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Trump in Dayton und El Paso:Kühler Empfang bei 38 Grad

  • Vier Tage nach den Massakern in El Paso und Dayton besucht US-Präsident Trump beide Orte.
  • Hunderte Demonstranten empfangen ihn - die Menschen machen seine rassistische Rhetorik mitverantwortlich für die Morde.
  • Trump wirft seinen Gegnern vor, das Thema politisch auszuschlachten. Er selber will sich "heraushalten".

Dass er nicht nur mit Blumen und warmen Worten empfangen werden würde, dürfte an diesem Mittwoch selbst Donald Trump klar gewesen sein. Der US-Präsident ließ sich nach den Massakern in El Paso, Texas, und Dayton, Ohio, vier Tage Zeit, bevor er die Orte besuchte, an denen am Wochenende 31 Menschen durch die Kugeln von zwei Männern ums Leben kamen.

Schon in Dayton machten Hunderte Demonstranten Trump klar, wer für sie zumindest eine Mitschuld an den hier neun Toten trägt. Vor dem Miami Valley Hospital demonstrierten sowohl Gegner als auch Anhänger des US-Präsidenten. "Hass ist hier nicht willkommen", "Hör auf mit dem Terror" und "Du bist der Grund" war auf den Plakaten zu lesen. Noch schärfer waren die Nachrichten, die später bei 38 Grad Celsius in El Paso zu lesen waren: "Geh nach Hause, Rassist", "Trumps Rhetorik = unser Blut" oder "Stopp den Hass".

Politik USA Trump lässt keine Kritik gelten
Attentate in Dayton und El Paso

Trump lässt keine Kritik gelten

Führende Demokraten werfen dem US-Präsidenten vor, mit fremdenfeindlicher Rhetorik Gewalt zu schüren. Trump weist das zurück und verspricht, sich für stärkere Kontrollen bei Waffenkäufen einzusetzen.

Sollte der Republikaner die Schilder bemerkt haben, ließ er es sich nicht anmerken - oder ignorierte sie einfach. "Ich glaube nicht, dass meine Rhetorik spaltet, sie bringt die Leute zusammen", sagte er in Dayton vor dem Besuch eines Krankenhauses. Und dass es dem Land "unglaublich gut gehe". Nach seinem Abflug in Richtung El Paso schrieb er bei Twitter: "Die Leute, die ich in Dayton getroffen habe, sind die Feinsten!" Und auch als er die texanische Stadt verließ, verbreitete er seine Perspektive, nämlich dass es nur "Liebe, Respekt und Enthusiasmus" gegeben habe und die Medien mal wieder nur "Fake News" verbreiten würden.

Trump will potenzielle Waffenkäufer in Zukunft besser überprüfen lassen: Dafür gebe es im Kongress auch auf beiden Seiten große Unterstützung, sagte er. "Ich will mental instabilen Menschen keine Waffen geben, oder Menschen mit Wut und Hass, oder kranken Menschen." Weitergehende Schritte wie ein Verbot von Sturmgewehren hätten jedoch keine Unterstützung, sagte der Präsident. Auch nach dem Massaker an einer Schule in Parkland, Florida, im Februar 2018 hatte Trump striktere Überprüfungen versprochen. Passiert ist bislang nichts, weil die Vorschläge den Demokraten entweder nicht weit genug oder den Republikanern zu weit gingen.

Der Besuch in beiden Orten wäre für Trump auch ohne die Massaker kein Heimspiel gewesen. Zwar gewann er bei den Wahlen 2016 in den Bundesstaaten Texas und Ohio jeweils recht deutlich vor Hillary Clinton. Doch in dem Wahlbezirk, in dem Dayton liegt, stimmten nur knapp 2000 Personen oder 0,7 Prozent der Wähler mehr für ihn als für die Demokratin. Und die texanische Grenzstadt El Paso war vor drei Jahren eine Hochburg der Demokraten: Für Clinton stimmten 69 Prozent - für Trump nicht einmal 26 Prozent der Wähler.