Konflikt:China setzt überraschend seine Militärmanöver vor Taiwan fort

Lesezeit: 2 min

Konflikt: Chinesische Kampfflugzeuge führen rund um die Insel Taiwan Operationen durch.

Chinesische Kampfflugzeuge führen rund um die Insel Taiwan Operationen durch.

(Foto: Li Bingyu/dpa)

Das Staatsfernsehen berichtet von Kampfübungen in der Luft und auf See vor dem Inselstaat. Die Manöver seien eine "notwendige Warnung" an die USA und Taiwan.

Überraschend hat China seine Manöver rund um Taiwan fortgesetzt. Ungeachtet seiner anfänglichen Ankündigung, dass die Militärübungen nur bis Sonntag laufen sollten, dauerten die "Kampfübungen" in der Luft und auf See in der Meerenge der Taiwanstraße an, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Die Volksbefreiungsarmee habe sich dabei auf "gemeinsame Einsätze gegen Unterseeboote und zum Angriff auf See konzentriert".

Bei der Ankündigung der Manöver am vergangenen Dienstag hatte China ursprünglich einen Abschluss am Sonntag in Aussicht gestellt. Bisher wurde allerdings kein formelles Ende mitgeteilt. Einige chinesische Kommentatoren hatten vielmehr geäußert, dass die Militärübungen regelmäßig stattfinden und eine neue Normalität werden könnten. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Wu Qian, bezeichnete die Manöver am Montag als "notwendige Warnung" an die USA und Taiwan. Es sei eine "angemessene" Reaktion auf deren "Provokationen".

Die Spannungen seien "bewusst" von den USA geschaffen worden, indem die Sprecherin des amerikanischen Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, gegen den Widerstand aus Peking nach Taipeh gereist sei. Die chinesische Führung lehnt solche offiziellen Kontakte anderer Länder zu Taipeh ab, weil es Taiwan als Teil der Volksrepublik ansieht. Taiwan selbst sieht sich als unabhängig, wird weltweit allerdings nur vom Heiligen Stuhl und von 13 anderen Staaten anerkannt. Die USA unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu Taiwan, sind aber durch den Taiwan Relations Act eng miteinander verbunden. Zuletzt hatte US-Präsident Joe Biden dem Inselstaat zugesichert, ihn bei einem möglichen Angriff Chinas militärisch helfen zu wollen.

Taiwans Militär bestätigte, dass Chinas Militäroperationen andauerten. Ein Sprecher sagte in Taipeh, die Streitkräfte der demokratischen Inselrepublik würden eine angemessene Antwort geben. Er rechtfertigte auch die Entscheidung, dass in dem 23-Millionen-Einwohner-Land am Donnerstag kein Raketenalarm gegeben wurde. An dem Tag hatte China elf ballistische Raketen gestartet, von denen eine nach Berichten nahe der Hauptstadt Taipeh flog. Die Raketen hätten wegen ihrer Flugbahn keine Gefahr dargestellt, beteuerte der Militärsprecher.

Ebenso berichteten Taiwans Streitkräfte, dass chinesische Flugzeuge allein am Sonntag 66 Einsätze geflogen hätten. 22 von ihnen sollen die inoffizielle, aber bisher meist respektierte Mittellinie der Taiwanstraße überquert haben. Auch hätten 14 Kriegsschiffe in der Meerenge an den Manövern teilgenommen. Über der vorgelagerten taiwanischen Insel Kinmen, die nur zwei Kilometer von der chinesischen Küste entfernt liegt, sei am Sonntagabend auch wieder eine chinesische Drohne entdeckt worden, berichtete das Verteidigungsministerium in Taipeh. Seit den 50er-Jahren hatte es keinen chinesischen Überflug der Insel mehr gegeben.

China verteidigte die Manöver. "China hat allen Grund, eine energische Antwort zu geben", sagte Außenamtssprecher Wang Wenbin. Ziel sei, Kräfte in Taiwan zu bestrafen, die Unabhängigkeit wollten. Auch sollten jene, die sich einmischten, gewarnt werden, sagte Wang Wenbin mit Blick auf die USA. "Taiwan ist Teil Chinas." Es sei nur normal, in den "eigenen Gewässern" auch Militärübungen abzuhalten.

Mit den aktuellen Manövern könnte die Volksbefreiungsarmee nicht nur eine See- und Luftblockade, sondern auch eine mögliche Eroberung der Insel üben.

Zur SZ-Startseite

Manöver
:Taiwan: China simuliert Angriff auf die Insel

Chinesische Flugzeuge hätten die inoffizielle Grenzlinie in der Taiwan-Straße überquert, teilt das Verteidigungsministerium in Taipeh mit. Das werte Taiwan als Teil eines simulierten Angriffs.

Lesen Sie mehr zum Thema