US-Wahl:Der Zaun gilt als Flop, doch Beton ist teuer

Der Flusslauf und das Biotop wären nur durch Errichtung eines großen Niemandsland-Streifens zwischen der tatsächlichen Grenze und der Mauer zu schützen. Das wiederum würde bedeuten, dass die US-Regierung den privaten Landbesitzern - darunter auch einem Indianer-Stamm in Arizona - weite Teile ihrer Grenzgrundstücke abkaufen oder sie enteignen müsste, neben den Kosten für Gerichtsprozesse wären Rücklagen für die Umsiedlung der Anwohner notwendig.

Ein weiterer Faktor sind die Materialkosten - einer der Gründe, weshalb das Heimatschutzministerium nur einen Zaun, keine Mauer aus Beton aufstellen ließ. Ein unter dem Pseudonym Ali F. Rhuzkan schreibender Bauingenieur hat berechnet, dass man mit der benötigten Menge Beton eine einspurige Straße von New York an der Ostküste bis nach Los Angeles im Westen bauen könnte - nicht direkt, sondern über die beiden Ozeane, wohlgemerkt. Entlang der 3000 Grenzkilometer müssten Fabriken für die Anmischung des Betons gebaut werden.

Die Washington Post schätzt die Gesamtkosten deshalb auf 25 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Schon der lückenhafte Zaun kostete sieben Milliarden Dollar und gilt als viel zu teuer. Allerdings hat Trump verschiedene Angaben zu seinen Gestaltungswünschen gemacht und geht natürlich davon aus, dass - durch welchen Zwang auch immer - Mexiko das Bauwerk bezahlen wird.

Schon die Wirkung des Zauns ist umstritten: Anwohner in Texas halten ihn für überflüssig, weil die Grenzgänger aus dem Süden häufig einfach eine Leiter aufstellen oder durch Lücken schlüpfen. In Arizona berichten Rancher von Tunneln unter der Grenzvorrichtung. In der Wüste dort sterben jedes Jahr mehr als 200 Menschen bei dem Versuch, den Grenzzaun zu umgehen und über die schwer zugängliche Berge in die USA zu gelangen.

Wie viele Grenzschützer braucht es? 30 000? 100 000?

Statistiken zeigen, dass die Zahl der Einwanderungsversuche weniger von den Grenzbauten, sondern vielmehr von der wirtschaftlichen und humanitären Lage im Süden sowie dem Wirtschaftswachstum abhängig ist - der größte Einwanderungs-Rückgang war nach der Finanzkrise 2008 zu erleben.

Unterdessen verschlingt der Grenzschutz auch ohne Mauer schon mehr Budget als alle anderen amerikanischen Polizeibehörden zusammen. Seit 2005 hat sich die Zahl der Grenzpolizisten auf mehr als 21 000 verdoppelt, dazu kommen private Sicherheitsfirmen. Unabhängig davon, ob Trump die Wahl gewinnt und wirklich an seinem Plan festhält, gilt eine weitere Aufstockung als wahrscheinlich.

Doch wie viele Menschen braucht es, um 3000 Kilometer Grenze vollständig zu sichern? 30 000? 100 000? Die Realität ist ein komplexeres Gebilde als eine Betonmauer.

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