Türkei Die zweitgrößte Armee der Nato holt pensionierte Offiziere zurück

Die zweitgrößte Armee der Nato hat durch die "Säuberungen" mit einem massiven Personalschwund zu kämpfen, wie die türkische Zeitung Hürriyet meldet. Und das, während sie im eigenen Land gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK vorgeht und im Nachbarland Syrien gegen das Assad-Regime und die dortigen kurdischen Gruppen Krieg führt.

518 166 Menschen dienten Ende Juni in den türkischen Streitkräften. Anfang Oktober waren es nur noch 355 212, wie am 10. Oktober der Homepage des Generalstabs zu entnehmen war. Einen Tag später war die Auflistung des Personals, die auf den 4. Oktober 2016 datiert war, allerdings nicht mehr im Netz zu finden. Aus der Pressemitteilung ging beispielsweise hervor, dass nach Entlassungen und Festnahmen von 358 Generälen und Admiralen gerade einmal noch 201 übrig sind.

Die türkische Armee ist mittlerweile dazu übergegangen, pensionierte Offiziere wieder zu reaktivieren, so hoch ist der Bedarf. Sogar solche, die noch in den berüchtigten Ergenekon- und Balyoz-Prozessen ihre Posten verloren hatten, weil sie angeblich einen Sturz der Regierung Erdoğan planten, werden zurückgeholt. Nur durch die Rückkehrer konnte auch das Funktionieren der Luftwaffe sichergestellt werden, die zeitweilig wegen fehlender Piloten vor dem Kollaps stand. Ranghohe US-Militärs beschwerten sich, dass man gar nicht mehr wisse, wer nun in der türkischen Armee der richtige Ansprechpartner sei.