Irak:Iran greift Erbil mit Raketen an

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Irak: Zerstörtes Auto in Erbil nach dem Raketenangriff.

Zerstörtes Auto in Erbil nach dem Raketenangriff.

(Foto: Reuters)

Die Hauptstadt der autonomen Kurdenregion im Nordirak, Erbil, ist am frühen Sonntagmorgen mit zwölf Raketen beschossen worden. Die Angriffe sollen dem US-Konsulat oder israelischen Einrichtungen gegolten haben.

Von Thorsten Denkler, New York

Das kurdische Innenministerium erklärte, die Raketen seien auf das US-Konsulat gezielt worden und hätten in einem Wohngebiet eingeschlagen. Der kurdische TV-Sender Rudaw berichtete, einige Raketen seien in der Nähe des neuen Konsulats zu Boden gegangen, das sich derzeit noch im Bau befinde. Mehrere Gebäude seien beschädigt worden. Nach Angaben des Innenministeriums wurde ein Mensch leicht verletzt.

Der Gouverneur von Erbil, Omed Khoshnaw, erklärte, dass mehrere Raketen in das Gebiet eingeschlagen seien. Laut der irakischen Nachrichtenagentur INA waren bei dem Angriff mehrere Explosionen zu hören. Kurdische Sicherheitskräfte erklärten, die Raketen seien von außerhalb des Iraks abgeschossen worden, und zwar aus Richtung Osten. Dort liegt der Iran. Mit dem Iran verbündete irakische Milizen hatten in der Vergangenheit mehrfach Raketen auf Ziele abgefeuert, die von den USA genutzt worden. Auch Erbil wurde bereits früher angegriffen. Die Raketen wurden aber immer von irakischem Boden abgefeuert.

Die USA haben den Angriff laut der Nachrichtenagentur AP in einer Erklärung als "unerhörten Angriff auf die irakische Souveränität und einer Demonstration von Gewalt" verurteilt.

Videos zeigen mehrere große Explosionen

Videos in den sozialen Medien zeigen mehrere große Explosionen in der Gegend. Die Videos lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Die pro-iranische Sabaraeen News hat auf ihrem Telegram-Kanal Videos von den angeblichen Explosionen gepostet. Nach Angaben des lokalen Fernsehsenders "Kurdistan 24" sei auch das Studio des Senders von der Wucht der Explosionen beschädigt worden. Auf seinem Facebook-Kanal berichtet der Sender in der Nacht live über den Angriff. Auf den gezeigten Bildern sind verwüstete Redaktionsräume des Senders zu sehen. Die Außenfassade des Senders soll stark beschädigt worden sein.

Der Angriff kommt zu einem Zeitpunkt, da es in den Verhandlungen um ein neues Atomabkommen mit Iran auch nach Ansicht iranischer Vertreter in den vergangenen Wochen substantielle Fortschritte gegeben habe. Sie sind allerdings derzeit ins Stocken geraten.

Der arabische Nachrichtensender "al Hadat" twittert ohne Verweis auf Quellen, der Raketen-Angriff sei "als Reaktion auf die Ermordung von Führern der Revolutionsgarden in Syrien" zu werten. Vor knapp einer Woche wurden nach iranischen Angaben Oberst Ehsan Karbalaei-Pour und Oberst Morteza Saeednejad bei Luftangriffen in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus getötet. Die Tötung wurde von iranischer Seite Israel zugeschrieben. Das iranische Außenministerium verurteilte den Angriff am Mittwoch scharf und kündigte Vergeltung an.

In Erbil befindet sich auch ein Kontingent der Bundeswehr. Nach Angaben des Verteidigungs-Blogs "Augen geradeaus" des Militärexperten Thomas Wiegold seien Standorte der Bundeswehr in Erbil laut Einsatzführungskommando der Bundeswehr nicht von dem Angriff betroffen. Erst kürzlich hat der Bundestag das Mandat für den Einsatz der Bundeswehr in Irak verlängert. Dort sind etwa 500 deutsche Soldaten für die Ausbildung von Streit- und Sicherheitskräften im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" im Einsatz.

Irakischer Premier verurteilt den Angriff

Der irakische Premierminister Mustafa al-Kadhaimi twitterte als Reaktion auf den Raketenangriff auf Erbil: "Die Aggression, die auf die liebe Stadt Erbil abzielte und Angst unter ihren Einwohnern verbreitete, ist ein Angriff auf die Sicherheit unseres Volkes." Er habe die Entwicklungen mit dem Premierminister der Region Kurdistan, Masrour Barzani, besprochen. "Unsere Sicherheitskräfte werden alle Bedrohungen für unser Volk untersuchen und standhaft dagegen stehen."

Masrour Barzani erkärt nach Angaben der Jerusalem Post: "Ich verurteile aufs Schärfste den Terroranschlag auf Teile von Erbil und fordere die mutigen und geduldigen Menschen in Erbil auf, Geduld zu haben und den Anweisungen der Sicherheitsbehörden Folge zu leisten."

Es wäre nicht das erste Mal, dass der Iran mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte reagiert. Im Januar 2020 hatte Iran aus Vergeltung für die Tötung seines Top-Generals Soleimani zwei auch von US-Soldaten genutzte Militärstützpunkte im Irak angegriffen. Das Pentagon bestätigte damals die Attacken auf die Stützpunkte Ain al-Assad westlich von Bagdad und auf Erbil.

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