Die Entwicklungen im Liveblog:
Danke fürs Lesen
Nach Macrons Auftritt neigt sich dieser Tag bei der UN-Generalversammlung dem Ende zu. Einen Überblick gibt es mit SZ Plus hier zu lesen. Über alle weiteren Entwicklungen in New York halten wir Sie auf SZ.de auf dem Laufenden. Danke für Ihr Interesse und einen schönen Dienstagabend!
Macron grenzt sich deutlich von Trump ab
Emmanuel Macron dreht in seiner Rede das ganz große Rad und spricht über Klima, Krieg und Frieden, Menschenrechte, internationale Zusammenarbeit, Gender-Gerechtigkeit und Gesundheitspolitik. Und das ist nur eine Auswahl der Themen aus der Macron-Rede. Die Welt stehe vor großen Herausforderungen, sagt Macron zu Beginn. Er nennt den Klimaschutz als Beispiel und sagt, die Politik unternehme nicht genug, um der Herausforderung zu begegnen. Später wird er die internationale Gemeinschaft nachdrücklich zum Ausstieg aus der Kohleverstromung auffordern und von Industrienationen verlangen, keine Kohlekraftwerke mehr in Entwicklungsländern zu bauen. China zum Beispiel investiert derzeit viele Milliarden Dollar in den weltweiten Bau neuer schmutziger Kraftwerke. Von den Staaten verlangt Macron, mehr Geld für Klimaschutz in die Hand zu nehmen.
Dann spricht er die Krise am Golf an, die eine weitere große Herausforderung darstelle. Er sagt, die Angriffe auf saudische Ölanlagen in der vergangenen Woche, die dem Iran zugeschrieben werden, hätten die Region an den Rande des Krieges gebracht. Von den Iran-Sanktionen der USA, das macht der Präsident deutlich, hält er nichts. Er fordert, die Sanktionen aufzuheben und einen Sicherheitsplan für die Region zu entwickeln. Macron spricht sich daher für neue Iran-Gespräche aus: "Die Zeit ist gekommen, die Gespräche zwischen den USA, dem Iran, den Teilnehmern des Iran-Abkommens und den regionalen Kräften wieder aufzunehmen.“
Ob beim Klima oder bei der Frage des Friedens - Macron sagt, die Weltgemeinschaft sei sich der Herausforderungen durchaus bewusst. "Woran fehlt es dann?", fragt er. "Es fehlt an Mut." Er appelliert an die Vereinten Nationen, sich stärker für den Frieden einzusetzen und hebt - wieder in klarer Abgrenzung zu US-Präsident Donald Trump - die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit hervor. Ohnehin kann seine Rede als Breitseite gegen seinen amerikanischen Amtskollegen gewertet werden. Trump sagte heute vor der UN, die Zukunft gehöre den Patrioten. Macron sagt: "Ich glaube an Patriotismus." Zugleich glaube er jedoch auch an die internationale Zusammenarbeit der Länder. "Ich glaube nicht, dass wir die Krisen, die wir erleben, lösen können, indem wir nach innen schauen." Er betont die Wichtigkeit eines "starken Multilateralismus", der starke Ergebnisse erzielen könne - wie zum Beispiel beim Pariser Klimaabkommen von 2015. Auch aus dem ist Donald Trump längst ausgestiegen.
Lucas Jackson, Reuters
Chiles Präsident spricht über Klimaschutz - Macrons Rede steht noch aus
Derzeit spricht Chiles Präsident Sebastián Piñera Echeñique vor den Vereinten Nationen. Laut Zeitplan der UN wäre nun eigentlich der französische Präsident Emmanuel Macron an der Reihe gewesen. Seine Rede ist der letzte Höhepunkt der heutigen Generaldebatte. Echeñique spricht über Klimaschutz und richtet einen Aufruf an die Welt: "Wir haben keine Zeit mehr." Die Vereinten Nationen müssten nun handeln. Entwicklung sei entweder nachhaltig oder keine Entwicklung, sagt er. Klimaschutz sei die "größte Herausforderung unserer Generation". Außerdem klagt der Chilene die Regierung Venezuelas an. Sie sei "korrupt" und "diktatorisch" und habe aus einem der wohlhabendsten Staaten Südamerikas ein armes Land gemacht.
