Trump über Kim "Und dann haben wir uns verliebt"

"Und dann haben wir uns verliebt": US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un bei ihrem Gipfeltreffen in Singapur.

(Foto: dpa)
  • US-Präsident Trump spricht davon, wie sich das unterkühlte Verhältnis zwischen ihm und Nordkoreas Machthaber Kim ins Gegenteil gewandelt habe.
  • Die nordkoreanische Seite ist offenbar weniger zufrieden mit der Beziehung, wie ein Statement ihres Außenministers zeigt.

Es ist gerade ein Jahr her, da schmähte Donald Trump Kim Jong-un als "little rocket man", als kleinen Raketenmann. Doch nach der vom US-Präsidenten forcierten Annäherung Washingtons und Pjöngjangs findet er mittlerweile freundlichere Worte für den nordkoreanischen Machthaber. Schon bei der UN-Generalversammlung vergangene Woche dankte Trump diesem für das "hochproduktive" Gipfeltreffen im Juni, dem eine ganze Reihe von ermutigenden Maßnahmen gefolgt seien.

Vor Anhängern im US-Bundesstaat West Virginia legte der US-Präsident nun am Samstag noch eins drauf und stilisierte ihr beiderseitiges Verhältnis zu einer Art Romanze. Danach waren sich Trump und Nordkoreas Diktator beim Gipfeltreffen in Singapur zunächst kühl begegnet, hätten Stärke demonstriert: "Ich war knallhart, er auch, und zwischen uns ging es hin und her." Doch hätte sich das Verhältnis gewandet: "Und dann haben wir uns verliebt, okay? Nein, wirklich." Kim habe ihm "wunderschöne Briefe" geschrieben, "es waren großartige Briefe".

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Trump verwies darauf, dass ihre persönliche Verbindung auch politisch Früchte getragen habe. Beim Treffen in Singapur hatten Washington und Pjöngjang sich grundsätzlich auf eine Denuklearisierung Nordkoreas geeinigt. Kritiker der Vereinbarung sehen darin allerdings wenig mehr als ein Lippenbekenntnis. Doch Trumps Zuhörer in West Virginia reagierten positiv auf die schwärmerischen Ausführungen ihres Präsidenten, nämlich mit Lachen und Applaus.

Weniger freundlich klingt allerdings, was am Samstag von nordkoreanischer Seite zu vernehmen war. Außenminister Ri Yong-ho bezog sich vor der UN-Vollversammlung nämlich nicht auf die lobenden Worte Trumps, sondern auf das, was der US-Präsident vergangene Woche auch noch gesagt hatte: dass die Sanktionen gegen Nordkorea bis zur Denuklearisierung in Kraft blieben.

Das Festhalten der Regierung in Washington an Sanktionen steigerten das Misstrauen seines Landes gegenüber den USA, sagte Außenminister Ri. Es sei unter diesen Umständen nicht möglich, dass das Nuklearprogramm einseitig aufgegeben werden könne. "Ohne jedes Vertrauen in die USA gibt es keinen Glauben an unsere nationale Sicherheit und unter solchen Umständen werden wir auf keinen Fall einseitig mit einer Abrüstung beginnen."

Die Regierung in Pjöngjang habe guten Willen gezeigt, indem sie auf Atomwaffen- und Raketentests verzichtet und versprochen habe, Nuklearwaffen nicht weiter zu verbreiten. "Dennoch haben wir keine entsprechende Antwort der USA gesehen", kritisierte Ri.

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