf: In Dubai steht der Burj Khalifa, mit 829,8 Metern das höchste Gebäude der Welt. Man kann für umgerechnet 55 Euro einen Burger aus japanischem Wagyu-Beef verspeisen, der mit 24 Karat Blattgold garniert ist. Während sich Dubai ein Ministerium für Glück leistet, ist das größere Abu Dhabi weniger exaltiert, nennt dafür aber mit geschätzt 875 Milliarden Dollar Einlagen einen der reichsten Staatsfonds sein Eigen und hat sich eine Dependance des Guggenheim Museums in New York gekauft und eine des Louvre in Paris. Dessen Ausstellungshalle mit einer 7000 Tonnen schweren Kuppel wird an diesem Wochenende eröffnet.

An den Gestaden des Golfs locken glitzernde Skylines die Touristen; Wolkenkratzer von Star-Architekten, palmenförmige Inseln, Sandstrände. Die Föderation aus sieben Emiraten hat es geschafft, sich international das Image eines obszön reichen, aber stabilen Staates zuzulegen, was schon viel ist in dieser Region. Weniger wahrgenommen wird, dass die Emirate zur heimlichen Großmacht am Golf und im Nahen Osten aufgestiegen sind.

Die Region will aus der gegenwärtigen Instabilität herauskommen

Ausgestattet mit der wohl schlagkräftigsten Armee der Region und einer Söldner-Truppe, ist das Land in fast allen Krisenherden involviert: im Bürgerkrieg in Jemen, in Libyen, bei den Luftangriffen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien. Es ist Wortführer in der Katar-Krise, mischt bei den Palästinensern mit. Und es hat erheblichen Einfluss in Ägypten, mehr womöglich als das größere Saudi-Arabien, das als die sunnitische Führungsmacht gilt.

Dorthin reiste am Donnerstag auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu Gesprächen wegen der sich zuspitzenden Krisen um Libanon und Jemen.

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Unter den sieben Emiraten jedoch gibt Abu Dhabi außenpolitisch den Ton an. Anwar Gargash, Staatsminister für Auswärtige Angelegenheiten, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Für unsere Region sind die Prioritäten, aus der gegenwärtigen Instabilität herauszukommen, das Chaos und das Leiden der Menschen in Syrien und vielen anderen Ländern zu beenden und die arabische Welt vor der Einmischung Irans, der Türkei und anderer Länder zu bewahren." Es gelte, religiösem und politischem Extremismus entgegenzutreten - was Abu Dhabi gleichermaßen auf den schiitischen Islamismus der Iraner bezieht wie auf den sunnitischen der Muslimbruderschaft und ihrer Unterstützer in der Türkei und in Katar. Und natürlich auf die Dschihadisten des IS und das Terror-Netzwerk al-Qaida.

Die Emirate haben 2016 nach US-Angaben 23,5 Milliarden Dollar für Verteidigung ausgegeben, 2025 sollen es mehr als 40 Milliarden sein - in einem Land mit 9,5 Millionen Einwohnern, aber nur etwa 1,5 Millionen eigenen Bürgern. Die Emirate gehören seit Jahren zu den weltgrößten Waffen-Importeuren. Sie wenden 6,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung fürs Militär auf, die USA 3,2 Prozent.

Doch die Strategie setzt nicht allein auf Militärmacht: Kein Land gibt mehr Geld aus, um sich mit Lobby-Firmen Regierung und Kongress in den USA gewogen zu machen oder die Mächtigen in Europa einzunehmen. Der Botschafter der Emirate in Washington, Yousef al-Otaiba, verfügt über beste Kontakte. Das war schon unter Präsident Barack Obama so, unter Donald Trump noch mehr: Dessen Schwiegersohn Jared Kushner zählt zu den Vertrauten des Botschafters. James Mattis beriet das emiratische Militär, bevor er US-Verteidigungsminister wurde.