Thorsten Denkler
Merkel widerspricht Greta Thunberg
Merkel ist da, sie reißt kurz das Thema Klima an. Und erklärt, mit welchen Staatschefs sie sich getroffen hat. Ein Treffen gab es mit Trump. Ein weiteres mit Rohani. In beiden Gesprächen sei es um die Iran-Krise gegangen. Sie betont, dass sie zusammen mit Frankreich und Großbritannien erklärt habe, Iran "trägt Verantwortung" für die Angriffe auf saudische Öl-Anlagen. "Wir haben unsere Worte bewusst gewählt." Heißt: Vollverantwortlich macht sie Iran nicht. Sie wünsche sich, dass Iran und die USA in direkten Austausch treten. Das werde aber nicht so einfach sein. Sie sagt übrigens auch, dass sie Greta Thunberg in einem Punkt widersprochen habe. Innovationen seien auch ein Weg, dem Klimawandel zu begegnen. Beide hatten am Rande des Klimagipfels kurz Gelegenheit, miteinander zu reden.
Kontextwissen zum Iran-Konflikt
Wie war das nochmal mit dem Konflikt zwischen USA und Iran? Welche Strategie der US-Präsident mit seinem Sanktions-Zickzackkurs verfolgt - und warum -, hat Hubert Wetzel kürzlich zusammengefasst. Warum Europa vermitteln muss, erklärt Paul-Anton Krüger in seinem heutigen Kommentar.
Thorsten Denkler
Merkel erwartet
Hier wird gleich Kanzlerin Angela Merkel kurz vor der Abreise nach Deutschland reden. Sie wird sich sicher zu Iran äußern.
"Das ist das Buch, das ich während Trumps Rede gelesen habe"
Ungefähr das twittert eine Mitarbeiterin der venezolanischen Botschaft. Sie postet ein Foto von sich beim Lesen in der Generalversammlung und eins von ihrem Buch, auf dessen Cover der Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar zu sehen ist. Die Twitter-Provokation der Botschaftsangestellten hat CNN aufgegriffen. Denn sie schreibt zu ihren Bildern: "Das ist das Buch, das ich gelesen habe, während Donald Trump mit seiner fremdenfeindlichen und imperialistischen Rede die Generalversammlung geschändet hat." Außerdem heißt es in ihrem Tweet: "Lang lebe Bolívar!"
Venezuela wird oft als der Hinterhof der USA angesehen - ein Land, auf das sie viel Einfluss nehmen. Die USA haben auch den versuchten Coup gegen Nicolás Maduro gestützt, mit der Begründung, dass dieser zunehmend autokratisch regiert. In seiner heutigen Rede erwähnte Trump die Situation der Venezolaner, die unter Lebensmittel-, Medikamenten- und Gebrauchsgüterknappheit leiden.
Erdogan spricht über Geflüchtete
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht lange. Er beschwert sich über die Anzahl von Geflüchteten, die in die Türkei kommen, vor allem aus Syrien. Die Türkei werde mit ihrer "Aufopferung alleine gelassen". Erdogan hat Material mitgebracht, das er während seiner Rede hoch hält: Zuerst zeigt er das berühmte Kind des zweijährigen Alan Kurdi, der 2015 auf der Flucht ertrunken und dessen Leiche an der türkischen Mittelmeerküste angeschwemmt worden war. "Vergessen Sie nie, dass Ihnen das auch passieren kann!", wettert Erdogan.
Erdogan wirbt wieder mal für seine "safe zone". Die Türkei und die USA hatten sich im August auf die Errichtung einer Sicherheitszone in Nordsyrien geeinigt, in der Millionen geflüchtete Syrer gesammelt werden sollen. Er hält eine Karte der Region in die Höhe, in die die Zone eingezeichnet ist.
Ein im März 2016 abgeschlossener Flüchtlingsdeal zwischen der EU und Ankara sieht vor, dass Geflüchtete, "die keinen internationalen Schutz benötigen", nach abgeschlossenem Asylverfahren in Griechenland zurück in die Türkei gebracht werden. Den Deal hatte Kanzlerin Angela Merkel maßgeblich mitverhandelt.
Dann hält Erdogan noch ein Schaubild in die Höhe, das zeigt, wie Israel immer mehr Land besetzt und unterstützt damit seine Forderung eines anerkannten palästinensischen Staats. "Die Türkei wird weiterhin an der Seite der unterdrückten Menschen in Palästina stehen", so Erdogan.
afp
Al-Sisi will keine Einmischung
Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sagt in seinem eher kurzen Redebeitrag, die UN-Zusammenarbeit sei ihm zwar wichtig und geprägt von "Dialog, Kooperation, gegenseitigem Respekt und dem Voranbringen einer Friedens-Kultur". Aber er spricht sich gegen Einmischung der internationalen Gemeinschaft in die Probleme in seinem Land aus. Nationen müssten das Vorrecht behalten, ihre eigenen Probleme zu lösen. In Ägypten ist es gerade erstmals seit Jahren wieder zu größeren Protesten gegen die politische Führung gekommen. Hunderte Demonstranten, die al-Sisis Sturz fordern, sind festgenommen worden. Der Präsident geht seit Jahren mit harter Hand gegen Oppositionelle vor. Donald Trump hat den Ägypter heute gelobt und von "Ordnung" nach dem Chaos gesprochen.
