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Coronavirus:Der Doktor, der Trump gesund redet

Nach positivem Coronatest bei US-Präsident Trump

Hat US-Präsident Trump nach seiner Corona-Infektion allerbeste Gesundheit attestiert: Dr. Sean Conley

(Foto: dpa)

Obwohl der US-Präsident wohl zeitweise unter hohem Fieber litt, attestierte dessen Mediziner ihm eine gute Verfassung. Jetzt werden Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Arztes laut.

Von Thorsten Denkler, New York

Sean Conley hat einen eher ungewöhnlichen Werdegang für einen Arzt des Präsidenten. Seit zwei Jahren ist er Leiter des medizinischen Teams im Weißen Haus, der erste Facharzt für Osteopathie in dieser Funktion, ein Experte für ganzheitliche Medizin.

Conley, 1980 geboren, hat die Aufgabe im Mai 2018 übertragen bekommen. Vor ihm war Ronny Jackson Trumps persönlicher Doktor. Der hat Trump so beeindruckt, dass er ihn zum Minister für Veteranen-Angelegenheiten machen wollte. Es kamen dann Berichte auf, er würde am Arbeitsplatz trinken und habe starke Narkotika wie Bonbons verteilt. Sein Spitzname sei "Candy Man" gewesen. Jackson wurde doch nicht Minister.

Gemein haben Sean Conley und Ronny Jackson, dass sie dem Präsidenten stets allerbeste Gesundheit attestiert haben. Jackson erklärte Anfang 2018, Trump könne "200 Jahre alt werden", wenn er sich etwas besser ernähren würde. Das könnte genauso übertrieben gewesen sein, wie die Aussagen von Conley zu Trumps Gesundheitszustand am Wochenende.

Trotz mehrerer Berichte, dass Trump zumindest am Freitag hohes Fieber gehabt haben soll und mit Atemproblemen gekämpft habe, bestand Conley zunächst darauf, dass es Trump hervorragend gehe. Nach und nach musste der Mediziner dann eingestehen, dass es doch nicht ganz so rosig um den Präsidenten stand.

An der katholischen University of Notre Dame in Indiana machte Conley zunächst einen Bachelor of Science. 2006 machte er dann seinen Abschluss am Philadelphia College of Osteopathic Medicine. Osteopathen gehen davon aus, dass viele Krankheiten auf den Zustand von Knochen, Gelenken und des Nervensystems zurückzuführen sind.

Danach diente Conley in der US-Marine als Notarzt am Naval Medical Center in Portsmouth, Virginia. Später leitete er ein Traumazentrum der Nato für verwundete Soldaten in Afghanistan. Vor seiner Berufung ins Weiße Haus war er Chef eines Traumaforschungsteams in Portsmouth.

Erste öffentliche Aufmerksamkeit bekam Conley, als er im Mai bestätigte, dass Trump das Malariamittel Hydroxychloroquin gegen Covid-19 verabreicht bekommen habe. Trump hatte schon früh und ohne jeden wissenschaftlichen Beleg Hydroxychloroquin als Wundermittel im Kampf gegen die Corona-Krankheit Covid-19 gepriesen.

Die US-Zulassungsbehörde für Medikamente, FDA, hatte auf Druck aus dem Weißen Haus die Arznei als experimentelle Droge im Kampf gegen Covid-19 zugelassen. Diese Freigabe aber zog die FDA Mitte Juni wieder zurück. Wegen erwiesener Unwirksamkeit. Derzeit bekommt Trump das Mittel übrigens nicht, wie Conley am Samstag erklärte.

Das war auch der Tag, an dem Conleys Glaubwürdigkeit schwere Blessuren abbekommen hat. Nachdem er zunächst Trumps Allgemeinzustand als bestens beschrieben hatte, trat wenig später Trumps Stabschef Mark Meadows vor die Presse und erklärte, der Zustand des Präsidenten sei durchaus besorgniserregend. Die kommenden zwei Tage seien entscheidend.

Conley räumte tags darauf ein, der Öffentlichkeit nicht die volle Wahrheit mitgeteilt zu haben. "Ich wollte keine Informationen geben, die den Krankheitsverlauf in eine ungünstige Richtung lenken könnten." Er habe offenbar den Eindruck erweckt, er wolle etwas verheimlichen, "was nicht unbedingt wahr war", sagte Conley. Aber was seinen prominenten Patienten angeht, bleibe er dabei: "Tatsache ist, dass es ihm wirklich gut geht."

© SZ vom 06.10.2020

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