US-Zwischenwahlen Warum 2018 das Jahr der Frauen werden könnte

Stacey Abrams, Kristi Noem, Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar, Christine Hallquist, Kyrsten Sinema (im Uhrzeigersinn): Noch nie haben so viele Frauen in den USA für Ämter kandidiert wie in diesem Jahr.

(Foto: AFP/AP/Reuters)
  • Bei den US-Halbzeitwahlen kandidieren so viele Frauen für politische Ämter wie nie zuvor.
  • Die "Me Too"-Bewegung und die Senatsanhörung des Richters Brett Kavanaugh haben die Amerikanerinnen mobilisiert.
  • Viele der Kandidatinnen sind echte Vorkämpferinnen.
Von Beate Wild, Austin

Eine schwarze Gouverneurin, eine offen bisexuelle Senatorin, eine Muslima im Repräsentantenhaus: Nach den US-Zwischenwahlen am 6. November könnte es viele Premieren geben. Noch nie haben so viele Frauen in den USA für Ämter kandidiert wie in diesem Jahr. Auch die Mobilisierung von Wählerinnen könnte zu einer Rekordbeteiligung führen. Die "Me Too"-Bewegung und die denkwürdige Senatsanhörung des Richters Brett Kavanaugh haben die Amerikanerinnen mobilisiert - zumindest, soweit sie Sympathien für die Demokraten hegen.

Wachgerüttelt aber hatte sie bereits die Niederlage der ersten weiblichen Präsidentschaftskandidatin einer der beiden großen Parteien im November 2016. Seit Hillary Clinton gegen Donald Trump verloren hat, drängen viele Amerikanerinnen auf eine bessere Repräsentation von Frauen im Kongress und in den Parlamenten der Bundesstaaten.

Gegenwärtig sitzen 84 Frauen im Repräsentantenhaus (von insgesamt 435 Sitzen) und 23 im Senat (von insgesamt 100). Nach der Wahl dürften einige Politikerinnen dazukommen - auch wenn von Geschlechterparität im Kongress noch lange nicht die Rede sein wird.

Rekordzahlen für die Demokraten

Gründe, sich als Frau in den USA zurückgesetzt zu fühlen, gibt es viele. Da wäre die Sorge, dass der inzwischen tendenziell konservative Supreme Court das Recht auf Abtreibung einschränkt oder sogar kassiert. Aber auch die ständige verbale Geringschätzung von Seiten der Republikaner ist für viele unerträglich geworden. Etwa als der US-Präsident öffentlich nicht nur Christine Blasey Fords Belästigungsvorwürfe gegen Kavanaugh anzweifelte, sondern sich sogar lustig machte und den Spieß umdrehte. "Unfaire Anschuldigungen" seien das, und: "Das sind sehr beängstigende Zeiten für junge Männer in Amerika."

Oder kürzlich erst bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania. Da machte sich Trump über die "Me Too"-Bewegung lustig. "Nach den Regeln von 'Me Too' darf ich das ja jetzt nicht so sagen", beschwerte er sich vor seinen Anhängern. "In den guten alten Zeiten war das ein wenig anders." Viele Frauen widersprechen. Sie wollen, dass die Zeiten sich endlich ändern - und zwar nicht zurück.

Laut dem Center for American Women and Politics kandidieren bei den nun anstehenden Wahlen für das Repräsentantenhaus 237 Frauen, darunter 185 Demokratinnen und 52 Republikanerinnen. Für den Senat treten 23 Frauen an (für 35 in 2018 zur Wahl stehende Sitze), darunter 15 Demokratinnen und acht Republikanerinnen. Und selbst für die 39 zu vergebenden Gouverneursposten in den Bundesstaaten und Territorien stehen 16 Frauen (zwölf Demokratinnen und vier Republikanerinnen) auf dem Wahlzettel. Vor allem für die Demokratische Partei sind das Rekordzahlen.

Aber es sind nicht nur die Kandidatinnen, die bereit sind für eine Zeitenwende. Auch die Wählerinnen wollen sie. Laut Umfragen sind besonders weiße Akademikerinnen motiviert, zur Wahl zu gehen und für die Demokraten zu stimmen.