bedeckt München 29°

Terrormiliz "Islamischer Staat":IS droht mit Ermordung japanischer Geiseln

  • Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) fordert 200 Millionen Dollar Lösegeld für zwei japanische Geiseln.
  • In einem Video werfen die Dschihadisten Japan die Beteiligung an einem "Kreuzzug" vor.
  • Japans Ministerpräsident Shinzo Abe versprach den Staaten im Nahen Osten 200 Millionen Dollar für den Kampf gegen IS.
  • Im Irak liefern sich erstmals westliche Soldaten Bodengefechte mit dem IS.

IS will Lösegeld für Geiseln erpressen

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat mit der Ermordung zweier japanischer Geiseln gedroht. Es ist das erste Mal, dass der IS japanische Geiseln bedroht. In einem Internetvideo verlangt ein in Schwarz gekleideter Kämpfer der Terrormiliz von der japanischen Regierung, innerhalb von 72 Stunden 200 Millionen Dollar (gut 170 Millionen Euro) Lösegeld zu zahlen. Ansonsten würden die Geiseln getötet.

Bei den beiden Männern soll es sich um Haruna Yukawa sowie um Kenji Goto handeln. Yukawa soll Medienberichten zufolge im August vergangenen Jahres im syrischen Marea vom IS gefangen genommen worden sein, als er mit syrischen Rebellen unterwegs war. In einem Internetvideo vom vergangenen Jahr war laut Medienberichten ein auf dem Rücken liegender Mann mit blutüberströmtem Gesicht zu sehen, der mit einem Messer bedroht und auf Englisch ausgefragt wurde. Er gab darin an, er heiße Haruna Yukawa und komme aus Japan. Immer wieder wurde Yukawa gefragt, warum er eine Waffe trage und ob er ein Soldat sei. Er erwiderte, er sei "kein Soldat", er sei "halb Journalist, halb Doktor".

In dem Video, in dem Japan die Teilnahme an einem "Kreuzzug" vorgeworfen wird, knien die beiden neben dem vermummten Mann. Sie tragen orangene Overalls, so wie mehrere Geiseln aus dem Westen, die im vergangenen Jahr vom IS getötet worden waren. Zu näheren Einzelheiten wie zum Ort der Geiselnahme wurden keine Angaben gemacht.

Reaktionen der japanischen Regierung

Das Außenministerium in Tokio gehe den Informationen nach, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe, der sich zurzeit im Nahen Osten aufhält, forderte die sofortige Freilassung der Geiseln. Ihre Sicherheit habe für Tokio Priorität, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Kyodo. Es sei notwendig, dass die internationale Gemeinschaft standhaft bleibe und nicht dem Terrorismus nachgebe. Der ihn auf der Nahostreise begleitende Vize-Außenminister Yasuhide Nakayama soll in die jordanische Hauptstadt Amman reisen, um sich um die Lage zu kümmern, hieß es.

Der IS kontrolliert in Syrien und im benachbarten Irak große Gebiete. Eine von den USA geführte internationale Koalition bombardiert seit mehreren Monaten IS-Stellungen in beiden Ländern. Die Extremisten hatten im vergangenen Jahr drei US-Bürger und zwei Briten enthauptet und dazu Videos verbreitet.

Japan will sich an Kampf gegen IS beteiligen

Die Geiselnahme der zwei Japaner erfolgte zwei Tage nach der Ankündigung der japanischen Regierung, Länder, die mit der Bedrohung durch den IS zu kämpfen haben, mit 200 Millionen Dollar zu unterstützen. Die Mittel dienten der Hilfe für Flüchtlinge, machte Abe bei einer Pressekonferenz in Israel deutlich. "Sollten wir in dieser Region die Ausbreitung des Terrorismus oder die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zulassen, würde die internationale Staatengemeinschaft einen unermesslichen Verlust erleiden."

Zudem wolle seine Regierung allgemein im Nahen Osten 2,5 Milliarden Dollar für humanitäre Zwecke und Infrastruktur einsetzen. Japan hatte vor zwei Jahren bereits 2,2 Milliarden Dollar zugesagt.

Erstmals Bodengefechte westlicher Soldaten mit IS

Im Irak ist es erstmals zu einem direkten Schusswechsel zwischen westlichen Bodenstreitkräften und dem IS gekommen. Kanadische Spezialeinheiten seien von IS-Kämpfern mit Maschinengewehren und Granaten beschossen worden, als sie mit irakischen Soldaten die Frontlinie untersuchten, sagte Brigadegeneral Michael Rouleau dem Sender CTV News in Ottawa. Die kanadischen Soldaten hätten das Feuer erwidert und seien bei dem Vorfall unverletzt geblieben.

Kanada bildet die irakische Armee für den Kampf gegen den IS aus. Die 69 Soldaten beteiligen sich nicht am aktiven Kampf, können bei Angriffen aber zurückschießen.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/dayk/dd

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite