Mutmaßlicher Journalisten-Mord:"Ich mag das nicht", sagt Trump

Diesen Eindruck verstärkt ein Interview mit Trump, das die Nachrichtenagentur AP am späten Nachmittag veröffentlichte: "Schon wieder dieses 'schuldig bis zum Beweis der Unschuld'. Ich mag das nicht", erklärt Trump dort. "Wir haben das gerade mit Richter Kavanaugh durchgemacht und er war völlig unschuldig meiner Meinung nach. Wir müssen also herausfinden, was passiert ist." Brett Kavanaugh war von Trump für den Supreme Court nominiert worden und trotz Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens als Jugendlicher und Student vom Senat bestätigt worden.

Wenige Minuten nach der AP ging die New York Times mit einer eigenen Enthüllung an die Öffentlichkeit. Demnach gehörten vier der fünf Männer, die vor dem mutmaßlichen Mord an Khashoggi in die Türkei geflogen und türkischen Ermittlern zufolge am 2. Oktober im Istanbuler Konsulat anwesend waren, zu den Personenschützern des saudischen Kronprinzen. Bei dem fünften Mann handele es sich um einen Forensiker, der für das Innenministerium in Saudi-Arabien arbeite. Dies widerspricht der Theorie, es könne sich um einen Alleingang saudi-arabischer Sicherheitskreise ohne Wissen Mohammed bin Salmans gehandelt haben.

Die US-Regierung macht sich international zunehmend unglaubwürdig, wenn sie trotz eines wachsenden Stapels an Indizien dem Narrativ "wilder Killer" offiziell Glauben schenkt. Im eigenen Land jedoch kann Trump seinen Anhängern mit dem Schlagwort "Fake News" erfolgreich signalisieren, unliebsame Fakten und Medienberichte zu ignorieren - wenn sie das Thema überhaupt interessiert. Und auch die Republikaner haben sich bislang noch nach jeder rhetorischen Empörung handzahm gezeigt.

Trump prahlte mit Geschäftsbeziehungen

Der US-Präsident hatte vor Tagen zwar eine "schwere Bestrafung" angekündigt, sollte es Beweise für die Verantwortung Saudi-Arabiens geben. Gleichzeitig schloss er aber aus, Waffenexporte an Riad auszusetzen. Trump hat das Königreich zu einem Kern-Verbündeten gegen Iran erklärt. In der Zeit vor seiner Präsidentschaft prahlte er mit besten Geschäftsverbindungen dorthin. Saudi-Arabien war auch das erste Land, das er als US-Präsident besuchte.

"Trump, der härter mit Justin Trudeau und Angela Merkel umspringt als mit Wladimir Putin und Mohammed bin Salman, hat sich dazu entschlossen hervorzuheben, dass Khashoggi kein amerikanischer Staatsbürger ist, und betont stattdessen die Investitionen der Saudis in die amerikanische Wirtschaft", schreibt Ben Rhodes, ein ehemaliger Sicherheitsberater Barack Obamas, im Magazin Atlantic. "Als würde ihn das aus jeglicher Verantwortung entlassen, etwas zu tun."

Journalisten aus aller Welt könnten sich darauf einstellen, vom mächtigsten Land der Erde keine Unterstützung mehr zu erfahren, so Rhodes. Das Königshaus in Riad dagegen werde innenpolitisch gestärkt aus der Angelegenheit hervorgehen und habe am Ende erfolgreich ein Warnsignal an seine Kritiker gesendet. Sein Fazit: "Einmal mehr erleben wir, was passiert, wenn die älteste Demokratie der Welt ihre Rolle aufgibt, demokratische Werte rund um die Welt zu unterstützen."

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