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Reaktionen auf Urteil im Floyd-Prozess:"Gerechtigkeit für George bedeutet Freiheit für alle"

Reaction to the verdict in the trial of former Minneapolis police officer Derek Chauvin

"Schuldig": Überall in den USA - wie hier in einem Park in New York - reagieren Menschen auf das Urteil der Jury und erinnern an den Tod von George Floyd.

(Foto: CAITLIN OCHS/REUTERS)

Nach dem Schuldspruch gegen den Ex-Polizisten atmen Angehörige des Opfers auf. Auch Präsident Biden und Vizepräsidentin Harris wenden sich an die Öffentlichkeit - mit einer deutlichen Forderung.

Nach dem Schuldspruch gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd hat US-Präsident Joe Biden eindringlich zu einem weiteren Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt aufgerufen. Struktureller Rassismus sei "ein Schandfleck auf der Seele unserer Nation", sagte Biden am Dienstag im Weißen Haus.

Mit Blick auf Floyds Familie betonte der Präsident: "Nichts kann jemals ihren Bruder, ihren Vater zurückbringen. Aber dies kann ein riesiger Schritt vorwärts auf dem Marsch zur Gerechtigkeit in Amerika sein." Das reiche aber nicht aus. Nötig seien echter Wandel und echte Reformen, damit Vorfälle wie die Tötung Floyds nicht mehr geschähen. Man dürfe nach dem Schuldspruch nicht wegschauen und denken, "unsere Arbeit ist getan", betonte Biden. Der Präsident erinnerte an Floyds letzte Worte "I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen") und sagte: "Wir können diese Worte nicht mit ihm sterben lassen."

Auch US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat nach dem Urteil angemahnt, strukturellen Rassismus in den USA zu überwinden. Die institutionalisierte Diskriminierung sei nicht nur ein Problem des schwarzen Amerikas oder anderer Minderheiten, sagte sie. "Es ist ein Problem für jeden Amerikaner. Denn es hält uns davon ab, das Versprechen von Freiheit und Gerechtigkeit für alle zu erfüllen. Und es hält unsere Nation davon ab, unser volles Potenzial auszuschöpfen." Der Schuldspruch gegen den weißen Ex-Polizisten lasse aufatmen. Nach dem Urteil der Jury in Minneapolis müsse die Arbeit aber weitergehen. "Wir müssen immer noch das System reformieren", sagte Harris.

Die beiden Demokraten forderten den Kongress zur Verabschiedung eines nach George Floyd benannten Gesetzes für Polizeireformen auf, das allerdings an den Republikanern im Senat scheitern könnte.

Auch Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, forderte auf Twitter die Verabschiedung dieses Gesetzes. "Wir müssen sicherstellen, dass andere Familien nicht unter dem gleichen Rassismus, der gleichen Gewalt und dem gleichen Schmerz leiden", schrieb sie.

Der frühere US-Präsident Barack Obama erklärte auf Twitter im Namen seiner selbst und seiner Frau Michelle Obama: "Heute hat eine Jury das Richtige getan. Aber wahre Gerechtigkeit erfordert viel mehr. Michelle und ich senden unsere Gebete an die Familie Floyd, und wir stehen mit all denen zusammen, die sich dafür einsetzen, jedem Amerikaner das volle Maß an Gerechtigkeit zu garantieren, das George und so vielen anderen verweigert wurde."

Philonise Floyd, der Bruder des Getöteten, zeigte sich nach dem Schuldspruch erleichtert: "Gerechtigkeit für George bedeutet Freiheit für alle", sagte er. Er hoffe nach dem Schuldspruch, dass er nun wieder schlafen könne. Bezugnehmend auf die letzten Worte seines Bruders erklärte er bewegt: "Heute können wir wieder atmen." Philonise Floyd und weitere Angehörige dankten ihren Unterstützern und erinnerten an andere Opfer von Rassismus und Polizeigewalt.

Auch Dutzende Prominente aus Musikindustrie und Fernsehen meldeten sich zu Wort. US-Popstar Mariah Carey reagierte mit einem "Halleluja!" auf Twitter: "Ein Anfang ... ein kleines Körnchen Hoffnung für unsere Zukunft." Schauspielerin Elizabeth Banks dankte den Juroren. "Schuldig! Wie es sein sollte!", schrieb Oscar-Preisträgerin Viola Davis auf Twitter. "Nun ... Ruhe in Frieden George Floyd."

Schauspieler Jamie Foxx sprach von einem "bittersüßen Moment", denn Floyd komme dadurch nicht zurück. Dies sei ein kleiner Schritt, um den Afroamerikaner "und Tausende wie dich, deren Leben sinnlos genommen wurde" zu ehren, schrieb Foxx auf Instagram. Die Arbeit sei damit lange noch nicht getan, erklärte Sänger Justin Timberlake. Viele Familien würden noch auf Gerechtigkeit warten, schrieb er zu dem Hashtag #PoliceReformNOW für eine sofortige Reform in den Reihen der Polizei.

"Viele Kämpfe liegen noch vor uns", mahnte auch Schauspielerin Kerry Washington. Moderatorin Oprah Winfrey schrieb auf Twitter zu einem Foto von Floyd, sie sei "erleichtert - und emotional auf eine Weise, wie ich es nicht erwartet habe". Sie habe bei jedem Urteilsspruch Freudentränen vergossen. "Ruhe in Gerechtigkeit George Floyd", schrieb Sängerin Katy Perry auf Twitter und versah ihre Botschaft mit einem roten Herz-Emoji.

Im Prozess wegen der Tötung Floyds in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota hatten die Geschworenen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden - der schwerwiegendste davon lautete Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Das genaue Strafmaß soll in acht Wochen festgelegt werden.

© SZ/dpa/Bloomberg/aner/jsa
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