bedeckt München

Trumps Generäle:Die Generäle in Trumps Kabinett geben ein bisschen Anlass zur Hoffnung

US President-elect Donald Trump Holds Weekend Meetings

Strammstehen kann der ehemalige General James Mattis (Mitte) natürlich. Hier ist er beim Treffen mit dem künftigen Präsidenten Trump und seinem Vize Pence zu sehen.

(Foto: AFP)

In Washington nennt man all die Ex-Offiziere in Trumps Kabinett schon scherzhaft "Junta". Doch in der jüngeren Vergangenheit erwiesen sich gerade die Zivilisten in der Politik immer wieder als die Kriegstreiber.

Kommentar von Hubert Wetzel

Es ist inzwischen eine kleine Galaxis, die Donald Trump um sich versammelt hat. Michael Flynn, der künftige Sicherheitsberater des neuen Präsidenten, trug früher drei silberne Sterne auf den Schulterklappen; bei James Mattis, der Verteidigungsminister werden soll, waren es vier Sterne; ebenso bei John Kelly, der das Amt des Heimatschutzministers erhalten soll. Trumps Kabinett besteht bisher vor allem aus Milliardären, Goldman-Sachs-Bankern - und Generälen.

In Washington kursiert bereits ein lustiger Begriff für all diese ehemaligen Offiziere, die jetzt regieren sollen: Trumps Junta. Und natürlich gibt es die üblichen Warnungen vor einer Militarisierung der Politik. Generäle, so heißt es, kennen nur Krieg. Weil ein großer Hammer ihr einziges Werkzeug ist, halten sie jedes Problem, das es zu lösen gilt, für einen Nagel. Und schlagen kräftig drauf.

Mit der Realität hat das freilich wenig zu tun. Eher ist das Gegenteil der Fall. Amerikas Generäle haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eindringlich erlebt, mit welcher Nonchalance und Fahrlässigkeit gerade Zivilisten den Einsatz militärischer Gewalt befürworten und befehlen; wie wenig mit dieser Gewalt oftmals erreicht werden kann, und wie wenig sich die verantwortlichen Politiker dann um den Trümmerhaufen kümmern, den sie verursacht haben. Zivilist zu sein bedeutet nicht per se, auch der bessere Politiker zu sein.

Sie mussten die Kriegstreiberei von Zivilisten ausbaden

Das beste Beispiel dafür ist immer noch der ehemalige General Colin Powell. Als Powell ein junger Leutnant war, schickte ihn ein vermeintlich brillanter Zivilist - Verteidigungsminister Robert McNamara - in den Krieg nach Vietnam. Am Ende von Powells Karriere war es das Trio Bush/Cheney/Rumsfeld, das mutwillig den Irak-Krieg vom Zaun brach. Der Soldat hatte seine Lektion gelernt. Die Zivilisten nicht. Die Folgen von deren Kriegstreiberei mussten unter anderem die Offiziere Mattis und Kelly ausbaden, die mit ihren Einheiten im Irak eingesetzt waren.

Was man bisher über Trumps Generäle weiß, gibt - wenn man das bei Trump überhaupt so sagen kann - zumindest ein bisschen Anlass zur Hoffnung. Immerhin war es offenbar James Mattis, der Trump davon überzeugt hat, dass das Foltern von Gefangenen kein brauchbares Mittel zur Informationsbeschaffung ist. Man hätte sich gewünscht, der künftige Präsident der Vereinigten Staaten wäre von selbst auf diesen Gedanken gekommen; oder er lehnte Folter aus prinzipiellen Gründen ab, nicht nur wegen der mangelnden Wirksamkeit. Aber sei's drum. Hauptsache, Trump lernt etwas dazu.

Das Klischee, Generäle seien tumbe Befehlsempfänger, ist Quatsch

Auch das Klischee, Generäle seien tumbe Befehlsempfänger, die nicht nachdächten, ist Quatsch. Wer drei oder vier Sterne auf der Schulter hat, gibt in aller Regel mehr Befehle, als er bekommt. Man kann bestimmt politische Ansichten fragwürdig finden, die Trumps Generäle haben. Vor allem Flynn scheint ein etwas paranoides und zugleich simples Weltbild zu haben, in dem jeder Muslim gleich ein halber Terrorist ist.

Aber die drei ehemaligen Generäle gelten auch als Männer, die keine Angst davor haben, Vorgesetzten unbequeme Wahrheiten zu verkünden. Sie haben alle mehr von der Welt gesehen als der künftige Präsident; und sie verstehen weit mehr davon als Trump, wie in der Außen- und Sicherheitspolitik Ursachen und Wirkungen zusammenhängen: Welche Reaktionen - gerade auch unerwartete - auf welche Aktionen folgen können, wenn man nicht sehr genau vorausdenkt.

"What then?", soll eine der Lieblingsfragen von James Mattis sein; übersetzt etwa: Und was kommt danach? Es wird wahrscheinlich viele Gelegenheiten geben, sie Trump zu stellen, wenn der mal wieder herumposaunt. Und sehr oft wird Trump keine Antwort wissen.

© SZ vom 09.12.2016/dayk
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema