Zwischenwahlen in den USA "Trump hat die Republikaner zu seiner Partei gemacht"

Trump-Anhänger in Huntington: Alles Schlechte an Trump wird einfach wegignoriert.

(Foto: dpa)

Die USA sind politisch so tief gespalten wie lange nicht. Die US-Meinungsforscherin Karlyn Bowman hat dennoch Hoffnung, dass irgendwann alles wieder gut wird. Trotz Trump.

Interview von Thorsten Denkler, Washington

An diesem Dienstag sind die Wählerinnen und Wähler in den USA aufgerufen, das komplette Repräsentantenhaus, ein Drittel des Senates und Hunderte wichtige Ämter in den Bundesstaaten neu zu besetzen. Politisch gelten die USA als tief gespalten, Umfragen stellen das immer wieder fest. Karlyn Bowman vom Washingtoner Thinktank American Enterprise Institute gilt als die Grande Dame der Meinungsforschung in den USA. Sie erklärt, wie es um das Wahlvolk zu den Midterms 2018 bestellt ist.

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SZ: Wenn Sie sich all die Umfragen ansehen, die Sie für Ihre Arbeit auswerten, wie gespalten sind die Vereinigten Staaten tatsächlich?

Karlyn Bowman: Wenn es um Politik geht oder die Art, wie dieses Land geführt wird: So gespalten wie seit 20, 30 Jahren nicht mehr. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass Nachbarn nicht mehr miteinander reden können. In den Dörfern und Städten, den Nachbarschaften arbeiten die Menschen eng zusammen. Davon zeugen auch die Zahlen.

Es gibt kaum Übereinstimmungen in politischen Fragen. Republikaner und Demokraten setzen ihre Prioritäten völlig unterschiedlich. Warum ist das so?

Das ist eine große Frage und ich wünschte, ich hätte darauf die eine Antwort. Was aber festgestellt werden kann, ist, dass beide Parteien sich jeweils auf extreme Positionen zurückgezogen haben. So extrem, dass ihre Anhänger zutiefst davon überzeugt sind, dass nur ihre Position die richtige sein kann. Das wird unterstützt von einer gespaltenen Medienlandschaft, in der die Positionen der jeweils anderen Seite kaum Gehör finden.

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Vor allem unter Republikanern ist Präsident Donald Trump über alle Maßen beliebt. Mehr als 80 Prozent unterstützen Trump trotz seines rabiaten Auftretens und seiner falschen Behauptungen. Warum ist das so?

In den USA ist die Frage, wer sich zu welcher Partei zählt, sehr wichtig. Und Trump hat die Republikaner inzwischen zu seiner Partei gemacht, zur Trump-Partei. Seine Anhänger sind ihm gegenüber sehr loyal.

Aber interessiert sie nicht, wie er das Amt führt? Eine Mehrheit der Amerikaner findet immerhin, er sollte sich im Ton mäßigen, das Twittern lassen und weniger Unwahrheiten in die Welt setzen.

Seine Anhänger ignorieren diese Seite an ihm schlicht. Mehrheitlich mögen sie seinen Stil sicher nicht. Aber sie stehen hinter den Grundzügen seiner Politik. Das reicht.

Besonders die weißen, evangelikalen Christen in den USA stehen hinter Trump. Wie wichtig ist diese Gruppe?

Sie stellen etwa 27 Prozent der Wahlberechtigten. So viel wie alle Minderheiten in den USA zusammen. Weiße Evangelikale stehen mehrheitlich traditionell hinter den Republikanern. Sie sind also ziemlich wichtig für Trump.

Karlyn Bowman ist Meinungsforscherin am American Enterprise Institute in Washington.

(Foto: AEI/Jay Westcott)

Trump ist Dutzenden Vorwürfen ausgesetzt, Frauen sexuell belästigt zu haben, er soll mehrere Affären gehabt haben - auch mit einem ehemaligen Porno-Star. Das scheint die Evangelikalen kaum zu interessieren. Warum ist das so?

Für sie, wie für viele andere, ist Washington ohnehin ein Ort der ständigen Heuchelei. Trump ist da in ihren Augen keine Ausnahme. Sie nehmen also, was sie kriegen können. Da handeln sie sehr pragmatisch. Wenn im Gegenzug der Supreme Court nach ihren Wünschen zusammengesetzt ist, dann reicht das, um Trump die Stange zu halten.

Manche halten das demokratische System der USA aus vielen Gründen für nicht mehr zeitgemäß. Glauben Sie, dass eine Reform nötig werden könnte?

Ich gebe unsere Demokratie noch nicht auf. Es gibt genug gute Leute da draußen. Auf Trump werden andere Kandidaten folgen.

Glauben Sie nicht, dass Trump den Ton gesetzt hat für alle künftigen Wahlkämpfe?

Nein. Wenn Sie sich nur die möglichen Kandidaten ansehen, die für die Demokraten 2020 ins Rennen gehen könnten, die sind alle doch sehr anders als Trump.

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