US-Comedian Colbert entlarvt absurde Wahlregeln:Colbert nimmt sich selbst nicht zu ernst

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Bei einem Besuch von Stephen Colbert in Stewarts Satire-Nachrichtensendung "The Daily Show" machten die beiden in wenigen Minuten klar, welch absurde Regeln der Oberste Gerichtshof für den Wahlkampf geschaffen hat. Da Firmen und Privatleute unbegrenzt spenden dürfen, spielt Geld jetzt nämlich eine noch größere Rolle als zuvor. Offiziell ist zwar die Zusammenarbeit zwischen den Wahlvereinen und den Kandidaten streng verboten, doch da alle Super-Pacs von Freunden und früheren Mitarbeitern der Bewerber geleitet werden, ist ideologische Nähe garantiert.

Für die beiden Satiriker ist es ein Leichtes, dieses System als zumindest irrwitzig zu entlarven: Direkte Kommunikation sei streng verboten, warnt Colbert also während des Besuchs in Stewards Studio - doch über die Medien könnten die Kandidaten doch kundtun, welche der Botschaften sie gutheißen. Sofort zieht Stewart einen Fernseher aus Pappe hervor, um so Colberts Anweisungen zu empfangen. Auch dass ein und der selbe Anwalt für den Kandidaten und das Super-Pac arbeiten darf, wird vorgeführt: Wange an Wange sprechen Colbert und Stewart in das gleiche Telefon, kichern wie Schuljungen, weil der Jurist am anderen Ende der Leitung nicht einschreitet, solange Vielleicht-Kandidat Colbert auf Stewarts Vorschläge stets erwidert: "Ich darf nicht mit dir kooperieren". Einmal jedoch mit zustimmendem Lachen, dann wieder mit abweisender Ernsthaftigkeit. (Colberts Auftritt bei Jon Stewart ist hier zu sehen.)

Wie kompliziert die rechtliche Lage in den USA gerade ist, illustriert ein weiterer im Internet kursierender Werbespot, in dem Stephen Colbert dafür kritisiert wird, aus dem Wahlkampf einen "Zirkus" zu machen. Dieser wurde von Colberts so genanntem presidential exploratory committee bezahlt, das jeder Kandidat aus rechtlichen Gründen ins Leben rufen muss. Nur dann darf er für seine Kampagne Geld sammeln und Mitarbeiter einstellen. (Die Hintergründe dazu hier.) Augenzwinkernd macht der 47-jährige Colbert so klar, dass er sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Die mögliche Präsidentschaftskandidatur ist nicht die erste Aktion, mit der sich Stewart und Colbert in die Tagespolitik einmischen: Im Oktober 2010, zum Ende der mit harten Bandagen geführten Kampagnen rund um die Kongresswahlen, mobilisierten sie 200.000 Amerikaner zu einer Protestkampagne gegen die Tea-Party-Bewegung und warben für Vernunft und Toleranz.

Bleibt noch eine Frage: Wie will es Colbert auf die Stimmzettel für die primary am Samstag in South Carolina schaffen? Die Anmeldefrist ist längst verstrichen. Auf den Wahlzetteln wird jedoch noch immer der Name des ausgeschiedenen Pizza-Königs Herman Cain stehen - und so bittet Colbert seine Anhänger in einem Werbespot, einfach für den "Kandidaten mit dem C im Namen" zu stimmen.

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Linktipp: Interview mit Colbert bei ABC News.

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