AP
Die Klimakrise auf der Agenda
Donald Trump hat in seiner Rede nichts über Greta Thunberg gesagt. Die beiden sind einander gestern in New York erstmals begegnet. Genau genommen ist der US-Präsident an der Klimaaktivistin vorbeigelaufen - und die hat ihm einen Blick zugeworfen, den man nur mit "tödlich" beschreiben kann. Auf jetzt.de lesen Sie mehr über den Showdown und das daraus resultierende Meme. Trump selbst macht sich in einem Tweet über Thunberg her. Zu einem Video ihrer emotionalen Rede schreibt er, sie wirke wie "ein sehr fröhliches junges Mädchen". Offenbar soll das ironisch gemeint sein.
Thunbergs Rede beim UN-Klimagipfel hat für viel Aufsehen gesorgt. Sie greift darin emotional die Erwachsenen an, die erst jetzt anfangen, sich für den Klimaschutz zu engagieren. Die 16-Jährige hat mit ihrem Schulstreik fürs Klima mit dafür gesorgt, dass die Klimakrise bei dieser UN-Generaldebatte eines der Hauptthemen wurde. Die Details zu Greta Thunbergs gestrigem Auftritt können Sie hier lesen.
Thorsten Denkler
Trump überrascht mit zahmer Rede
Trump schließt mit einem Appell: "Alle Humanität beginnt zu Hause." Von seinen drei Auftritten bisher vor den Vereinten Nationen war dies der wohl am wenigsten inspirierte. Es schien, als wollte er seinen Auftritt einfach nur schnell über die Bühne bringen und dabei so wenig verbrannte Erde wie möglich hinterlassen. Im Konflikt mit Iran hat er überraschend nicht noch Öl ins Feuer gegossenen. Vielleicht wollte er auch sein Treffen mit Merkel und ihr Treffen mit Rohani nicht mit einer "Feuer und Flamme"-Rede belasten. Hinter den Kulissen scheint im Vorfeld seiner Rede einiges passiert zu sein, dass Trump hier einen derart zahmen Auftritt hingelegt.
Merkel will sich mit Trump und Rohani treffen
Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich am Rande der UN-Generalversammlung noch am Dienstag in New York mit Irans Präsident Hassan Rohani und mit US-Präsident Donald Trump treffen, sagt ein Regierungssprecher. Am Montag hatte sich Deutschland im Konflikt zwischen Iran und USA deutlich positioniert: Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Boris Johnson machten Iran in einer gemeinsamen Erklärung für die Anschläge auf saudische Ölanlagen verantwortlich.Thorsten Denkler
Trump sieht sich als Verfechter von Frauenrechten
Trump erklärt gerade der Welt, wie wichtig es sei, Frauen zu stärken, gegen die Diskriminierung von LGBTQ-Menschen vorzugehen. Oder Religionsfreiheit voranzutreiben. Alles wichtig. Seine eigene politische Vergangenheit aber steht als Beispiel für das Gegenteil.
Thorsten Denkler
Bisher kein Applaus für Trump
Völlig ungewohnt für Trump: bisher kein Applaus. Er spricht so langsam und gedehnt, als würde er gleich einschlafen. Er liest seine Rede ab. Wirkt ernst, fast zu ernst. Er will hier als Staatsmann auftreten, oder besser: in der Rolle des Staatsmannes. Merkel sitzt immer noch hinten rechts und lauscht. Auch als Trump verspricht: "Solange ich Präsident der Vereinigten Staaten bin, werde ich unsere Grenzen schützen." An Flüchtlinge adressiert sagt er: "Versucht nicht in unser Land zu kommen, ihr werdet zurückgeschickt." Interessant, dass er direkt im Anschluss an die schlimmern Zustände in Venezuela erinnert, wo Autokrat Nicolás Maduro sein Volk drangsaliert. Von Trump scheinen Flüchtlinge aus Venezuela kaum Hilfe erwarten zu dürfen.
Thorsten Denkler
Trump droht Iran mit neuen Sanktionen
Trump spricht jetzt über Iran. Er wirft dem Land - zusammen mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien - vor, Öl-Anlagen in Saudi Arabien angegriffen zu haben. "Alle Nationen haben jetzt eine Verpflichtung zu handeln", sagt Trump. Solange Iran so weitermache, würden die Sanktionen nicht aufgehoben, sie würden verschärft, sagt Trump. Iran sei ein "blutrünstiges Regime", Amerika bereit für Frieden. Die USA hätten nie an ewige Feindschaft geglaubt.